Eigentlich müsste sich Anton A. freuen. Er und andere Bad Kissinger haben in ihrem Briefkasten eine Einladung gefunden, die Begeisterung hervorrufen sollte. Tut sie aber nicht. Denn Herr A. war schon einmal bei einem solchen Nachmittag in einem Gasthaus in einem Stadtteil. Dabei habe er erlebt, wie andere Gäste von den "abgebrühten Verkäufern" abgezockt worden sind. Viele hätten denen alles geglaubt.

Nepper, Schlepper, Bauernfänger? Herr A. sagte, dort sei eine Art Gesundheitstrunk verkauft worden. Er sprach von "Wasser mit Limonade ohne jede Wirkung". Damit seien in 20 Minuten - geschätzte - 14.000 Euro Umsatz gemacht worden. So lässt sich erklären, dass die Verkäufer ",Schlitten' für 100.000 Euro fahren", so Herr A. Auch er sei hereingelegt worden, habe mehrere Kartons des angeblichen Wundermittels gekauft und im Keller gelagert. Und statt der vielen versprochenen Wohltaten habe es auch nur ein Stück Schinken, Margarine und Dauerbrot gegeben.

Die Behörden warnen


In der Tat ist Vorsicht geboten. Eingeladen hat ein mysteriöses Unternehmen mit dem Namen Schwarzwald Spezialitäten Ltd. in der Hochstraße 263 im beschaulichen Glottertal. Nur: In dem Schwarzwald-Ort mit 3000 Einwohnern gibt es gar keine Hochstraße. Das jedenfalls sagte auf Anfrage ein Beamter des zuständigen Polizeipostens in Gundelfingen. Auch mit Telefonbuch und Handelsregister kommt man nicht weiter.

Im Internet ist aber die Rede von einer "Geisterfirma". Recherchen von Ordnungsbehörden hätten ergeben, dass es sich um Verkaufsveranstaltungen handele. Vorzugsweise Senioren würden mit unzutreffenden und irreführenden Versprechen angelockt. Angepriesen würden "angebliche Wundermittel zu Wucherpreisen mit äußerst fragwürdigen Methoden". Statt der Gewinne gebe es "allenfalls billigen Ramsch aus Fernost".

Der Wirt des Veranstaltungslokals reagierte auf eine Anfrage nicht sehr freundlich: "Wenn Sie meinen Namen oder den meiner Gaststätte schreiben, zeige ich Sie an", drohte er mehrmals. Die Schwarzwald Spezialitäten Ltd. sei schon mehrfach bei ihm gewesen. Sie komme vier-, fünfmal im Jahr. Angemietet würde ein Raum, bestellt werde Kaffee und Kuchen. O-Ton: "Ich weiß nicht, was da verkauft wird - es interessiert mich auch nicht."

Kaffee, Kuchen, "Wertgeschenk"


Mit Speck fängt man Mäuse, mit Schinken Gutgläubige. Die Schwarzwald Spezialitäten Ltd. geht bei ihrer Einladung zu ihrer "Schwarzwälder Spezialitäten Woche" verbal in die Vollen. Die "Woche" dauert zwar nur etwa drei Stunden, das aber reicht, um das Füllhorn über Geladene, deren Freunde, Nachbarn und Bekannte auszuschütten. Jeder bekomme einen Präsentkorb mit Schinken, Butter, Käse Wurstwaren, Konfitüre und Kirschtorte. O-Ton: "Bitte kaufen Sie vorher nicht ein, denn Ihr Kühlschrank wird nach Ihrem Besuch bei uns reichlich gefüllt sein." Außerdem gibt es noch eine "wertvolle Sammlerpuppe, handbemalt aus dem Schwarzwald", Kaffee und Kuchen - "alles kostenlos", na logo.

Darf's noch ein bisschen mehr sein? Im Rahmen einer "einmaligen Sonderaktion winkt als "Treue Prämie für Ehepaare" ein Benzingutschein für 50 Liter Sprit nach Wahl. Damit ist immer noch nicht genug: Herr A. und auch sein Nachbar Roland B. seien "VIP-Gäste". Als solche erhielten sie "von unserem Sponsor ein Wertgeschenk in Höhe von 500 Euro".

Keine Anmeldung bei der Stadt


Bei der Stadt wusste man nichts von dieser Geschenkaktion. "Eine Anmeldung haben wir nicht", sagte Rathaussprecher Thomas Hack. Aber das sei auch nicht notwendig bei einer geschlossenen Veranstaltung.

Auch der Polizei war diese nicht bekannt. Es kann jedoch durchaus sein, dass am Donnerstag, 5. Juli, um 15 Uhr - rein zufällig - ein Streifenwagen in der Kissinger Straße in Reiterswiesen auftaucht, wo die Geschenkaktion stattfindet. Die Beamten wollen dann sicher nicht ihre Präsentkörbe mit Schwarzwald-Spezialitäten abholen.