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Bad Kissingen
Verfahren

77-Jähriger wegen Geldwäsche vor Gericht

Ein 77-Jähriger ließ sich von hinterlistigen Betrügern einschüchtern und war jetzt selbst angeklagt. Das Verfahren wurde gegen 1200 Euro eingestellt.
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Vor Gericht wurde jetzt das Verfahren wegen Geldwäsche gegen einen 77-Jährigen eingestellt. Er muss eine Geldauflage von 1200 Euro bezahlen.  Symbolbild: FT
Vor Gericht wurde jetzt das Verfahren wegen Geldwäsche gegen einen 77-Jährigen eingestellt. Er muss eine Geldauflage von 1200 Euro bezahlen. Symbolbild: FT
Ahnungslos und leichtgläubig wurde ein Rentner aus dem Landkreis nach bekanntem Muster von einer kriminellen Telefonbetrüger-Bande ausgenutzt. Wegen leichtfertiger Geldwäsche musste sich nun der heute 77-Jährige vor dem Bad Kissinger Amtsgericht verantworten. Wegen nur geringer Schuld wurde das Verfahren nach einer Stunde gegen Zahlung einer Geldstrafe von 1200 Euro eingestellt.


Glücksspiel sog Ersparnisse auf

Vor drei Jahren hatte sich der Rentner, wie er vor Gericht aussagte, an einem Glücksspiel beteiligt, für das er monatlich 59 Euro von seinem Konto überwies. Nachdem er insgesamt 2000 Euro gezahlt und damit seine Ersparnisse aufgebraucht hatte, der erhoffte Gewinn aber bis dahin ausgeblieben war, hatte der Senior seine Zahlung eingestellt.
Daraufhin wurde ihm telefonisch mit einem möglichen Prozess in der Türkei gedroht. Als möglichen Ausweg aus dieser Misere bot man ihm an, er solle sein Konto für Geldtransfers zur Verfügung stellen. Der Rentner willigte in seiner Hilflosigkeit und Unerfahrenheit ein. Dies wurde ihm nun zum Verhängnis.


Sieben Einzahlungen

Zwischen Mai und Dezember 2015 wurden insgesamt sieben Einzahlungen von insgesamt mehr als 25 000 Euro eingezahlt. Der Rentner hob die Einzelbeträge auftragsgemäß in bar ab und zahlte sie in Schweinfurt bei der Western Union an wechselnde Empfänger ein. Für seine Fahrtkosten durfte er minimale Euro-Beträge zurückbehalten. Beim ersten Geldtransfer seien dies allerdings 490 Euro gewesen, hielt ihm die Richterin vor. Doch weder an diesen Betrag noch an sonstige Einzelheiten konnte sich der Angeklagte im Prozess erinnern.
"500 Euro sind absolut unüblich", sagte der als Zeuge geladene Kriminalbeamte vor Gericht aus. "Normal sind 20 Euro." Auf den Angeklagten war die Kripo durch eine Anzeige der Western Union aufmerksam geworden. Damals hatte die Bank eine Zahlung von etwa 2000 Euro blockiert und auf Weisung der Polizei an den geschädigten








Einzahler zurücküberwiesen. "Wie sich herausstellte, hatte dieser Geschädigte insgesamt schon 70 000 Euro an die kriminelle Bande gezahlt", erinnerte sich der Beamte.
"Oft bleiben Warnungen der Polizei bei Geschädigten erfolglos." Auch der Angeklagte hatte nach seiner ersten Vernehmung weitergemacht. In mehreren Telefonaten hatte ihn erst ein angeblicher Staatsanwalt aus Berlin mit einem Prozess in Berlin erpresst, dann ein ihm unbekannter Jurist telefonisch wieder beruhigt und auf die Rechtmäßigkeit seines Handelns hingewiesen. "Das ist die übliche Masche.



In dieser Altersgruppe ist ein Jurist mit Doktortitel noch eine Respektsperson", begründete der Kripobeamte die Leichtgläubigkeit auch dieses Angeklagten. "Es wird psychologischer Druck aufgebaut. Die Geschädigten werden diesen Leuten hörig."


Verschwiegen vor Scham

Erst durch die Gerichtspost war die Familie des angeklagten Seniors auf den Fall aufmerksam geworden. "Die Geschädigten sprechen mit niemandem darüber", erklärte der Beamte, "sei es aus Scham oder weil die Anrufer strikte Geheimhaltung fordern."
Während der Kriminalbeamte aus langjähriger Erfahrung kenntnisreich und ausführlich das Vorgehen solcher Banden vor Gericht schilderte und auch in diesem Fall mit Einzelheiten dienen konnte, schien der Angeklagte im Prozess hilflos, verstand wegen seiner Schwerhörigkeit die Fragen kaum und konnte zu Einzelheiten nichts sagen. "Haben Sie denn niemals hinterfragt, warum sie das alles machen sollen?", versuchte die Richterin mit großer Mühe und mit Unterstützung der Verteidigung, aber dennoch ziemlich erfolglos, Genaueres vom 77-Jährigen zu erfahren.


Strafe in sechs Monatsraten

Nach kurzer Unterbrechung stellte die Richterin in Abstimmung mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung das Verfahren wegen geringer Schuld des Angeklagten gegen Zahlung einer Geldstrafe von 1200 Euro ein, zahlbar in sechs Monatsraten. "Dann wird eben gespart", meinte der Rentner verlegen lächelnd - wohl froh darüber, das Ganze endlich überstanden zu haben.

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