Christian Zoll (SPD) sieht sich gerne als ein Art "Alt-OB der Herzen". Er hat bislang alle Orden und Würdigungen abgelehnt. Als aber er und Otto Funck (FW) sich in der das Goldene Buch der Stadt Bad Kissingen eintragen sollten, da sagte er nicht nein, sondern sprach von "nobler Geste". Denn "das hat meinen langjährigen Freund und mich sehr gefreut und macht uns auch stolz".

Christian Zoll und Otto Funck befinden sich da in einer illustren Gesellschaft. Als Erste hat sich in dem Folianten Kaiserin Auguste Viktoria am 25. Juli 1889 verewigt. Vor den beiden Stadträten hat sich vor fast genau einem Jahr Staatsminister a. D. Hans Maier eingetragen.

Stolz merkte Zoll an, dass hier auch sein Urgroßvater Hermann aufgeführt ist. Der Dichter Theodor Fontane widmete ihm und den beiden anderen Feinbäckern Memmel und Messerschmitt eine Zeile in seiner Ode an die Kissinger Hörnchen.


Ins goldene Buch eingetragen



Bei der Feierstunde anlässlich der Kreisgebietsreform vor genau 40 Jahren durften Christian Zoll und Otto Funck sich ins Goldene Buch eintragen, weil sie schon damals dem Stadtrat angehörten und heute noch dessen Mitglied sind. Sie waren "für das Anekdotische" (Zoll) zuständig.

Otto Funck erinnerte sich, als er 1972 für die Stadtratsliste geworben werden sollte. Erst kam Christian Zoll zu ihm auf den Hof, dann sprach ihn Edi Hahn (CSU) an. Aber: Der eine sei ihm zu rot gewesen, der andere zu schwarz. Da sei er beim Kissinger Block gelandet, dem Vorgänger der Freien Wähler. Ihnen hat er die Treue gehalten. In seiner kurzen Ansprache wurde auch deutlich, dass es im Stadtrat - über die Parteigrenzen hinweg - und in der Verwaltung "menschelt". So als ihn dereinst SPD-Urgestein Gustav Brand rügte: "Guck mich o, Bürschle, wenn de mir die Hand gibst."

OB Kay Blankenburg (SPD) und Unterfrankens Regierungspräsident Paul Beinhofer waren sich einig: Die Gebietsreform sei erfolgreich gewesen. Es sei Bad Kissingen gelungen, die neue Gebietskörperschaft mit einer gemeinsamen Identität und einem Bewusstsein der Zusammengehörigkeit zu füllen. Trotzdem seien Charakter und Individualität der eingemeindeten Orte bewahrt worden.


Umliegende Orte wurden nicht aufgesogen



Der OB belegte das mit den selbstständigen Feuerwehren der Stadt: Sie trügen ihre Verbundenheit nicht nur in ihrem Herzen, sondern auch auf der Uniform. Dort sei der Namen ihres Stadtteils aufgebracht. Die umliegenden Orte seien nicht aufgesogen worden. Ihr ursprüngliches Erscheinungsbild sei nicht verloren gegangen.
Paul Beinhofer wies auf die Herausforderungen hin. Bad Kissingen könne hier als Gesundheitsregion punkten, sagte er unter Hinweis auf das neue Zentrum für Telemedizin.

Landrat Thomas Bold (CSU) nannte die Gebietsreform richtig. Mit der alten Struktur wären die Aufgaben von heute nicht zu lösen. Bad Kissingen habe durch die Zentralität gewonnen.

Bayern hat den Status einer Großen Kreisstadt am 1. Juli 1972 zusammen mit der Kreisgebietsreform eingeführt. Manche sagen, das sei auch eine Art "Trostpflaster" für den Verlust der Kreisfreiheit. In Bayern gibt es 28 Große Kreisstädte. Sie sind zwar - anders als Schweinfurt oder Würzburg - kreisangehörig, dürfen aber Landkreisaufgaben wie die Jugendarbeit oder das Baugenehmigungsverfahren erfüllen.


23 Städte wurden "degradiert"



Bis 30. Juni 1972 hat es im Freistaat 48 kreisfreie Städte gegeben, 23 verloren diesen "Titel" und wurden, wie Bad Kissingen auch, einem Landkreis eingegliedert. Begründung: Sie seien zu schwach, neben ihren kommunalen Aufgaben auch die einer Kreisverwaltungsbehörde zu erfüllen. Ihr Aufgabenbereich ist in einer Verordnung geregelt. An der Spitze steht, wie schon vorher, ein Oberbürgermeister.

Christian Zoll (SPD) hat dieses Amt von 1990 bis 2002 - zwei Amtsperioden - ausgeübt. Der Volkswirtschaftler und gebürtige Bad Kissinger (71) gehört dem Stadtrat seit 1972 und bis heute an. Von 1974 bis zu seiner Wahl führte er die SPD-Fraktion. Otto Funck (68) war Landwirt. Auch der Freie Wähler ist seit 1972 Stadtratsmitglied. Er leitet dort die FW-Fraktion. Funck und Zoll gehören auch dem Kreistag an.