Bad Kissingen
Engagement

30 Jahre Sozialdienst für ausländische Geflüchtete im Landkreis Bad Kissingen

Sein 30-jähriges Bestehen hat der Sozialdienst für ausländische Geflüchtete jetzt in Bad Kissingen gefeiert.
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Seit 30 Jahren gibt  es den  Sozialdienst für ausländische Geflüchtete im Landkreis Bad Kissingen. Unser Foto zeigt Ursula Hartmann, die den Dienst aus der Taufe hob, mit dem stellvertretenden Landrat  Emil Müller. Foto: Klaus Werner
Seit 30 Jahren gibt es den Sozialdienst für ausländische Geflüchtete im Landkreis Bad Kissingen. Unser Foto zeigt Ursula Hartmann, die den Dienst aus der Taufe hob, mit dem stellvertretenden Landrat Emil Müller. Foto: Klaus Werner
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Bereits vor 30 Jahren kamen Flüchtlinge nach Bad Kissingen, die vor dem Krieg zwischen Irak und Iran geflüchtet waren. Dann waren es Spätaussiedler und Russlanddeutsche, dann Balkanflüchtlinge, dann Menschen aus Afghanistan und später aus Syrien. Ihnen allen war gemeinsam, dass sie ihr Leben in Deutschland, in einer fremden Kultur bewältigen mussten. Wohlfahrtsverbände und Ehrenamtliche übernahmen die Verantwortung, sich um diese Menschen zu kümmern. Mit einem kleinen Jubiläum feierte der Sozialdienst für ausländische Geflüchtete, der dem Caritasverband im Landkreis Bad Kissingen angehört, sein 30-jähriges Bestehen. Ursula Hartmann, die 1988 den Sozialdienst aus der Taufe gehoben hatte, gestand: "Geblieben ist mir das Gefühl, das mein Einsatz immer zu wenig war."

Sie gewährte denn auch einen sehr persönlichen Rückblick auf, ja Einblick in 30 Jahre Sozialdienst. Bereits 1987 gab es nach ihren Angaben 100 000 Flüchtlinge in Deutschland und im Landkreis Bad Kissingen drei Gemeinschaftsunterkünfte. Die Erkenntnis setzte sich durch, dass man sich um diese Gruppe kümmern müsse, und so entstand 1988 eine auf zwei Jahre befristete Beratungsstelle für geflüchtete Menschen, die aus mehreren Quellen finanziert wurde.

"Mit Null Ahnung von irgendwas" begann Ursula Hartmann und erkannte: "Wie kann sich ein Flüchtling in einer Materie zurechtfinden, wenn man es als studierter Mensch nicht schafft." Sie erzählte an Beispielen von den "Freundeskreisen", die sich in Bad Brückenau oder Münnerstadt um die Flüchtlinge gekümmert haben, oder der Überforderung einer kleinen Rhöner Gemeinde mit 150 Flüchtlingen auf nur 300 Einwohner oder den gelben Briefen, die als Ablehnungsbescheid Angst auslösten.

Ursula Hartmann begrüßte, dass man von den Sachleistungen Abstand genommen habe, dass die später eingeführten Gutscheine den Menschen eine gewisse Verantwortung zurückgegeben hätten und dass man ihnen mit Geldleistungen die Entscheidungsfreiheit zurückgab: "Ja, Flüchtlinge können einkaufen." Sie berichtete vom "Ruck nach Rechts", der schon vor 20 Jahren spürbar gewesen und heute wieder da sei, von den restriktiven Veränderungen in den Gesetzen. Sie zeigte sich dankbar, wenn Ermessensspielräume ausgenutzt werden und neue Chancen eröffneten.

Mit den Krisen in der Welt seien die Flüchtlingszahlen wieder gestiegen, doch war es nach 2011 eine "Willkommenskultur" und viele Ehrenamtliche haben sich engagiert. Daneben brauche es aber weiterhin die Fachberatung, und sie selbst sei im "Dschungel der Asylverfahren" fit geworden - und dies müsse man auch werden, um den Geflüchteten vor Ämtern und Gerichten zu ihrem Recht zu verhelfen. Nach der Flüchtlingswelle 2015 sei es eine "chaotisch-dynamische Zeit" gewesen, so dass das Team des Sozialdienstes immer größer werden musste, um die Flut an Arbeit erledigen zu können. Sie dankte ihrem Team aus sieben Personen, das vier Vollzeitstellen umfasse, und bekräftigte: "Wir haben ein Netz zum Wohle der Flüchtlinge geschaffen." Sie selbst werde sich im Frühjahr 2019 zurückziehen, und dies falle mit dem Abbau um zwei Vollzeitstellen zusammen. Für Ursula Hartmann sei dies ein Rückschritt, der sie an die Anfänge der Flüchtlingsberatung erinnere.

Mit Kaffeezeremonie, Musik, kleinem Rahmenprogramm und einem internationalen Buffet begann die Veranstaltung in den Räumen des Caritasverbandes, bevor im angrenzenden Pfarrsaal der offizielle Teil startete. Die musikalische Gestaltung lag in den Händen der Initiative "WIMU". Das steht für "Willkommen mit Musik" und ist ein Projekt des Würzburger Theaters am Neunerplatz zur musischen Betreuung von Asylbewerbern und Flüchtlingen. Begrüßt wurden die Gäste durch Emil Müller, dem Vorsitzenden des Caritasverbandes, und nachdenklich waren seine Worte zu einem Jubiläum, dessen Thema in der Bevölkerung umstritten und in der Politik ein Streitthema sei.

In einem Grußwort lobte die Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar die Vorbildfunktion der Sozialstation, denn die Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer stehen für die Erfolge der Integration im Landkreis Bad Kissingen.

Als ehemalige Kreisrätin war Christine Müller sehr nahe an der Flüchtlingsproblematik und berichtete vom Spannungsfeld zwischen Menschlichkeit und Bürokratie bei der Hilfe für die Flüchtlinge. Diese stünden unter starken psychischen Druck aufgrund ihrer Erlebnisse und ihrer unsicheren Situation. Viel Kraft werde von den haupt- und ehrenamtlichen Kräften aufgebracht, um bei Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche zu helfen, doch manchmal lähme der deutsche Bürokratismus das Engagement.

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