Bad Kissingen
Tod

25 Jahre Hospizverein Bad Kissingen: Bärbel Schäfer liest über Sterben und Tod

Die Moderatorin verlor innerhalb kurzer Zeit ihren Vater und Bruder. Die Erlebnisse verarbeitete sie in dem Buch "Ist da oben jemand?". Daraus las sie auf Einladung des Hospizvereins vor.
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Reinhard Höhn, Vorsitzender des Hospizvereins Bad Kissingen, und Bärbel Schäfer. Foto: Sigismund von Dobschütz
Reinhard Höhn, Vorsitzender des Hospizvereins Bad Kissingen, und Bärbel Schäfer. Foto: Sigismund von Dobschütz
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Innerhalb weniger Monate verlor die Journalistin und Moderatorin Bärbel Schäfer (55) ihren Bruder durch einen Unfalltod und ihren Vater nach langem Siechtum. Das war vor fünf Jahren. Ihre Trauer verarbeitete sie anschließend in ihrem Buch "Ist da oben jemand?", aus dem sie am Samstag auf Einladung des Kissinger Hospizvereins zu dessen 25-jährigem Bestehen einige Auszüge vorlas.

Der Tod ist Bärbel Schäfer nicht fremd. Schon 1998 starb ihr Lebensgefährte bei einem Verkehrsunfall. Ihr jüngerer Bruder Martin, dem sie nicht nur als Kind, sondern auch als Erwachsene eng verbunden war, verlor 2013 bei einem riskanten Überholmanöver auf regennasser Autobahn sein Leben. Nur wenige Monate später starb Schäfers Vater, den sie bis zum Tod begleitete, nach längerer Zeit auf der Palliativstation. "Ist da oben jemand?" fragte sie sich nun. Ihr Vater war zwar engagierter Christ, sich selbst bezeichnet sie aber als Atheistin. "Gott war bisher keine Option für mich." Eine Antwort suchte sie bei der Vorbereitung zu ihrem Buch in Gesprächen mit Geistlichen verschiedener Religionen - auch mit einem Rabbiner, dessen jüdischer Gemeinde sie seit ihrer Hochzeit mit dem Journalisten Michel Friedmann angehört.

Verwaiste Schwester

Wo finden gläubige Menschen Halt in schwierigen Lebenskrisen? Kann der Glaube helfen? Was sind andernfalls mögliche Leitplanken im Leben? "Darf ich beten, ohne zu glauben?", fragt sich die "verwaiste Schwester" nach dem Unfalltod des geliebten Bruders. "Mir fliegt gerade das Leben um die Ohren und ich lege Blumen an einem Autobahnstreifen nieder", beschreibt sie ihre Zweifel. "Hast du geirrt, Gott?" Schäfer beschreibt sehr eindringlich, unterstützt durch biografische Einschübe aus gemeinsamer Kindheit und späteren Jahren, ihren unbändigen Schmerz, ihre Wut, ihre Verzweiflung. Sie gibt dem Leser tiefe Einblicke in ihr Seelenleben. Sie schildert die tröstenden Versuche ihres Sohnes, der ihr ein Piratenpflaster und seinen Stoffhasen überlässt. Sie zählt die Erinnerungsinseln auf, die ihren Bruder für sie lebendig halten wie "Martins Klingelton auf einem fremden Handy". Martin mag gestorben sein, aber in seiner Schwester lebt er weiter. "Erst wenn niemand mehr da ist, der über ihn spricht, ist er wirklich tot. Loslassen zu lernen, ist meine Aufgabe."

Erfahrung mit einer anderen Art des Sterbens musste Schäfer zur selben Zeit bei der Begleitung ihres Vaters auf der Palliativstation machen. "Aus einem stattlichen, sportlichen Mann war ein Bettpfannen-Mann geworden." Der Tod eines nahen Menschen stellt Weichen im eigenen Leben. Er bietet aber auch die Chance, selbst einen neuen Weg zu gehen, hat Schäfer erkannt. "Wir hatten noch so viel vor. Hätte ich gewusst, wie schnell die Zeit durch die Jahre rast, hätte ich sie besser genutzt", schreibt sie in ihrem Buch. Zugleich verneint sie den Wunsch nach ewigem Leben. "Alles ist endlich, das Leben, die Liebe. Aber bei der Liebe hat man wenigstens eine Chance, sich neu zu verlieben."

Offener Umgang mit Gefühlen

"Wer wird einst meine Hand halten?", fragt sie sich nach dem Tod ihres Vaters. Viele solcher Fragen formuliert Bärbel Schäfer in ihrem Buch "Ist jemand da oben?". Es bietet seinen Lesern eine Anregung zur eigenen Auseinandersetzung mit dem Glauben, dem Tod, der Trauer und Wut. Die Offenheit und Ehrlichkeit in der Beschreibung tiefer, sehr persönlicher Gefühle zeigen nach Ende der Lesung im Publikum ihre Wirkung. Fragen gibt es sicher einige. Doch sie ebenso offen der Autorin stellen, mag anscheinend niemand.

Infos zum Buch Bärbel Schäfer: "Ist da oben jemand? Weil das Leben kein Spaziergang ist", Gütersloher Verlagshaus, gebunden, 224 Seiten, Preis: 20 Euro, ISBN 978-3579086378; einige von Bärbel Schäfer signierte Exemplare gibt es bei "seitenweise. Die Buchhandlung", Ludwigstraße 21, Bad Kissingen.

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