Um ihre Enkelin anzufeuern, sind sie extra an die Strecke gekommen. Gerda und Manfred Müller sind ganz stolz auf ihre Laura, die nun schon die fünfte Runde gelaufen ist. Atemlos bleibt sie bei Oma und Opa stehen."Sogar mein Bruder spendet etwas von seinem Taschengeld", erzählt sie stolz. Und Opa Manfred zückt vorsorglich schon mal einen 20-Euro-Schein.
Der Sponsorenlauf der Grundschüler startete heuer zum vierten Mal. 214 Schüler tobten sich rings um das Wasserhäuschen im Breitenbacher Weg aus. "Es gibt zwei Strecken", erklärt Schulleiterin Barbara Buz. "Die Großen laufen 800 Meter pro Runde. Die ersten und zweiten Klassen nur 500." Wer nicht mehr kann, erfrischt sich am Getränkestand, der von der Staatlichen Mineralbrunnen AG gesponsert wurde, oder holt sich eine Stärkung vom reichhaltigen Obstangebot, das Tegut beigesteuert hat.
Mit jeder Runde, die die Schüler laufen, fließt blankes Geld. Familie und Freunde der Kinder haben sich bereit erklärt, einen bestimmten Betrag pro Kind und Runde zu spenden. Der Erlös kommt heuer zu 80 Prozent einem sozialen Projekt in Indien zugute, für das sich die Brückenauerin Leoni Nelkenstock gerade vor Ort einsetzt. "Die restlichen 20 Prozent legen wir für die Gestaltung unseres neuen Schulhofes auf die hohe Kante", sagt Buz.
Am Zieleinlauf der großen Runde sitzt Denise Schmitt.Die kleine Frau mit blonden Haaren arbeitet als Religionslehrerin an der Grundschule. Sie hat den Kindern im Unterricht genau erklärt, wohin das Geld geht und wie die Menschen in Indien leben. "Leoni ist für die Kinder ein local hero, also eine lokale Heldin. Ihr Engagement hat die Schüler schon sehr beeindruckt", erzählt Schmitt. In der Schule gibt es eine Plakatwanderstelle, durch die den Schülern das Projekt in Indien immer vor Augen ist. Im Unterricht haben sie das Land auch schon auf der Karte gesucht.
Kimberly aus der 3c hat eine ganz genaue Vorstellung davon, wofür sie rennt. "Die Leoni hilft kranken Leuten", sagt sie. Ihre Mutter spendet für jede Runde 20 Cent und ihre zierliche Tochter lässt sich nicht lumpen. Fünf Runden hat sie sich vorgenommen, das sind immerhin vier Kilometer. "Die Kinder wissen, dass sie auch mit kleinen Dingen etwas bewirken können", hebt die Religionslehrerin hervor. Es gehe ihr nicht in erster Linie darum, die globale Ungerechtigkeit zu thematisieren. Dafür sei es in der Grundschule noch zu früh. "Mein Fokus liegt auf der Vorbildfunktion", sagt Schmitt.
Vorbildlich ist auch der Einsatz der Streckenposten, die bei trübem Wetter im feuchten Wald stehen. Irina Michaelis zum Beispiel möchte "den Kindern Power geben und sie unterstützen". Ihr Sohn Daniel aus der Klasse 4b hat schon 12 Runden hinter sich gebracht. Ein paar hunderte Meter weiter steht ein weiteres Großelternpaar. "Weiter so!", ruft der Mann mit der roten Regenjacke. "Auf zur letzten Runde!"