Wildflecken
Bürgerinfo

16 Flüchtlinge sind für Wildflecken angekündigt

Der Flüchtlings-Koordinator des Landkreises, Stefan Seufert, sieht Vorteile in überschaubaren Unterkünften. Es gebe noch genügend Leerstände in der Region, über die man nachdenken müsse - auch in den kleinen Gemeinden.
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Das Warten ist für die Asylbewerber oft das Schlimmste. Das Bild zeigt Mohamed Shaker Safeyah, der mit seiner Frau und zwei Kindern aus Syrien geflohen ist. Mittlerweile hat die Familie, die in Volkers unterkam, die Anerkennung als Flüchtlinge bekommen. Foto: Ulrike Müller/Archiv
Das Warten ist für die Asylbewerber oft das Schlimmste. Das Bild zeigt Mohamed Shaker Safeyah, der mit seiner Frau und zwei Kindern aus Syrien geflohen ist. Mittlerweile hat die Familie, die in Volkers unterkam, die Anerkennung als Flüchtlinge bekommen. Foto: Ulrike Müller/Archiv
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Mit einem Blick in die deutsche und die Wildfleckener Geschichte startete Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) in die lange erwartete Informationsveranstaltung zum Thema Flüchtlinge. Das Wildfleckener Sportheim konnte die rund 200 Zuhörer aus allen drei Ortsteilen gerade so fassen. "Wildflecken hat in seiner ganzen Historie schon enorme Anstrengungen zur Integration von Neubürgern unternommen", so Kleinhenz, der an die Flüchtlingsströme in der Nachkriegszeit und den
Zustrom von Spätaussiedlern nach der Wende erinnerte.
Nach aktuellem Stand werden in Wildflecken insgesamt 16 Asylbewerber untergebracht, erläuterte Stefan Seufert, Flüchtlings-Koordinator am Landratsamt. Wohnen werden sie bei der Familie Kirchner in den Gästezimmern des Würzburger Hofs, die Gaststätte bleibt aber weiterhin in Betrieb. Noch ist nicht ganz klar, wann genau die ersten Flüchtlinge an kommen. Familie Kirchner geht von einigen Wochen oder Monaten aus.


Bewerbung zurückgezogen

Die ursprünglichen Planungen zur Unterbringung von etwa 60 Asylbewerbern in "Klein Manhattan" in der Colonel-Huff-Straße hätten sich wieder zerschlagen. Der Eigentümer der Wohnanlagen habe seine Bewerbung zurückgezogen. "Es gibt strenge Auflagen für die Unterbringung von Flüchtlingen", sagte Seufert. "Der Bewerber war nun offensichtlich nicht mehr dazu bereit, sämtliche Auflagen zu erfüllen. Besonders auf die ständige Betreuung der Menschen direkt vor Ort legen wir großen Wert. Das muss unbedingt gewährleistet sein."
Seufert berichtete von den sechs Gemeinschaftsunterkünften im Landkreis. "Je kleiner und überschaubarer eine Unterkunft, desto besser kann man natürlich eventuelle Probleme bewältigen." Rund 1400 Flüchtlinge seien derzeit im ganzen Landkreis untergebracht. "Die Zahl variiert aber täglich." Dezentrale Unterkünfte, wie die neue Einrichtung in Wildflecken, haben die geringste Laufzeit, sollen also als erstes wieder aufgelöst werden, wenn der Bedarf nicht mehr existiert.
Bayern muss von allen Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, etwa 15 Prozent aufnehmen, so Seufert weiter. "Wir versuchen im Landkreis Bad Kissingen nach Möglichkeit, die Flüchtlinge wiederum regional zu verteilen. Auch das hat sich bewährt. Wir haben im Landkreis sehr viele leerstehende Häuser, auch und gerade in den Ortskernen." Dennoch gebe es noch "weiße Flecken" auf der Landkarte.
Seufert äußerte Verständnis für die Sorgen der Bürger. Er machte aber auch deutlich, dass im Landkreis keine Zunahme von Kriminalität im Zusammenhang mit der Aufnahme von Flüchtlingen zu erkennen war. Durchaus müsse man immer wieder mit traumatisierten Flüchtlingen rechnen, die viel Schlimmes auf ihrer Flucht erlebt hatten. Die dauerhaft besten Erfahrung habe man mit den Unterkünften gemacht, in denen die Vermieter selbst wohnen oder nicht weit entfernt sind.
Es werde vom Landkreis stets versucht, Familien und Alleinstehende in den Unterkünften zu mischen. "Wir versuchen jedenfalls zu vermeiden, dass nur junge Männer auf einem Fleck zusammen leben."
Seufert machte klar: Kinder müssen so schnell wie möglich eingeschult werden. "Rund 200 Schüler haben wir im Landkreis derzeit integriert. Das ist natürlich eine gewaltige Herausforderung für die Lehrer." Die Flüchtlingskinder seien in der Regel sehr lernwillig und motiviert. Eine Kindergartenpflicht bestehe hingegen nicht.
Seufert ermunterte die Einheimischen dazu, ohne Angst auf die Flüchtlinge zuzugehen. "Der persönliche Kontakt ist unheimlich wichtig." Sport, Musik und Vereinsleben seien tragende Säulen der Integration. Gerade auch in den Fußballvereinen der Region seien die Flüchtlinge willkommen.
Seufert betonte mehrfach: "Wir machen grundsätzlich nichts gegen den Willen der Gemeinde. Wir handeln immer in Absprache mit den Kommunen." Im Jahr 2014 hatte Bürgermeister Kleinhenz noch interveniert, als in Oberwildflecken eine Flüchtlingsunterkunft entstehen sollte. "Im kleinsten Ortsteil Oberwildflecken ist es für mich ausgeschlossen. Wir wollen keine Ghettoisierung. Aber wir stehen angesichts der Flüchtlingszahlen jetzt auch in einer Verpflichtung. Das kann sich jeder vorstellen. Ich denke nicht, dass uns 16 Menschen im Ort vor irgendwelche Probleme stellen."
Für Seufert ist nachvollziehbar: Die unmittelbaren Nachbarn haben oftmals Sorgen. Die Enge des Zusammenlebens gerade in den ganz großen Einrichtungen mache auf die Dauer schon Probleme. "Ich will nichts schönreden." Viele Ehrenamtliche hätten sich aber schon so sehr an die Familien gewöhnt, dass eine Abschiebung immer wieder schmerzhaft sei. "Das muss man auch erst einmal verkraften können."
Seufert erklärte, dass das Wohnraumangebot im nördlichen Landkreis deutlich größer als im Osten beziehungsweise im Einzugsgebiet von Schweinfurt sei. "Wir haben in manchen Dörfern einen wahnsinnig hohen Leerstand."
In Wildflecken gebe es im Hinblick auf den Truppenübungsplatz natürlich auch ganz besondere Herausforderungen. Man müsse die Flüchtlinge sehr schnell darüber informieren, dass sie keinesfalls auf das Militärgelände gehen dürfen. Zudem könne der Schießlärm für die Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten für große Verwirrung sorgen. Daher sei frühzeitige Information über den Militärstandort notwendig.
"Wenn Integration gelingen kann, dann in Wildflecken", zeigte sich Kleinhenz zuversichtlich. Der Ort habe das über so viele Jahre hinweg unter Be weis gestellt.







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