Stockstadt am Main
Feuer

Nach Großbränden in Stockstadt am Main: Brandstifter ermittelt

Die Polizei hat einen Brandstifter festgenommen. Er ist offenbar für mehrere Brände im Raum Aschaffenburg verantwortlich.
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Innerhalb weniger Stunden brennt es in Stockheim gleich zwei Mal. Der Strom fällt teilweise aus. Symbolbild: Marcus Führer dpa
Innerhalb weniger Stunden brennt es in Stockheim gleich zwei Mal. Der Strom fällt teilweise aus. Symbolbild: Marcus Führer dpa
Ermittlungsergebnisse (06.04.18): Nach dem schadensträchtigen Großbrand in Stockstadt am Main am Osterwochenende in einem kunststoffverarbeitenden Betrieb steht inzwischen fest, dass das Feuer vorsätzlich gelegt worden war. Die Kripo Aschaffenburg hat im Zuge intensiver Ermittlungen rasch einen Tatverdächtigen ermittelt, der am Freitag in einem Bezirkskrankenhaus untergebracht wurde. Wie die Polizei mitteilt, kommt der offenbar psychisch belastete 34-Jährige auch für weitere Brandstiftungen in den vergangenen Monaten im Raum Alzenau und Karlstein in Frage.

Wie bereits berichtet, war am Ostersonntag kurz nach 16 Uhr die Mitteilung über den Brand in der Dr.-Patt-Straße bei der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Unterfranken eingegangen. Mehrere Streifenbesatzungen der Polizeiinspektion Aschaffenburg eilten sofort zum Einsatzort und stellten fest, dass es im Bereich einer größeren Lagerhalle lichterloh brannte. Schwarzer Rauch stieg in den Himmel. Anwohner wurden daher über einen längeren Zeitraum gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Das Gebiet um den Brandort wurde weiträumig abgesperrt. Eine Hochzeitsfeier mit einigen hundert Gästen, die in einer angrenzenden Eventhalle stattfinden sollte, musste aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. Darüber hinaus wurde der Flugverkehr am Flugplatz Großostheim-Ringheim vorsorglich eingestellt.

Ein Großaufgebot an Feuerwehr bekämpfte den Brand bis zum Folgetag. Auch der Rettungsdienst war mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort. Das THW war nach Einbruch der Dunkelheit insbesondere zur Ausleuchtung des Brandortes im Einsatz. Zum Fertigen von Luftaufnahmen wurde ein Polizeihubschrauber angefordert. Insgesamt vier Feuerwehrleute erlitten während der Löscharbeiten leichte Verletzungen. Insgesamt entstand laut Polizei ein Sachschaden, der sich nach aktuellen Schätzungen auf etwa sechseinhalb Millionen Euro belaufen dürfte.

Die Ermittlungen zur Brandursache hat noch am Sonntag vor Ort die Kriminalpolizei Aschaffenburg übernommen. Nachdem das Feuer gelöscht war, nahmen die Kripobeamten gemeinsam mit Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamts den Brandort genauer unter die Lupe. Auch Brandmittelspürhunde kamen bei der Ursachenermittlung zum Einsatz. Bei der Brandortbegehung stellte sich heraus, dass das Feuer offenbar im Außenbereich entstanden ist und die Flammen daraufhin auf die angrenzende Lagerhalle übergegriffen haben. Nach und nach verdichteten sich die Hinweise, dass der Brand vorsätzlich gelegt worden war.

Im Zuge umfangreicher, kriminalpolizeilicher Ermittlungen, die in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg geführt wurden, kristallisierte sich ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma als Tatverdächtiger heraus. Die Beamten nahmen den 34-Jährigen, der aus der Region stammt, am Donnerstag vorläufig fest. Er räumte in der Folge ein, nicht nur das Feuer in der Dr.-Patt-Straße, sondern auch zurückliegende, kleinere Brände im Raum Alzenau vorsätzlich gelegt zu haben. Nach dem aktuellen Ermittlungsstand kommt der mutmaßliche Serientäter für insgesamt sieben Brände in der Region in Frage. Betroffen davon waren unter anderem Hochsitze sowie Wald- und Wiesenflächen.

Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wurde der Festgenommene am Freitagvormittag dem Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Aschaffenburg vorgeführt. Dieser ordnete die einstweilige Unterbringung des offenbar psychisch belasteten Tatverdächtigen in einem Bezirkskrankenhaus an. Die umfangreichen, kriminalpolizeilichen Ermittlungen dauern unterdessen weiterhin an.


Was zuvor geschah:

Großalarm in Stockstadt am Main: Nachdem am Vormittag bereits eine Papierfabrik in der Stadt im Kreis Aschaffenburg in Flammen aufging, brannte es am Nachmittag in einer weiteren Firma. Die Feuerwehr hat den Brand im Griff, bei den Löscharbeiten wurde jedoch ein Feuerwehrmann leicht verletzt. Die Kripo Aschaffenburg hat die Ermittlungen bereits aufgenommen, die Brandursache ist noch unklar.

Wie die Polizei berichtet, war gegen 16.00 Uhr auf dem Firmengelände in der Dr.-Patt-Straße eine Lagerhalle in Brand geraten. Aus dem Dach des Gebäudes waren bei Eintreffen der Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei bereits Flammen geschlagen.


Starke Rauchentwicklung in Stockstadt


Es kam zu einer starken Rauchentwicklung, weshalb die Anwohner von Stockstadt unter anderem über Rundfunkdurchsagen und die Sozialen Medien angehalten wurden, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Zudem wurde der Flugverkehr am Flugplatz Aschaffenburg-Großostheim gesperrt. Gegen 19.30 Uhr hatte die Feuerwehr den Brand unter Kontrolle und die Rauchentwicklung hatte stark nachgelassen. Somit konnte Entwarnung für die Bevölkerung gegeben werden. Nach aktuellem Stand wurden keine gefährlichen Stoffe in der Halle gelagert, für die Bevölkerung besteht somit keine Gefahr. Auch der Flugverkehr konnte mittlerweile wieder frei gegeben werden.

In einer an das Firmengelände angrenzenden Eventhalle war für den Abend eine Feierlichkeit mit einigen hundert Personen geplant. Die Halle musste aus Sicherheitsgründen geräumt werden. Die Gäste konnten in der naheliegenden Frankenhalle unterkommen.


Stromausfälle im Kreis Aschaffenburg


Hochspannungsleitungen, die mit Masten über das Brandobjekt geführt wurden, waren durch die Flammen in Mitleidenschaft gezogen worden. Im Zusammenhang mit den beschädigten Leitungen kam es zu Stromausfällen, der zuständige Stromversorger ist diesbezüglich bereits eingeschaltet. Betroffen waren Haushalte in Alzenau, Kahl am Main und Karlstein. Der Schaden ist zum Großteil behoben. Im Großraum Aschaffenburg kann es dennoch vereinzelt zu Störungen kommen.

Die Floriansjünger aus den umliegenden Gemeinden waren mit einem Großaufgebot an Kräften vor Ort. Auch das THW war im Einsatz, unter anderem zur Ausleuchtung nach Einbruch der Dunkelheit. Der Einsatzleiter der Aschaffenburger Polizei hatte unter anderem auch einen Polizeihubschrauber zur Fertigung von Luftaufnahmen angefordert.


Brand in Firma - mehrere Straßen mussten gesperrt werden


Mehrere Straßen rund um die betroffene Firma mussten gesperrt werden, um die Löscharbeiten der Feuerwehr zu ermöglichen und eine Gefährdung für Verkehrsteilnehmer unter anderem durch den dichten Qualm auszuschließen. Die Löscharbeiten der Feuerwehr sind in den Abendstunden noch im Gange (Stand 21.15 Uhr) und die Sperrung wird daher voraussichtlich noch für mehrere Stunden andauern. In dem Industriegebiet kommt es hierdurch allerdings zu keinen nennenswerten Beeinträchtigungen.


Feuerwehrmann verletzt


Ein Feuerwehrmann hat sich im Zuge der Löscharbeiten leichte Verletzungen zugezogen. Er wurde durch den Rettungsdienst vorsorglich zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.

Die Ursache für das Feuer in der etwa 12.000 Quadratmeter großen Halle ist bislang noch unklar, rund 3.000 Quadratmeter waren von dem Brand getroffen. Ein Brandexperte der Kripo Aschaffenburg hat die ersten Ermittlungen vor Ort bereits aufgenommen. Erst nach Abschluss der Löscharbeiten wird eine Brandortbegutachtung möglich sein. Die Höhe des Sachschadens ist zur Stunde noch nicht bezifferbar.


Brand in Papierfabrik am Vormittag


Der Brand in Stockheim am Main war nicht der einzige am Ostersonntag: Bereits am Vormittag fing eine Papierfabrik in Stockstadt Feuer. Laut Polizei gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass beide Brände im Zusammenhang stehen.



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