Aschaffenburg
Cold-Case-Ermittlung

Prozess begonnen: Nachbarsjunge soll 15-Jährige aus Franken ermordet haben

Wurde Christiane J. von einem Nachbarsjungen ermordet? Jetzt, 40 Jahre nach dem Tod der damals 15-Jährigen, sollen neue Untersuchungsmethoden zum Täter führen. Er soll das Mädchen 1979 ermordet haben.
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40 Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Christiane L. in Aschaffenburg muss sich der damalige Nachbarsjunge vor Gericht verantworten. Eine neue Untersuchungsmethode soll den sogenannten Cold Case aufklären. Foto: Michael Donhauser/dpa
40 Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Christiane L. in Aschaffenburg muss sich der damalige Nachbarsjunge vor Gericht verantworten. Eine neue Untersuchungsmethode soll den sogenannten Cold Case aufklären. Foto: Michael Donhauser/dpa

40 Jahre alter Mordfall in Aschaffenburg aufgeklärt? Bisswunde liefert wichtige Spur: Jahrzehnte nach dem gewaltsamen Tod eines Mädchens in Aschaffenburg muss sich der damalige Nachbarsjunge von Mittwoch an wegen Mordes vor Gericht verantworten. Vor allem die erneute Untersuchung einer Bisswunde an der Leiche hatte zu dem Mann geführt, erklärt das Gericht. Neue zahntechnische Untersuchungsmethoden ordneten die Wunde dem heute 57-Jährigen zu. Ein Experte für Zahnmedizin gehört zu den drei Sachverständigen, die bei Mordprozess aussagen werden.

Angeklagt wegen Mord: Totschlag wäre bereits verjährt

Gegen den heute 57 Jahre alten, verheirateten Mann wird Jugendstrafrecht angewandt, weil er zum Tatzeitpunkt mit 17 Jahren noch nicht volljährig war. Die Öffentlichkeit ist somit ausgeschlossen. Bruder und Schwester des Opfers treten als Nebenkläger auf. Als Straftatbestand kommt ausschließlich Mord infrage - eine Verurteilung etwa wegen Totschlags ist nicht möglich, weil das Verbrechen dann bereits verjährt wäre. Mord kann nach deutschem Recht nicht verjähren.

Die Staatsanwaltschaft geht von drei Mordmerkmalen aus, sagte Gerichtssprecher Krist: Heimtücke, Verdeckung einer Straftat und Befriedigung des Sexualtriebs. Ihm droht nach Jugendstrafrecht eine Höchststrafe von zehn Jahren Haft - es sei denn, es würde eine besondere Schwere der Schuld festgestellt.

Der Angeklagte sitzt seit Mai in Untersuchungshaft. Der Fall hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht und lieferte in Aschaffenburg über Jahrzehnte Gesprächsstoff.

Opfer auf dem Heimweg überfallen

Der damalige Teenager soll sein Opfer auf dem Heimweg von einem Stenographie-Kurs überfallen und es in den am Mainufer gelegenen Aschaffenburger Schlosspark gebracht haben. Unterhalb des sogenannten Frühstückstempels, einem Pavillon in der Nähe von Schloss und Pompejanum, wurde wenige Tage später die Leiche gefunden.

Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, war die Tote damals die erst 15-Jährige Christiane L. Weiter heißt es, der Fundort der Leiche - unterhalb des "Frühstückstempel" - habe die Menschen damals besonders aufgewühlt. Viele Aschaffenburg würden dort ihre freien Stunden verbringen.Dort wurde der Leichnam "wohl etwa zwölf Stunden, nachdem sie getötet wurde", gefunden. "Vermutlich ist die 15-Jährige über eine Schlossgartenmauer in die Tiefe gestoßen worden", heißt es abschließend.

Mordprozess beginnt am Mittwoch

Am Mittwoch (8. Januar 2020) betritt der Angeklagte den Verhandlungssaal des Landgerichts an der Seite seines Verteidigers, vor Blicken geschützt hinter einer roten Aktenmappe und den Kopf mit einer blauen Kapuze bedeckt. Am ersten Verhandlungstag sollen unter anderem die Ehefrau des Angeklagten und ein Ermittler der Polizei als Zeugen angehört werden. Insgesamt sind zehn Verhandlungstage angesetzt, 40 Zeugen sollen gehört werden.

Cold-Case-Ermittlungen führen zum Täter

Die Polizei war dem Mann im Rahmen einer sogenannten Cold-Case-Ermittlung auf die Spur gekommen. Dabei werden ungelöste Kriminalfälle oft nach vielen Jahren noch einmal mit frischem Blick und neuen Ermittlungsmethoden beleuchtet - in der Hoffnung, das richtige Mosaiksteinchen doch noch zu finden. 

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