Aschaffenburg
Gewaltverbrechen

Aschaffenburg: Leiche von vermissten Mezgin Nassan (16) gefunden - Polizei sucht nach Vater

Spaziergänger hatten in einem Waldstück bei Haibach (Landkreis Aschaffenburg) eine skelettierte Leiche gefunden. Nun ist klar, dass es sich bei der Toten um die 16-Jährige Mezgin Nassan handelt. Dringend tatverdächtig ist der Vater der Jugendlichen. Nach ihm wird jetzt intensiv gefahndet, in Deutschland und im Ausland.
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Bei der in einem Waldstück bei Aschaffenburg gefundenen skelettierten Leiche handelt es sich um die seit Mai 2017 vermisste Mezgin Nassan. Die Polizei fahndet nun nach ihrem Vater Hashem. Foto: Polizeipräsidium Unterfranken
Bei der in einem Waldstück bei Aschaffenburg gefundenen skelettierten Leiche handelt es sich um die seit Mai 2017 vermisste Mezgin Nassan. Die Polizei fahndet nun nach ihrem Vater Hashem. Foto: Polizeipräsidium Unterfranken

Update 21.12.2018: Floh der Vater von Mezgin in die Türkei?

Die Liebe zu einem älteren Landsmann kam die 16-jährige Mezgin in ihrer neuen Heimat Unterfranken offenbar teuer zu stehen: Zuerst bezog das syrische Flüchtlingsmädchen aus Aleppo Prügel vom Vater, dann sollte sie heiraten, weil sie nicht mehr Jungfrau war. Am Ende wurde sie ermordet. Immer deutlicher wird ein abgrundtiefes Drama im Fall der Aschaffenburger Schülerin Mezgin Nassan aus Syrien sichtbar.

Spaziergänger hatten am 9. Dezember - nicht weit vom Wohnort des seit 19 Monaten verschwundenen Mädchens - im Wald ein Skelett gefunden. Ermittlungen der Kripo Aschaffenburg und der Rechtsmedizin in Würzburg ergaben: Es waren die sterblichen Überreste der 16-jährigen Schülerin Mezgin Nassan. Die war Anfang Mai 2017 vermisst gemeldet worden. Mehrfach war auch im Main mit Tauchern nach der 16-Jährigen gesucht worden - ohne Ergebnis. Über Einzelheiten der Obduktion schweigen die Ermittler, aber nach dem Leichenfund ermittelt die Kripo jetzt wegen Mordes.

Eine Schlüsselrolle spielt in dem Fall ihr Vater Hashem Nassan. Mit ihm und einem Stiefbruder war Mezgin 2015 aus dem Bürgerkriegsland hierher geflohen, um Schutz zu finden. Der 44-Jährige ist untergetaucht, wird wegen des Verdachts des Mordes an seiner Tochter mit internationalem Haftbefehl gesucht - auch wegen eines weiteren versuchten Tötungsdeliktes vier Wochen später an ihrem syrischen Freund. Mit den Ermittlungen vertraute Insider deuteten dieser Redaktion bereits vor Tagen an: Fahnder vermuteten den Vater in der Türkei.

Dies bestätigt Mezgins Mutter Hevin im Flüchtlingsheim in Goldbach bei Aschaffenburg jetzt gegenüber "Bild". Sie behauptet: Er verstecke sich in Istanbul: "Er schickte mir ein Video. Es zeigt, wie er dort tanzt". Ihr Mann, der auch ihr gegenüber handgreiflich geworden sein soll, ist inzwischen von ihr geschieden. Dennoch glaubt sie nicht, dass er seine 16-jährige Tochter umgebracht hat: "Er hat sie manchmal geschlagen, aber er würde unsere Tochter nie töten", sagt Hevin.

Mit dem neuen Freund seiner Tochter, dem 23-jährigen Landsmann Shekho R., war der Vater offenbar gar nicht einverstanden. Laut der Mutter soll Mezgins Stiefbruder ihm gedroht haben: Er enthülle dem Vater die Beziehung, wenn ihm der Freund kein Schweigegeld zahle. Stattdessen soll er Prügel bezogen haben. Auf Anfrage sagt Polizeisprecher Michael Zimmer dazu: Über relevante Einzelheiten des Falles werde man sich aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit nicht äußern.

Dann erfuhr der Vater aber offenbar doch von der Beziehung. Das Mädchen sollte Shekho heiraten. Doch die Mutter sagt: Die beiden bekamen Krach, Mezgin habe die Verlobung abgesagt - nur einen Tag bevor sie am 4. Mai 2017 nach Schulschluss gegen 11 Uhr verschwand. Mit ihr verschwand ihr auffälliger Rucksack, nach dem die Ermittlungskommission (Eko) "Rucksack" zur Klärung des Mordes benannt ist.

Möglicherweise wollte sich der Vater vier Wochen später Freund Shekho "kaufen". Gut eine Stunde nach Mitternacht trafen sich die beiden - offenkundig nicht nur zum Reden - in der Nacht zum Freitag, 2. Juni 2017 am Aschaffenburger Floßhafen, wie Polizeisprecher Michael Zimmer bestätigt. Der Vater stach zu, traf den jüngeren Mann in den Hals und floh.

Der 23-Jährige wurde von Anwohnern gefunden und vom Rettungsdienst in eine Klinik gebracht. "Die nach der Tat unverzüglich eingeleiteten Fahndungsmaßnahmen blieben bis jetzt ohne Ergebnis", sagt der Polizeisprecher. Seine Kollegen fahnden mit Hochdruck nach dem Verdächtigen. "Inwiefern die Tat etwas mit dem damaligen Verschwinden der 16-Jährigen zu tun hat, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen der zehnköpfigen Ermittlungskommission."

(Text von Manfred Schweidler)

Update 20.12.2018, 15 Uhr: Fahndung auch im Ausland

Im Fall eines toten syrischen Mädchens, dessen Leiche in einem Wald bei Aschaffenburg gefunden wurde, fahndet die Polizei im In- und Ausland nach dem tatverdächtigen Vater. Die Ermittler gehen von einem Gewaltverbrechen aus.

Die Suche nach dem 44-Jährigen dauere an, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Es seien Anrufe mit Hinweisen bei den Beamten eingegangen, eine heiße Spur sei aber nicht darunter. Die zehnköpfige Ermittlungskommission "Rucksack" werte nun Spuren aus und vernehme Zeugen.

Aus den Vermutungen der vergangenen Tage wurde nun traurige Gewissheit: Bei der in einem Waldstück bei Aschaffenburg gefundenen skelettierten Leiche handelt es sich um die seit Mai 2017 vermisste Mezgin Nassan. Laut einer gemeinsamen Presseerklärung des Polizeipräsidiums Unterfranken und der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg läuft nun die Fahndung nach dem Vater der 16-jährigen Schülerin. Hashem Nassan steht im dringenden Verdacht, seine Tochter getötet zu haben.

Spaziergänger entdecken Skelett am Findberg

Am Sonntag (9.12.2018) hatten ein 28-Jähriger und seine Begleiterin gegen 11.30 Uhr in einem Waldstück zwischen Haibach und Gailbach im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg die Leiche des Mädchens entdeckt. Die beiden Spaziergänger stießen abseits des Weges in der Nähe des Findberges auf das menschliche Skelett und alarmierten daraufhin die Polizei. Im Rahmen einer Pressekonferenz im Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Haibach gaben die Beamten am Montag die ersten Ermittlungsergebnisse bekannt.

Zur Identität und zur Todesursache konnte die Polizei zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nichts sagen. "Wir ermitteln in alle Richtungen. Wir können auch ein Gewaltverbrechen nicht ausschließen", sagte ein Polizeisprecher am Montag (17.12.2018). Zudem würden auch offene Vermisstenfälle überprüft.

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Am Montagvormittag suchten mehr als 100 Einsatzkräfte der Bundespolizei Würzburg in einer Kette das Gelände rund um den Fundort mit Stöberstöcken ab. Aufgrund rechtsmedizinischer Untersuchungen konnte mittlerweile zweifelsfrei die Identität der Verstorbenen geklärt werden. Die Ermittlungen laufen wegen des Verdachts eines Gewaltverbrechens. Weitere Angaben zum Obduktionsergebnis und zur Auffindesituation der Leiche könnten derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht gemacht werden, heißt es von Seiten der Polizei.

Tote ist zweifelsfrei 16-jährige Schülerin

Bei der Toten handelt es sich um die seit dem 4. Mai 2017 vermisste 16-jährige Mezgin Nassan aus dem Landkreis Aschaffenburg. Angehörige hatten die Schülerin an jenem Donnerstagmittag bei der Polizei als vermisst gemeldet, nachdem sie von der Berufsschule nicht nach Hause gekommen war. Die Kripo hatte in der Folgezeit unter anderem mit Flugblättern nach der syrischen Jugendlichen an der Berufsschule gefahndet. Außerdem waren großangelegte Suchaktionen mit einem Polizeihubschrauber und Tauchern von Bereitschaftspolizei und Feuerwehr im Bereich der Aschaffenburger Ebertbrücke ergebnislos durchgeführt worden.

Im dringenden Verdacht, für den Tod des Mädchens verantwortlich zu sein, steht ihr 44 Jahre alter Vater, Hashem Nassan. Nach ihm wird bereits seit Anfang Juni 2017 mit Haftbefehl wegen des Verdachts des versuchten Totschlags gefahndet. Der Tatverdächtige soll sich damals in der Nacht zum Freitag (02.06.2017) mit dem 23-jährigen, damaligen Freund seiner Tochter am Aschaffenburger Floßhafen getroffen und ihn mit einer Stichwaffe im Halsbereich schwer verletzt haben. Der 23-Jährige, ebenfalls syrische Staatsangehörige, war von Anwohnern gefunden und vom Rettungsdienst in eine Klinik eingeliefert worden. Die nach der Tat unverzüglich eingeleiteten Fahndungsmaßnahmen blieben bis jetzt ohne Ergebnis.

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Inwiefern das Treffen bzw. die Tat in der Nacht etwas mit dem damaligen Verschwinden der 16-Jährigen zu tun haben, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen der sogenannten Ermittlungskommission "Rucksack". Teil dieser Ermittlungen ist in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg nun auch der Tatverdacht gegen den 44-Jährigen wegen des Verdachts, seine Tochter getötet zu haben.

Darüber hinaus besteht gegen Hashem Nassan auch ein internationaler Haftbefehl zur Vollstreckung einer Gesamtfreiheitsstrafe von neun Monaten, die das Amtsgericht Aschaffenburg gegen ihn verhängt hat. Das Amtsgericht Aschaffenburg hatte Hashem Nassan für schuldig befunden, seine Tochter Mezgin im Mai und Juni 2016 geschlagen und ihr dabei Hämatome zugefügt zu haben.

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Zur Klärung des Aufenthaltsortes bitten Polizei und Staatsanwaltschaft um Hinweise aus der Bevölkerung unter der Telefonnummer 06021/857-1732.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  • Wer kann Angaben zum aktuellen Aufenthaltsort von Hashem Nassan machen? Er ist 44 Jahre alt, etwa 1,80 Meter groß, hat eine kräftige Figur, dunkelbraunes Haar und Geheimratsecken. Er könnte sich im Ausland, aber auch in Deutschland aufhalten.
  • Wer hat die vermisste 16-jährige Schülerin Mezgin Nassan am Donnerstag, den 4. Mai 2017, im Bereich der Berufsschule in der Seidelstraße in Aschaffenburg oder des gegenüberliegenden Norma-Parkplatzes oder auch danach noch gesehen?
  • Wer hat am und um den 4. Mai 2017 Beobachtungen im Bereich der Findbergstraße in Haibach gemacht?
  • Wem ist im Bereich des Findbergs oder der Berufsschule ein dunkelblauer Peugeot 206 aufgefallen?
  • Wer kannte die 16-Jährige und kann sonstige sachdienliche Angaben machen?

 

Wir informieren Sie an dieser Stelle, sobald neue Erkenntnisse zum Fall vorliegen.

 

 

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