Aschaffenburg
Urteil

Stalker verbreitet Nacktbilder seiner Ex-Freundin in Franken

Für die Frau muss es ein Martyrium gewesen sein. Nach der Trennung von ihrem Freund fängt dieser an, sie zu terrorisieren. Das Wort Stalking reicht kaum zur Beschreibung dafür aus, was er ihr antut. Nun wurde er verurteilt.
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Ein Polizist entfernt im Aschaffenburger Landgericht die Handschellen des 44-jährigen Angeklagten (l), der sich wegen verschiedenster Delikte verantworten muss. Unter anderem soll er Einbrüche in ein von ihm betriebenes Fitnessstudio und sein Wohnhaus vorgetäuscht und die Versicherer um 50 000 Euro betrogen haben. Zudem soll er Nacktbilder seiner Ex-Freundin im Stadtgebiet verteilt und online gestellt haben. Außerdem soll er eine Rohrbombe gebastelt haben, um die Ex-Freundin zu töten. Des Wei...
Ein Polizist entfernt im Aschaffenburger Landgericht die Handschellen des 44-jährigen Angeklagten (l), der sich wegen verschiedenster Delikte verantworten muss. Unter anderem soll er Einbrüche in ein von ihm betriebenes Fitnessstudio und sein Wohnhaus vorgetäuscht und die Versicherer um 50 000 Euro betrogen haben. Zudem soll er Nacktbilder seiner Ex-Freundin im Stadtgebiet verteilt und online gestellt haben. Außerdem soll er eine Rohrbombe gebastelt haben, um die Ex-Freundin zu töten. Des Weiteren soll er Dopingmittel an Sportler verkauft haben. Ihm werden noch weitere Delikte wie Störung der Totenruhe und Diebstahl vorgeworfen. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

In Aschaffenburg steht seit Montag (5.8.) ein 44-Jähriger vor Gericht. Die Liste der Vorwürfe gegen den Angeklagten ist lang: Er soll unter anderem eine Rohrbombe gebastelt haben, um seine Ex-Freundin zu töten, und Nacktbilder der Frau in Aschaffenburg verteilt sowie im Internet verbreitet haben. Erst vor kurzem beschäftigte das Gericht ein ähnlicher Fall: In Unterfranken musste sich ein 21-Jähriger wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten: Ihm wurde vorgeworfen seine Exfreundin an den Haaren gezogen zu haben.

Update zum Urteil vom 8. August 2019: Gericht verurteilt Stalker zu fünf Jahren Haft

Er hat seine Ex-Freundin tyrannisiert - jetzt ist ein Stalker vom Landgericht Aschaffenburg zu fünf Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der 44 Jahre alte Mann machte unter anderem Nacktbilder seiner Ex-Freundin öffentlich. Er schickte ihr einen Totenschädel und baute eine Rohrbombe. Außerdem hantierte er an ihrem Auto.

Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass der Mann die Trennung von seiner Partnerin, die im Prozess als Nebenklägerin auftrat, nicht akzeptieren wollte. Bewusst habe er geplant, sie zu schädigen. Die Frau berichtete in der Verhandlung von Schlafstörungen und Angstattacken. Ihr Ex sei immer ein "Sprücheklopfer" gewesen, sagte sie. Eine Entschuldigung wollte sie nicht akzeptieren.

Die Verteidigung erklärte, dem Bausatz für die Rohrbombe habe mit dem Sprengstoff die entscheidende Komponente gefehlt. Der Vorsitzende Richter Sebastian Geis sah das anders. Es habe sich zwar um eine Vorbereitungstat in sehr frühem Stadium gehandelt. Aber: "Wir haben keine Zweifel daran, dass er eine Bombe bauen wollte", sagte der Richter. Nach seiner eigenen Lesart wollte der Mann nur ein privates Feuerwerk zünden.

Geis nannte das Vorgehen des Mannes "abscheulich" und "widerwärtig". "Das heißt aber nicht, dass er für alles, was ihm vorgeworfen wurde, auch verantwortlich ist", betonte der Richter. So war die Staatsanwaltschaft davon ausgegangen, dass der Angeklagte Einbrüche in sein Fitnessstudio fingiert hatte, um Geld von der Versicherung zu ergaunern. Dafür gebe es keine hinreichenden Beweise, so das Gericht - auch wenn ihm auch eine solche Tat zuzutrauen sei.

Insgesamt stand er für ein knappes Dutzend Tatvorwürfe vor Gericht. Das Opfer hatte die Episode mit dem Menschenschädel als am gravierendsten empfunden. Zuvor hatte der Mann gemeinsam mit Mittätern das Grab ihres Vaters geschändet - sie hatte davon ausgehen müssen, den Schädel ihres verstorbenen Vaters vorzufinden - was jedoch nicht der Fall war.

Der Angeklagte hatte auch zugegeben, am Auto der Frau hantiert zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm in der Anklageschrift zudem vorgeworfen, den Totenschädel als Drohgebärde an seine Verflossene verschickt zu haben.

Das Gericht ging mit seinem Urteil noch über die Forderung der Staatsanwaltschaft von fünf Jahren Haft hinaus. Die Verteidigung hatte gefordert, es bei knapp zwei Jahren zu belassen.

Erstmeldung: Aschaffenburg: Mehrere Anklagepunkte

Wegen knapp eines Dutzend verschiedener Delikte steht der 44-Jährige seit Montag vor dem Landgericht Aschaffenburg. Dort räumt er einen Teil der Vorwürfe ein, andere bestreitet er energisch.

So gibt der Mann zu, dass er drastische Nacktfotos seiner Ex-Freundin verbreitete. Vehement wendet er sich jedoch gegen den Vorwurf, er habe seine Ex-Freundin mit einer Rohrbombe töten wollen. Die von der Anklage ins Feld geführten Beweisstücke hätten einem geplanten privaten Feuerwerk dienen sollen.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wollte der Mann die Trennung von der Frau nicht akzeptieren. Bewusst habe er geplant, sie zu schädigen. Dazu habe er erhebliche Gefährdungen seines Opfers geradezu beabsichtigt. Schlafstörungen und Angstattacken der Frau seien die Folge gewesen.

Menschlichen Schädel an ihre Arbeitsstelle geschickt

Um sein Opfer zu demütigen und sich zu rächen, schreckte der Angeklagte offenbar vor nichts zurück. Nicht nur verbreitete er laut Staatsanwaltschaft die Nacktfotos der Frau, sondern er demolierte sogar wiederholt das Grab und den Grabstein ihres kürzlich gestorbenen Vaters. Der Psychoterror ging den Angaben nach weiter: An die Arbeitsstelle der Frau schickte er ein Paket mit einem Menschenschädel.

Nach Ansicht der Ankläger wollte der Mann damit den Anschein erwecken, dass es sich um den Schädel aus dem Grab ihres Vaters handelt. Daraufhin hätten sich die Angstzustände der Frau weiter gesteigert.

Frau berichtet von unfassbarem Martyrium

Als die Ex-Freundin, die auch als Nebenklägerin auftritt, am Nachmittag im Gerichtssaal erscheint, würdigt sie ihren mutmaßlichen Peiniger keines Blickes. Gefasst und mit ruhiger Stimme sagt sie aus und berichtet von ihrem Martyrium. Ihr Ex sei schon in der Beziehung sehr eifersüchtig gewesen und außerdem ein "Sprücheklopfer". Was er ihr danach antat, habe sie ihm aber nicht zugetraut. Am schlimmsten sei für sie die Episode mit dem Menschenschädel gewesen.

Während sie dies alles schildert, hört der Angeklagte, der in Jeans und mit schwarzer Krawatte erschienen ist, ruhig zu. Die Frage seines Anwalts, ob er sich bei ihr entschuldigen dürfe, verneint sie. Schon zuvor hatte sie ein Angebot über eine Schmerzensgeldzahlung abgelehnt.

Vollkommen in den Hintergrund treten an diesem Nachmittag die zahlreichen anderen Vorwürfe gegen den Mann, darunter Versicherungsbetrug. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, einen Einbruch in sein Fitnessstudio sowie in sein Privathaus vorgetäuscht zu haben. Das bestreitet er. Einen anderen Strafvorwurf räumt er dagegen ein: Er gibt zu, dass er bereits einer anderen Ex-Freundin auf unzulässige Weise nachgestellt habe - per Stalking.

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