Gereuth

Zwischen Traum und Trauma

18 Jahre, jede Menge Geld und Fleiß haben Rupert Fechner und seine inzwischen verstorbene Partnerin in Schloss Gereuth investiert. Nun tritt der 64-Jährige kürzer. Auch einen Verkauf der barocken Anlage schließt er nicht aus.
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Mit dem Kauf von Schloss Gereuth haben sich Rupert Fechner und Birgit Richter einst einen Traum erfüllt. Heute, 18 arbeitsreiche Jahre später, sieht der Schlossherr vieles mit anderen Augen. Fotos: Eckehard Kiesewetter
Mit dem Kauf von Schloss Gereuth haben sich Rupert Fechner und Birgit Richter einst einen Traum erfüllt. Heute, 18 arbeitsreiche Jahre später, sieht der Schlossherr vieles mit anderen Augen. Fotos: Eckehard Kiesewetter
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Eckehard Kiesewetter Gereuth — "Wenn ich einen Käufer finden würde, ja, ich würde verkaufen", sagt Rupert Fechner. Aber er glaubt nicht dran, dass sich da jemand melden wird. Keiner, der so dumm wäre, sich so viel Arbeit und Ärger aufzuhalsen. Und solch ein riesiges kaltes Gemäuer. Vor allem im Winter, sagt er, sei es einsam in dem 300 Jahre alten Feudalbau im Itzgrund. Fechner fühlt sich alleingelassen, vom Staat, von der Denkmalbehörde. Selbst von der Gemeinde Untermerzbach, die seine Bemühungen um den Erhalt von Schloss Gereuth nicht recht unterstütze.

Der 64-Jährige wirkt frustriert, erst recht nach einem persönlichen Schicksalsschlag - seine Lebensgefährtin Birgit Richter, mit der er das Schloss im Jahr 2000 erworben hatte, starb im Mai 2017. Dazu kam ein furchterregendes Erlebnis im letzten Monat. Seit einem "Polizeiüberfall im Schloss" finde er nachts keine Ruhe mehr.

Vor gut 300 Jahren, 1705 bis 1710 erbaut, verfügte das barocke "neue Schloss" über 52 Zimmer auf drei Etagen, viele davon mit erlesenem Stuck und kostbaren Böden; etwa 2500 Quadratmeter Nutzfläche auf drei Gebäudeflügeln. Allein 150 Fenster, dazu bauzeitliche Öfen, Wandmalereien und -bespannungen - aber eben auch jede Menge Schäden.

Mit seiner Lebensgefährtin hat Fechner das Schloss, nachdem es etliche Jahre leer gestanden hatte, aus dem Dornröschenschlaf geholt. Mit viel Eigenleistung haben sie sämtliche Installationen erneuert, Sockelwandheizung samt Blockheizkraftwerk eingebaut und weite Teile des Gemäuers saniert, wobei sie mitunter eher der eigenen Intuition als den Vorstellungen der Denkmalpflege folgten.

Fast im Alleingang

"Der Leerstand hat dem Gebäude nicht gutgetan", sagt der Unternehmer über die Bau- und Feuchteschäden. "Leider konnten wir mit dem Denkmalamt keine Übereinstimmung mit unseren Möglichkeiten finden. Dadurch erhielten wir kaum Zuschüsse und mussten die Restaurierung zu 98 Prozent alleine finanzieren", das ist auf der Schloss-Homepage zu lesen.

Bürgermeister Helmut Dietz spricht in diesem Zusammenhang von Eigensinn, mangelnder Kooperationsbereitschaft des Schlossbesitzers, der Unterstützung fordere, aber nicht bereit sei, seine Bilanzen vollständig vorzulegen. Durch sein Verhalten habe Fechner viele vor den Kopf gestoßen. Zu Unrecht weide er sich in der Opferrolle

Dabei sah es lange Zeit gut aus. Das Duo Richter/Fechner hat einen Gastronomiebetrieb und Biergarten aufgebaut, kulturelle Veranstaltungen organisiert, repräsentative Räume für Feste und Feiern her- und drei historische Gästezimmer eingerichtet. Jede Menge Idealismus, Fleiß, Schweiß und Geld haben die beiden investiert.

Der Oberbayer und die Thüringerin haben sich viel aufgebürdet, vielleicht haben sie sich übernommen. Er sprach stets von einer schönen Aufgabe, aber auch von einer Gratwanderung. Sie verwendete in einem Interview vor Jahren das Wort "Hassliebe". Manchmal frage sie sich: Was hast Du dir da angetan? Und dann sehe sie wieder die Schönheiten des Schlosses.

Eine WG vielleicht?

Wenn Fechner heute Verkaufsgedanken hegt, dann geht es nicht ums Geld! "Es ist nicht so, dass ich verkaufen müsste oder in finanziellen Nöten wäre." Er fürchtet das Alleinsein. Was, wenn er bei der Arbeit im 10,5 Hektar großen Park einen Unfall hat, aus gesundheitlichen Gründen umfällt?

"Zwei Drittel des Schlosses sind renoviert", schätzt er, aber irgendwann habe er, auch wegen der mangelnden öffentlichen Unterstützung, nicht mehr weitergemacht. Mit 64 Jahren gehe ihm langsam die Puste aus.

Birgit Richters Tod im Mai 2017 hat einiges verändert. Seither ist die Schlossküche geschlossen. Er wolle sich nicht mehr dem Druck der Lebensmittelkontrolleure aussetzen, sagt Fechner. Auch Weihnachtsmärkte gibt es im Schloss nicht mehr. Flohmärkte will er von Mai bis September nach wie vor monatlich ausrichten, und das Gartenfest wird, schon wegen der bestehenden Verträge, im Sommer nochmal durchgeführt.

Sonst aber stehen die Zeichen auf Rückzug. Der Biergarten ist ab 2019 zu verpachten. Wer will, kann das Schloss kaufen. Alternativ bietet Fechner die Möglichkeit, als Untermieter mit ins Schloss einzuziehen. Er und Birgit Richter hatten schon früher an eine Art Wohngemeinschaft gedacht, "halt ein bisschen mehr Leben im Schloss". Denkbar wäre auch eine Art Alters-WG. "Wohnen wie zu fürstbischöflichen Zeiten", nennt Fechner das. Mit jeder Menge Freiraum, aber ohne großen neuzeitlichen Komfort. "Das ist halt nicht jedermanns Fall."

Noch beim Tag des offenen Denkmals am 8. September hatte Schlossbesitzer Fechner Zuversicht verströmt. Doch dann kam ein gravierendes Erlebnis, das er als traumatisch schildert. Deshalb will er nicht mehr allein in dem riesigen Gemäuer leben. Er berichtet von Panik und Angstzuständen. Dafür verantwortlich macht er eine Polizei-Razzia am Morgen des 19. Oktober. An diesem Freitag hatten 13 Polizeibeamte aus Ebern und Schweinfurt und zwei Vertreter der Staatsanwaltschaft das Schloss durchsucht. Angeblich nach Schusswaffen - ohne Ergebnis. Fechner hinterfragt die Verhältnismäßigkeit der Mittel. "Die sind mit einem Aufgebot, Hundeführern, Rammwerkzeug und zehn VW-Bussen angerückt, als gehe es um eine Hochburg von Rechtsradikalen", sagt der Oberbayer, ,,das war fernsehreif." Für den 64-Jährigen jedenfalls war's zu viel. Er brach wenig später zusammen, musste ärztlich versorgt werden.

Von der Polizei ist zu dem Vorfall nichts Näheres zu erfahren. Siegbert Weinkauf, Leiter der Inspektion Ebern, bestätigt den Einsatz, verweist sonst aber auf laufende Ermittlungen. Deshalb könne er keine Auskunft geben. Laut FT-Informationen soll Rupert Fechner, der früher Sportschütze war, verdächtigt worden sein, illegal Waffen zu besitzen. Der Durchsuchungsaktion vorausgegangen war im Sommer eine Verurteilung wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und die Aufforderung durch das Landratsamt, alle seine Waffen abzugeben.

Fechner fühlt sich ungerecht behandelt, hat den Eindruck, man wolle ihn aus Gereuth vergraulen. Die Angst ist da, sagt er. Ein panisches Gefühl überfalle ihn seither immer dann, wenn seine Hunde bellen.

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