Walsdorf

Zwei Walsdorfer Bürgermeister stimmten gegen den Ausschluss der Arbeiterwohlfahrt

In der jüngsten "Feriensitzung" des Gemeinderats Walsdorf herrschte alles andere als Urlaubsstimmung. Im Gegenteil: Es ging ordentlich zur Sache bei der Fra...
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Heinrich Faatz
Heinrich Faatz
In der jüngsten "Feriensitzung" des Gemeinderats Walsdorf herrschte alles andere als Urlaubsstimmung. Im Gegenteil: Es ging ordentlich zur Sache bei der Frage, wer den Neubau für den in die Jahre gekommenen, von der evangelischen Kirche geführten St.-Laurentius-Kindergarten übernehmen soll. Im Trubel passierte es auch, dass unser Berichterstatter zwei Gegenstimmen bei der finalen Abstimmung übersah und in unserem Bericht "Die Awo bleibt draußen" (FT vom 15. August) irrtümlich von einem einstimmigen Beschluss die Rede ist.
Tatsächlich verweigerten Bürgermeister Heinrich Faatz (CSU) und sein Stellvertreter Werner Auer (FL) ihre Zustimmung. So wurde mit 13:2 Stimmen laut Protokoll festgelegt: "Die Awo Bamberg soll zur Aufrechterhaltung des sozialen Friedens nicht mehr weiter bei der Vergabe berücksichtigt werden. Eine Entscheidung soll nur noch für die Bauträgerschaft zwischen der Gemeinde Walsdorf oder der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde getroffen werden."


Drei mögliche Bauherren

Bürgermeister Faatz ärgert es, dass CSU und Freie Liste - allerdings nicht unterstützt durch alle Mitglieder dieser Fraktionen - diese Abstimmung im öffentlichen Teil der Sitzung beantragt hatten. Dabei seien die Gemeinderäte zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht im Detail über die unterschiedlichen Kosten zwischen den drei möglichen Bauherren - Gemeinde, evangelische Kirche und Arbeiterwohlfahrt (Awo) - informiert gewesen. Dies konnte aus Datenschutzgründen erst im nichtöffentlichen Teil passieren. "Ich kann aber doch nicht so einen Beschluss fassen, wenn ich die genauen Zahlen nicht vorliegen habe", schüttelt das Gemeindeoberhaupt auch Tage später den Kopf über die Entscheidung. Je nach Bauträger würden die Kosten um ca. 500 000 Euro differieren - "das ist doch kein Pappenstiel", meint Faatz.
Zum Hintergrund: Als sich ein Neubau wirtschaftlich sinnvoller als eine Generalsanierung des alten Kindergartens herausstellte und durch die Erhebung zum Bedarfsplan 2016 nicht bekannt war, welchen Träger sich die Eltern für eine neue Einrichtung wünschen würden, wurde dem Gesetz folgend ein Interessenbekundungsverfahren durchgeführt Nachdem die evangelische Kirche und die Awo Bamberg ihre Bereitschaft zur Trägerschaft erklärt hatten, hat der Gemeinderat Einrichtungen der Kirche und der Awo besichtigt. Die beiden Interessenten stellten dann im Gemeinderat ihre Vorstellungen zur Trägerschaft vor. Im Juni 2017 beschloss das Gremium von beiden konkrete Angebote einzuholen, die im nichtöffentlichen Teil der Sitzung bewertet und behandelt werden sollten.


Unterschriften beim Sommerfest

Dass große Teile von CSU und Freie Liste nun die Awo ausschließen wollten, geht auf eine Unterschriftenaktion im Rahmen des Sommerfestes des St.- Laurentius-Kindergartens Anfang Juli zurück. Hier hatten 118 Personen unterschrieben, dass die künftige Trägerschaft der evangelischen Kirche übertragen werden soll.
Faatz und Auer zeigen sich von dieser Unterschriftenliste jedoch wenig beeindruckt, denn von den Unterzeichnern seien acht keine Walsdorfer und 55 hätten keine Kinder im Betreuungsalter. Somit würden nur 55 relevante Unterschriften verbleiben, die jedoch ohne Wahlmöglichkeit und unter sozialem Gruppendruck zustande gekommen seien. Mehr Gewicht haben hingegen für die beiden Bürgermeister und für den Geschäftsführer der Verwaltung, Andreas Geck, die gesetzlich vorgeschriebene, anonymisierte Befragung, bei der 373 Eltern im März 2017 von der Gemeinde angeschrieben wurden. Diese Befragung hätte keine Bevorzugung eines bestimmten Trägers erkennen lassen.
Deshalb hatten Faatz und Auer bei der Entscheidung im Gemeinderat grundsätzlich keine Möglichkeit ausschließen und vor allem auch die Kosten berücksichtigen wollen. "Wir müssen ja schließlich das Wohl von allen 2700 Walsdorfern im Blick haben", betont Faatz und verweist auf die Finanzierung.
Was die aktuelle Situation betrifft, so stellt er klar, dass zwar 14 Kinder derzeit auswärts untergebracht seien, zumindest die zehn Kindergartenkinder allerdings problemlos in Walsdorf zu versorgen wären, weil es hier 20 freie Plätze gebe. Das Angebot wird zum Teil einfach aus praktischen Gründen nicht angenommen von den Eltern, weil zum Beispiel der Nachwuchs in der Nähe der eigenen Arbeitsstätte untergebracht werden soll oder eine andere pädagogische Ausrichtung gewünscht wird. Daran werde auch ein Neubau nichts grundsätzlich ändern, glaubt Faatz.


Fragezeichen hinter Finanzierung

Im nichtöffentlichen Teil wurde schließlich ohne Bewertung der Kosten festgelegt, dass die Gemeinde die neue Einrichtung selbst bauen soll. Allerdings unter der Einschränkung, dass zunächst noch geklärt werden muss, ob die Gemeinde dies finanziell schultern kann. Das Thema wird Walsdorf also noch einige Zeit beschäftigen. mm

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