Haßfurt

Zwei Schläger werden eingesperrt

Das Landgericht Bamberg verurteilte einen 25-jährigen Mann aus Bamberg und seinen 24-jährigen Kumpel aus dem Landkreis Haßberge zu hohen Haftstrafen. Beide müssen sich demnächst einer Alkoholtherapie unterziehen.
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Die Täter schlugen brutal zu.  Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Die Täter schlugen brutal zu. Symbolfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Udo Güldner Jeweils fünf Jahre und zwei Monate für mehrere Fälle der gefährlichen Körperverletzung lautet das Urteil des Landgerichts Bamberg gegen einen 25-jährigen Bamberger und seinen 24-jährigen Komplizen aus dem Kreis Haßberge. Das Duo hatte Mitte Januar während einer Geburtstagsparty in der Bamberger Gartenstadt einen Bekannten erst in der Wohnung und dann auf offener Straße dutzende Male mit Fäusten geschlagen und Füßen getreten.

"Brutal" war das Wort, das Christian Lang in jedem zweiten Satz seiner mündlichen Urteilsbegründung verwendete. Die Geschehnisse, die er wahlweise als "Gewaltorgie" oder "Blutrausch" bezeichnete, scheinen den Vorsitzenden Richter der Zweiten Strafkammer am Landgericht besonders beeindruckt zu haben. Hatte der Rechtsmediziner Eduard Schwabauer von der Universität Erlangen-Nürnberg doch von mindestens zehn Treffern am Kopf und noch einmal so vielen am Körper des Opfers gesprochen. Ein Zeuge aus der Nachbarschaft hatte vom Fenster aus 30 bis 40 Schläge und Tritte beobachtet. Wenngleich die Verletzungen infolge der drei Gewaltausbrüche am Abend und in der Nacht nicht besonders schwer ausfielen, wie Rechtsanwalt Maximilian Glabasnia aus Bamberg feststellte. Auch das 21-jährige Opfer hatte im Prozess keinerlei Interesse gezeigt, dass seine geständigen Peiniger bestraft würden. Im Gegenteil. Der junge Mann hatte sogar noch gemeint, es habe ihn zu Recht erwischt. Dabei war der Anlass für die "deutliche Abreibung" aus nüchterner Sicht nichtig: Schulden von 30 Euro und eine Flasche Schnaps.

Es begann im Wohnzimmer mit drei Fausthieben aus einer Hand, steigerte sich zu einer gemeinsamen "Behandlung" im Badezimmer, die schon ein blutiges Ende nahm, und eskalierte auf der Straße, wohin man den Bekannten freundlich, aber bestimmt gebeten hatte. Im Licht der Straßenlaterne gab es eine erste "massive Angriffswelle", die auch vor dem am Boden kauernden Opfer nicht Halt machte. Nach kurzer Pause hatte es in einer zweiten Angriffswelle noch einen "Nachschlag" gegeben. Wobei sich der Angeklagte aus Bamberg um den Kopf, der Mann aus dem Kreis Haßberge um den übrigen Körper "kümmerte". "Sie können von Glück reden, dass das Opfer nicht schwerer verletzt wurde oder sogar tot ist", sagte Richter Lang zu den Angeklagten. Dass die Wucht nicht ausreichte, um beispielsweise einen Schädelbruch herbeizuführen, mag an der erheblichen Alkoholisierung von fast drei Promille gelegen haben. Dennoch waren die zahlreichen Prellungen und Schwellungen sowie die Platzwunde durchaus schmerzhaft, wie auch Rechtsanwalt Oliver Teichmann aus Bamberg einräumte.

Kein versuchter Totschlag

Staatsanwalt Martin Barnickel sah gleich drei Merkmale einer gefährlichen Körperverletzung verwirklicht: eine gemeinschaftliche Tat (mehrere Täter), ein gefährliches Werkzeug (beschuhte Füße) und die das Leben gefährdende Behandlung (Tritte gegen den Kopf). Den anfangs angeklagten versuchten Totschlag sah er in seinem Plädoyer aber nicht mehr. Aber nicht, weil die beiden Angeklagten nicht den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen, sondern weil sie freiwillig von dem am Boden liegenden Mann abgelassen hätten. Und zwar noch bevor sich die Polizeistreife mit Blaulicht oder Martinshorn bemerkbar hätte machen können. "Sie hätten ja auch dann noch weitermachen können."

Der ursprüngliche Vorwurf des daraufhin folgenden Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und deren Beleidigung wurde eingestellt, weil die Freiheitsstrafe dadurch nicht wesentlich erhöht worden wäre. Allerdings folgte das Gericht den Anträgen des Staatsanwalts Barnickel mit nur wenigen Monaten Abweichung.

Allerdings werden die beiden vielfach vorbestraften Angeklagten nur noch kurze Zeit in einer Justizvollzugsanstalt sitzen müssen, in der sie schon acht Monate Untersuchungshaft verbracht haben. Denn beiden wurde vom psychiatrischen Sachverständigen Professor Dr. Hans-Peter Volz vom Bezirksklinikum Unterfranken in Schloss Werneck eine krankhafte Störung wegen eines massiven Alkoholmissbrauchs seit frühester Jugend attestiert.

Ein Ratschlag

Für den einen bedeutet es, dass er baldmöglichst in eine geschlossene Einrichtung gebracht wird, um dort eine zweijährige Therapie zu beginnen. Der andere hat noch drei Monate Wartezeit, bis ihn das gleiche Schicksal ereilt. Dafür ist seine Therapiedauer ein halbes Jahr kürzer als die seines Komplizen.

"Jeder Zweite steht die Behandlung nicht durch. Aber wenn Sie nicht therapiert werden, dann wird es so weitergehen: Alkohol, Straftaten, Prozess, Gefängnis. Sie sind doch noch jung. Ergreifen Sie diese Chance", gab das Gericht den beiden Verurteilten als Ratschlag mit auf den Weg.

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