Ebermannstadt

Zwei Brüder im Glaubenskampf

Burgherr Albrecht von und zu Egloffstein hat der Geschichte und den Folgen des 30-jährigen Krieges nachgespürt.
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Diese schwedische Ritterrüstung und eine Kanone aus der Zeit können bei einer Führung auf Burg Egloffstein besichtigt werden.  Foto: R.Löwisch
Diese schwedische Ritterrüstung und eine Kanone aus der Zeit können bei einer Führung auf Burg Egloffstein besichtigt werden. Foto: R.Löwisch
Reinhard Löwisch

Der 30-jährige Krieg, letztendlich ein Glaubenskrieg, wütete auch im Trubachtal, in Egloffstein. Mit ein Grund dafür: Die Herren von Egloffstein fanden schon ziemlich früh, 1521, zum protestantischen Glauben, was auch immer wieder zu Scharmützeln mit dem Bamberger Bischof, dem bisherigen Glaubenseigentümer führte.
Freiherr Albrecht von und zu Egloffstein hat zu diesem Thema im Familienarchiv recherchiert. Seine Ergebnisse präsentiert er jetzt auf Wunsch bei den sonntäglichen Führungen durch seine Burg.
Vor allem eine Person, Hieronymus von Egloffstein, geboren 1600, und seine Brüder sind in den 30-jährigen Krieg verwickelt worden. Friedrich XI. einer von vier Brüdern, war ein glühender Verehrer des Schwedenkönigs. Er hat sich 1630 von seinem Bruder Hieronymus, der das Familienvermögen verwaltete, auszahlen lassen.


Kampf um den rechten Glauben

Von dem Geld kaufte er sich ein 130-köpfiges Reiterschwadron. Der gleiche Hieronymus war es auch, der am 16. Februar 1638, "in seinen Pfarreyen Egloffstein, Cunreuth und Affalterthal nunmehr mit vollem Recht lutherische Pfarrer eingesetzt" hat. Damit endete ein jahrzehntelanger Kampf um den rechten Glauben, der 1521 in Egloffstein und 1544 in Affalterthal erstmals ausgeübt wurde.
Als es 1632 bei Nürnberg zur Schlacht kam zwischen Wallenstein und dem Schwedenkönig Gustav-Adolf, war auch Friedrich mit seiner Schwadron verwickelt. Nachdem sich die Heere zwei Monate lang gegenüberlagen und die Schweden sogar kurzzeitig eingeschlossen waren, kam es am 3. September zu einem Angriff durch Gustav-Adolf. Nach langen Kämpfen wurde die Schlacht, auch aufgrund starken Regens, abgebrochen. De Schweden zogen ab.


Schlacht ohne Sieger

"Auch wenn es keinen Sieger gab, war es ein großer Erfolg für Wallenstein" berichten die Chroniken. Ein Verlierer war auch Friedrich, der in der Schlacht seine komplette Schwadron aufgerieben hat. So lieh er sich von seinem Bruder Geld, um eine weitere Schwadron zu kaufen: Er selbst fiel im gleichen Jahr bei einer Schlacht bei Nördlingen mit 28 Jahren. Sein Bruder Christoph XI. war katholisch und blieb es auch bis zu seinem Tode 1626, der ihn 1626 in Mähren ereilte. Beide Brüder kämpften auf verschiedenen Seiten.


Brandschatzung und Plünderung

1632 war auch ein schlimmes Jahr für Egloffstein, fand der Burgherr, von den Bürgern nur "Baron" gerufen, heraus. Zuerst überfielen die "Kaiserlichen" den Ort auf der Suche nach Lebensmitteln und zündeten fast alle Häuser an. Kurze Zeit später kamen die Schweden nach Egloffstein, ebenfalls auf Plünderung und Brandschatzung aus: Sie gaben dem Ort den Rest. Die Bürger waren mittlerweile alle in die umliegenden Wälder und Höhlen geflohen und hatten alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war.
1647, ein Jahr vor dem westfälischen Frieden kamen noch einmal kaiserliche Truppen in den Ort, um zu plündern. Sogar die Burg wurde dabei in Mitleidenschaft gezogen. Diese Brandschatzung muss noch schlimmer gewesen sein als die vorangegangene, mutmaßt der Burgherr, weil es fast 30 Jahre gedauert hat, ehe auf der Burg alle Schäden beseitigt waren.


Jahreszahl erinnert

Die Jahreszahl 1676 im Dachboden des Hauptgebäudes erinnert noch heute an diese Zeit. Weitere Erinnerungsstücke sind zwei Kanonen, die man extra in Nürnberg gießen ließ, um die Verteidigungsfähigkeit zu erhöhen. Außerdem erinnern eine schwedische Reiterrüstung und zwei schwedische Hufeisen an diese Zeit.
In der Fränkischen Schweiz wird der Beginn des 30-jährigen Krieges vor 400 Jahren sehr ausführlich gewürdigt. Das Fränkische Schweiz-Museum hat eine Ausstellung bis zum Herbst eingerichtet, das Forchheimer Museum an der Roten Mauer, da in den Räumen der ehemaligen uneinnehmbaren Festung eingerichtet ist, erklärt ebenfalls die Situation von damals. Hier reiht sich die Egloffsteiner Burg mit ihren Führungen ein, die regelmäßig angeboten werden.
Die nächsten Führungen sind für Samstag, 14. April, um 16.30 Uhr und für Sonntag, 22. und 29. April jeweils um 11 Uhr geplant. Sonderführungen sind ab zehn Personen möglich. Info: 09197/8780, www.burg-egloffstein.de
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