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Zwei Betriebe stecken zusammen

WirtschaftDie für den Sommer angekündigte Elektro-Fusion der Firmen Expert und Schlegelmilch in Haßfurt hat überrascht, auch den Bürgermeister. Die Hintergründe geben Anlass zu Spekulationen. Der FT hat nachgefragt.
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Eckehard Kiesewetter "Das ,Ding' ist gegessen" - in Haßfurt kann das viel heißen. Es kann um den einstigen Möbel-Mitnahmemarkt gehen. Die Immobilie hat die Stadt Ende 2017 gekauft und laut Bürgermeister Günther Werner seit 1. Januar dieses Jahres "voll in der Hand", um die Fläche für große Pläne zu nutzen. Es kann sich aber auch um einen Deal drehen, der auch in der Redaktion einiges Aufsehen erregt hat. "Des is a Ding", war die spontane Reaktion, als jetzt bekannt wurde, dass sich die beiden Haßfurter Elektronikmärkte Expert und Schlegelmilch zusammentun. Die Fusion der Konkurrenten unter einem Dach ist beschlossene Sache. Das Ding ist gegessen, der Vertrag perfekt. Daran lässt eine Pressemitteilung von Michael Schlegelmilch, Geschäftsführer des Haßfurter Euronics-Marktes, vom Donnerstag keinen Zweifel. Aus der "Expert Haßfurt GmbH" und "Euronics XXL Schlegelmilch" wird zum 1. August "Expert Schlegelmilch".

Verlagerung gen Osten

Der Markt in der Industriestraße, ein Gebäude älteren Datums, wird geschlossen; der Euronics-Markt im Gewerbepark Ost wird Sitz des neuen Fachmarkts sein, in dem auch die Reparatur- und Servicewerkstatt fortbestehen soll. Die Firma Schlegelmilch hatte dort 2011 groß investiert, als sie in das moderne, energieautarke Gebäude mit großem Parkplatz umzog. Rund 1600 Quadratmeter Verkaufsfläche stehen dort zur Verfügung.

Die Nachricht über die Verbrüderung der bisherigen Wettstreiter hatte die Verantwortlichen im Rathaus genauso wie die Öffentlichkeit überrascht. "Vorher hat der überhaupt nix gesagt", wundert sich Bürgermeister Günther Werner (WG) über Schlegelmilch, der zugleich Zweiter Bürgermeister (CSU) der Stadt Haßfurt ist.

Der Geschäftsmann hatte per Presseerklärung mitgeteilt, dass die Fachmärkte ihre Kräfte bündeln wollten, um dem allgemeinen Wandel in der Branche, anspruchsvolleren Kundenwünschen und einer "stärker werdenden hybriden Handelsstruktur Fachmarkt/Onlineshop gerecht zu werden". Der Konzern Expert, dem der neue Markt angehören wird, betreibt den Online-Handel direkt, während Euronics, Schlegelmilchs bisheriger Partner, auf eine Art "Marktplatzlösung" über den Fachhandel setzt.

Auslösendes Moment für die Fusion seien offenbar jedoch Pläne für ein neues Einkaufszentrum in der Stadt. Gerade diese Aussage überrascht den Bürgermeister, stünden solche Pläne, über die der Volksmund sehr wohl und sehr intensiv philosophiert, doch komplett in den Sternen. Die Fortschreibung des Haßfurter Einzelhandelskonzepts soll erst am 25. Februar im Stadtrat verabschiedet werden. Das neue Konzept sei detaillierter und besser als das bisherige aus dem Jahr 2007, sagt Werner, ohne Details zu nennen.

Die "Ding"-Immobilie, also die Halle und das rund zwei Hektar große Grundstück, auf dem "das Ding" steht, sei in diesem Konzept nicht enthalten. Für dieses Filetstück hätten rund 20 Investoren Interesse bekundet. Sie werde die Stadt nun anschreiben, damit sie ihre Vorhaben vorstellen.

"Nur kein Takka-Tukka-Land"

Der Bürgermeister will "Kreatives locken" und den "Ideen freien Lauf lassen". So möchte er das städtebauliche Potenzial dieser Fläche nicht auf den Handel beschränkt wissen, eventuell auch Kombinationsmöglichkeiten sowie zwei- und dreistöckiges Bauen zulassen, gegebenenfalls auch Wohnungsbau. "Nur kein Takka-Tukka-Land", sagt Werner und meint damit Indoorspielhäuser wie in Gerolzhofen. Das Areal jedenfalls sei nicht nur für Wirtschaft und Produktion interessant.

"Es ist noch überhaupt nichts entschieden, was dort entstehen könnte", versichert Werner. Vor diesem Hintergrund wundert er sich über den Schritt der beiden Elektrohändler. "Ein Schnellschuss!" Das habe er auch Michael Schlegelmilch bei einem Telefonat so zu verstehen gegeben.

Andererseits darf Schlegelmilch Insiderwissen unterstellt werden, das der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Als Bürgermeister kennt er (noch) nichtöffentliche Unterlagen aus dem Rathaus. Zudem hat Günther Werner bereits Ende Januar Vertreter des Haßfurter Handelsverbands "Aha", der Industrie- und Handelskammer und der großen Lebensmittel-Discounter bei einer Zusammenkunft über Details des neuen Einzelhandelskonzepts informiert.

Dennoch werfen die Hintergründe für die Fusion Fragen auf: Der Landesentwicklungsplan lässt für ein Mittelzentrum von der Größe Haßfurts nur eine bestimmte Handelsfläche für Weiße und Braune Ware, also für den Elektrohandel zu. Die Gefahr, dass sich vor Ort neue Konkurrenz im Elektrogewerbe auftun könnte, ist also gering. Bis jetzt zumindest.

Der Wunsch nach Auswahl

Eher das Gegenteil wird nun der Fall sein, wenn zum 1. August annähernd die Hälfte der bisherigen Verkaufsflächen wegfallen soll. Obendrein wird sowohl der Stadt als auch der Bevölkerung an gleichbleibender Auswahl gelegen sein, so dass nun eher der Ruf nach einem weiteren Elektro-Fachmarkt in Haßfurt laut werden wird. Konkurrenz belebt das Geschäft. "Die Kunden wollen doch vergleichen können", sagt Werner, "sonst treiben wir die Leute erst recht nach draußen."

Sorge um die Arbeitsplätze hat der Bürgermeister nicht. Die Beschäftigten seien, wie er inzwischen weiß, schon vor längerem über die anstehende Fusion informiert gewesen. Die Geschäftsführer verweisen auf den Fachkräftemangel, der es heute eher Arbeitgebern als Arbeitnehmern schwermache. "Die wollen Synergieeffekte nutzen", sagt Werner.

Michael Schlegelmilch lässt ergänzende Fragen zu der Firmenhochzeit, auch zu den Perspektiven fürs Personal, unbeantwortet. "Gerade um die Sicherung der Arbeitsplätze geht es bei dem Ganzen", erklärt Jens Ziegler, bei der Firma Expert für die Standorte Schweinfurt, Bad Kissingen, Forchheim und Haßfurt zuständig. Weitere Nachfragen würgt er ab: "Der Entschluss ist getroffen, steht alles in der Pressemitteilung und dabei bleibt es auch."

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