Bamberg

Zusammenstehen für die Rente

"Fridays gegen Altersarmut" hieß es gestern am Maxplatz. Gefordert wird eine solidarische Rente.
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Fridays gegen Altersarmut: Bei der Mahnwache waren die Meinungen der Anwesenden eindeutig. Foto: Julian Megerle
Fridays gegen Altersarmut: Bei der Mahnwache waren die Meinungen der Anwesenden eindeutig. Foto: Julian Megerle

Freitagnachmittag in Bamberg. Bei null Grad stehen gut 20 Menschen um den Brunnen am Maxplatz. Zum ersten Mal findet die Mahnwache "Fridays gegen Altersarmut" in Bamberg statt. "Mein Rentenbescheid hat mich motiviert, hierherzukommen." Der Rentner, geschätzt Ende 60, hat 49 Jahre Arbeit hinter sich. 32 davon mit seiner eigenen Praxis als Masseur. Gerade einmal 500 Euro bekommt er im Monat. "Die Altersversicherungen und Lebensversicherungen werfen kaum noch Zinsen ab", erklärt der Mann aus dem Kreis Bamberg. Und die Generation der Babyboomer komme ja erst noch in Rente, was die Situation weiter verschärfe. Seine wichtigsten Forderungen? "Dass wir eine solidarische Rente haben, wo alle in eine Kasse einzahlen. Und dass die Zweckentfremdung der Rentenbeiträge aufhören muss." Die Umlagefinanzierung der staatlichen Rente und Krankenfinanzierung dürfe nicht angefasst werden.

Der Pensionär steht das erste Mal politisch auf der Straße. Vorwürfe, dass die Bewegung "Fridays gegen Altersarmut" von rechtsradikalen Parteien unterwandert werden könnte, weist er zurück: "Mit rechtsradikalen und linksradikalen Parteien will hier niemand etwas zu tun haben", meint der ehemalige Masseur. Verfolgt man die Gespräche an der Mahnwache genau, werden teilweise Männer wie Trump und Putin lobend erwähnt, während Angela Merkel und ihre Flüchtlingspolitik kritisiert werden. Diesen Äußerungen wird kaum widersprochen.

"Die Forderungen sind teilweise zu pauschal, wie die Aufhebung der Rentenbesteuerung", findet eine 75-jährige Rentnerin aus dem Bamberger Umland, die auf dem Weg vom Einkauf vorbeischaut. Eine Einführung einer Reichensteuer sowie eine gemeinsame, umlagefinanzierte Rente seien dagegen gut. "Allerdings müsste man das ordentlich und in aller Ruhe diskutieren", meint die Passantin.

"Endlich etwas tun"

Aber nicht nur Rentner sind dabei. Auch die jüngere Generation macht sich Sorgen zum Thema Absicherung im Alter: "Ich bin noch jung, um noch gut arbeiten zu können. Aber wie soll jemand Mitte 70 das noch leisten?", meint Christina Schmitt. Die angehende Kfz-Mechatronikerin muss jetzt schon zur Vollzeitstelle einen Nebenjob machen. Melanie Bezold hat ein Reinigungsunternehmen. Für sie ist klar: "Das Thema ist ständig in den Medien. Da muss sich endlich etwas tun." Ihr Mitarbeiter Nico Weiskopf ergänzt: "Wir wollen ein System wie in Frankreich oder Österreich, wo alle Berufsgruppen in eine Kasse einzahlen. Sonst ist es ungerecht."

Für die Organisatorin Gudrun Silcock ist der Wunsch nach Gerechtigkeit entscheidend: "Außerdem will ich nicht, dass meine Kinder für mich aufkommen müssen, wenn die Rente nicht langt." Die Resonanz der Mahnwache findet sie gut. Zur Demonstration im Februar erwartet sie noch mehr Menschen.

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