Coburg
Zur Besinnung

Zum Start ins neue Schuljahr

In dieser Woche begann überall wieder das Schuljahr. Der Schulbeginn im Jahr des 500-jährigen Reformationsjubiläums ist ein guter Anlass, sich daran zu erin...
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Pfarrer Wolfgang Leikert
Pfarrer Wolfgang Leikert
In dieser Woche begann überall wieder das Schuljahr. Der Schulbeginn im Jahr des 500-jährigen Reformationsjubiläums ist ein guter Anlass, sich daran zu erinnern, dass die flächendeckende Errichtung von Schulen für alle Bevölkerungsschichten und für Jungen und Mädchen ein wichtiges Anliegen der Reformatoren war.
Eine zentrale Rolle spielte dabei der wohl bedeutendste Mitstreiter Martin Luthers, nämlich Philipp Melanchthon. Er hat eine ganze Reihe von Schul- und Lehrbüchern verfasst und wurde schon zu Lebzeiten "Praeceptor Germaniae", also "Lehrer Deutschlands" genannt. Von ihm stammen Sätze wie: "Die Jugend in den Schulen vernachlässigen, heißet nichts anderes, als den Frühling aus dem Jahre hinwegnehmen." In den fünf Jahrhunderten seit der Reformation hat sich das Schulsystem in Deutschland weiterentwickelt und bei allen Schwächen, die mitunter festgestellt werden, dürfen wir doch heute dankbar sein für das funktionierende, ausdifferenzierte Schulsystem in unserem Land.


Enormer Leistungsdruck

Die am häufigsten beklagte Schwäche dieses Systems liegt wohl darin, dass viele Schülerinnen und Schüler in unseren Schulen unter einem enormen Noten- und Leistungsdruck leiden.
Und zwar vor allem in den theoretischen, intellektuellen Fächern, also in den Sprachen, in Mathematik usw.: Möglichst gute Noten, möglichst Gymnasium, am besten Abitur und Studium! Aber es hat nun einmal nicht jeder Mensch die gleichen Gaben und Fähigkeiten.
Es gibt nicht nur Theoretiker, es gibt auch Praktiker. Und langsam wächst inzwischen die Erkenntnis auch bei unseren Politikern: Für eine funktionierende Gesellschaft braucht man nicht nur möglichst viele Akademiker, sondern auch möglichst viele gut ausgebildete Handwerker, Dienstleister usw. Gott hat jeder und jedem von uns bestimmte Gaben und Fähigkeiten mitgegeben, die wir einsetzen dürfen für uns selbst und zum Wohl der Gemeinschaft, in der wir leben.
Für Gott ist jeder Mensch gleich wertvoll, egal welchen Schulabschluss er hat. In der zweiten Strophe eines neueren Gesangbuchliedes heißt es: "Gott gibt mir meinen Namen; er sagt mir, wer ich bin."
Vielleicht kann dieses Wissen ein Stück weit vom Leistungsdruck befreien. "Gott sagt mir, wer ich bin" -, nicht die Noten im Zeugnis am Schuljahresende!

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