Pretzfeld

Zum Lese- kommt Whiskygenuss

Ein Religionspädagoge übernahm in Pretzfeld die Rolle des Whiskybotschafters im Forchheimer Literaturfestival "Blätterwald". Die Fränkische Schweiz entwickelt sich zu einer Whiskyhochburg.
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Whisky-Probe mit Patrick Grasser in Pretzfeld  Foto: Pauline Lindner
Whisky-Probe mit Patrick Grasser in Pretzfeld Foto: Pauline Lindner

Die Fränkische Schweiz gehört zur "Genussregion Oberfranken". Bier und Wein genießen, wird da mancher assoziieren. Doch seit Patrick Grassers Buch "Whiskyland Franken - Die Macher, die Genießer, die Botschafter" muss man seine Gedankenkette um den Begriff Lesegenuss erweitern.

Denn der Religionspädagoge übernahm die Rolle des Whiskybotschafters innerhalb der Veranstaltungen des Forchheimer Literaturfestivals "Blätterwald" durch sachkundigen Vortrag zu den Finessen dieser Spirituose und durch ausgewählte Kostproben vom "Wasser des Lebens".

Uisge-Beatha nannten die iroschottischen Mönche ihr Destillat aus Gerstenmalz, dem sie wie auch Grasser eine spirituelle Dimension zuschreiben, nicht nur den Begriff Angelshare für die jährliche Verdunstungsrate bei der Lagerung im Fass.

Mutige Aussage

"Nach jedem Glas Whisky kannst du mit Fug und Recht Amen sagen", hat es, so Grasser, ein whiskyaffiner katholischer Berufskollege formuliert. Eine mutige Aussage, wenn man das banale Ausgangsprodukt anschaut: Biermaische ohne Hopfen. Und deren Grundbestandteil wiederum ist Gerstenmalz.

Doch hier fangen die Unterschiede an. Wie groß die sein können, weiß jeder, der schon einmal das Bamberger Rauchbier "Schlenkerla", ein Pils und einen Fastenbock probiert hat. Beim Whisky kommt dann noch besonders die Rauchnote durch Darren über schwelendem Torf hinzu. Wobei anzunehmen ist, dass das eine notgeborene Lösung für einen Brennstoff in holzarmen schottischen und irischen Regionen war.

Geheimnis der Brenner

Ein Brennergeheimnis - und auch Brauergeheimnis - ist, welcher spezieller Hefestamm die Gärung ausgelöst hat. Ob die Maische dann durch eine der riesigen schottischen Brennblasen oder die kleine feine einer fränkischen Edelbrennerei gejagt wurde, das Endprodukt ist jedenfalls eine klare Flüssigkeit, die deutlich alkoholisch riecht und dementsprechend scharf schmeckt. Dafür genügte wirklich eine Riechrunde im Kreis der aktiven und künftigen Whiskyfreunde, die sich um Grasser in der Brennerei Haas in Pretzfeld versammelt hatten.

"Ich mag das Torfige", bekannte denn auch deren Inhaber Johannes Haas. Er besorgt sich für seine Brände dasselbe Rauchmalz aus Schottland, das der Brauer Georg Rittmayer für seinen "Smokey George" verwendet. Auch für den im Jahr 2008, den Haas vor kurzem erst abgefüllt hat. Die zehn Jahre in einem "getoasteten" Fass aus französischer Weißeiche macht aus dem struppigen Gesellen des damaligen "Newmake" ein blondes Etwas, dass nach Honig, Karamell und Vanille duftet. Gerade die beiden letzten Geruchsnuancen stammen vom Fass, denn das "Rösten" auf der Innenseite schließt den Holzzucker der Dauben auf, so dass der Geschmack auf die lagernde Spirituose übergeht. Nicht die Spur mehr vom typischen Alkoholgeruch.

"Torf vom Dorf"

Als wider Grassers Erwarten sein Franken-Whisky-Buch 2017 auf den Markt kam, kauften er und seine Kollegen vom Whiskyclub Fränkische Schweiz bei einem unabhängigen Abfüller einen Fassanteil eines Single-Malt-Whiskys der Brennerei Glen Moray in Elgin/Schottland. Sie geht übrigens auf eine Brauerei zurück. Genauso wie die Elch-Brennerei in Thuisbrunn, wo Georg Kugler den "Torf vom Dorf" hergestellt hat, den er nach der dreijährigen Mindestlagerzeit abfüllte.

Für Neulinge

Eine Probe von beiden machte auch dem Whiskyneuling auf die Geschmacksbandbreite aufmerksam. Der schottische Glen Moray - gelagert in Oloroso-Sherry-Fässern - schmeckt ganz mild nach Nüssen und Schokolade und - wenn man, wie in den Herkunftsländern beliebt, einige Tropfen Wasser dazufügt - im Nachgang endlos lange nach (getrockneten) Früchten.

Der "Jungbursche" aus dem Forchheimer Oberland dagegen vertrat das Geschmacksbild, das man mit Whisky genuin verbindet: ein bisschen rau, ein bisschen spritig und recht rauchig. Und das, obwohl der Torf aus Niedersachsen stammt und mit ihm das Malz in einer belgischen Mälzerei hergestellt wurde.

Aber vielleicht ist das besondere Auswählen der Grundbestandteile ein Grund, warum sich die Fränkische Schweiz zu einer Whiskyhochburg Deutschlands entwickelt hat. Die weitere Suche soll sich rentieren, man muss sie ja nicht so zelebrieren wie der Nürnberger Whisky-Club, bei dem schon mal 60 Männer in Kilts und breitem Dialekt zur Probe antreten. Wer die älteste Whiskybrennerei der Region sucht, muss nach Eggolsheim: Seit inzwischen 35 Jahren gibt es die Destillerie der "Blauen Maus".



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