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Zu zweit und doch jeder für sich allein

Licht und Schatten bot das Programm "Der Kaiser und der Bauer" am Samstag in der Alten Darre. Mehr Schatten im ersten Teil, mehr Licht im zweiten.
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Atze Bauer macht Faxen. Foto: Markus Häggberg
Atze Bauer macht Faxen. Foto: Markus Häggberg
Das versöhnte mit der Leistung von Axel Bauer und Jörg Kaiser, die bei der Kulturinitiative (KIS) gastierten. Ganz konsequent war das erstellte Programm nicht gestrickt. Denn im Grunde hätte dem hoffnungslosen hibbelig-rock'n'-rollenden Optimisten Atze Bauer ein Gegenspieler zur Seite stehen müssen, so etwas wie ein Spiegel, der Gesagtes in Düsternis verkehrt. Das Pro und das Kontra eben. Aus solcher Dynamik leben Zwei-Mann-Aufführungen.
Doch Jörg Kaiser war nicht ganz so düster, nicht ganz so humorlos oder zynisch, und darum nicht ganz so das Gegenteil Bauers, der für sich vor Jahren die Rolle eines zwanghaft gut gelaunten Chaoten erfand. So kam, was kommen musste: Das Duo lieferte sich gegenseitig in einer bis nahezu auf den letzten Sitzplatz gefüllten Alten Darre Stichworte, die es humoristisch fahrig nicht immer zu Ende bediente und mitunter Stückwerk bleiben ließ. "Jeder für sich kann unterhalten", erklärte in seiner Begrüßung schon KIS-Vorsitzender Hermann Hacker, die Künstler aus Lonnerstadt und Höchstadt/Aisch ankündigend.


Gelungen beknacktes Lachen

So ein bisschen "jeder für sich" blieb das Duo denn auch auf der Bühne, zumal es nicht immer zu zweit auf der Bühne stand. Und für sich genommen? Da wäre Atze Bauer, der Mann, der aussieht, als würde er in Stromschlägen baden. Die Frisur ist ebenso Absicht wie das sehr gelungene beknackte Lachen, welches er herrlich kultivierte und das darum nicht einmal falsch wirkt. Die Rolle ist stimmig, will klamaukig sein und kaum mehr, stets dabei, gute Laune einzufordern und mitzubringen, den Rock 'n' Roll zu preisen, selbst dann noch, wenn Volkstrauertag wäre. Die Bühnenpräsenz dazu hat Bauer, den Habitus auch und vor allem seine Trommel samt E-Gitarre.
Und Kaiser? Noch einer, der wie so viele das zum Stereotyp gewordene Bild vom angeblich temperamentbefreiten Franken aufgreift und geradezu beschwört. Doch auch er lieferte irgendwann unverbrauchte Momente, dann zum Beispiel, als er bei Streifzügen durch Themen wie das Frankengemüt oder die Midlife-Crisis bei Erotik angelangt war und romantische Abende für Männer jenseits der 40 nur noch in Zusammenhang mit "Schlachtschüssel mit Skat" sah. Klasse auch seine Fabulierkunst, wenn es darum geht, Sätze mit Wörtern aus den zumeist selben Anfangsbuchstaben zu bauen. "Kann korpulente Krawallschachtel kopulieren" klang klasse-komisch, konnte Kaiser konsequent klamauken. Eines der schönsten Bilder, die der Mittvierziger heraufbeschwor, war das aus der Sparte, was man als Mann bis 40 einmal gemacht haben muss. "Dass da mit deina Flipflops die Fliechen auf der Geburtstagsdordn deiner Schwiechermutter erschlägst!"
Es gab eine Reihe an guten Gags, die für sich genommen klasse waren und ihren Charme beispielsweise durch die Mimik von Bauer gewannen, aber auch offenbarten, dass das Programm etwas zusammengewürfelt war. Da war kein roter Faden, an dem man humoristisch entlang philosophierte, da waren Episoden, die man gemeinsam oder alleine stemmte. Und doch gab es berechtigte und kluge Tritte gegen Institutionen und Moden, gegen die immer gleich dudelnden Radiosender, die Unsitte von Musikern, nur noch mit Kopfstimme zu singen oder die Zukunft, die aus Sex mit Robotern bestehen wird.
Hier gelangen Bauer und Kaiser treffliche Zoten, witzige Bemerkungen. Licht und Schatten eben, alles in allem aber lohnend. Das Publikum hatten die beiden Männer im zweiten Teil voll und ganz hinter sich. Drei Zugaben sprechen auch eine Sprache.

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