Erlangen

Zu Weihnachten werden andere Saiten aufgezogen

Michael Busch Die Erlanger Waldweihnacht ist kein typischer Weihnachtsmarkt. Gut, es gibt die Glühweinbuden ebenso wie die Verkaufsstände von Kerzen und Christbaumkugeln. Auch eine Krippe steht auf de...
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Wulli spielt und Sonja zieht konzentriert die E-Saite auf.  Foto: Michael Busch
Wulli spielt und Sonja zieht konzentriert die E-Saite auf. Foto: Michael Busch

Michael Busch Die Erlanger Waldweihnacht ist kein typischer Weihnachtsmarkt. Gut, es gibt die Glühweinbuden ebenso wie die Verkaufsstände von Kerzen und Christbaumkugeln. Auch eine Krippe steht auf dem Schlossplatz, um entsprechend Aufmerksamkeit zu erringen. Was die Waldweihnacht aber zu etwas Besonderem macht, ist die dortige Musikauswahl.

Es ist ein regelrechtes Festival der Stimmen, das sich im Dezember auf der kleinen Bühne inmitten des Adventsplatzes abspielt. Yellowbelly mit Britpop, der Männergesangverein Eltersdorf mit traditioneller Weihnachtsmusik oder Markus Wicklein mit solo-akustischen Coverversionen aus Rock und Country. Alle Sänger und Musiker trotzen der Kälte außerhalb der Bühne und schwitzen unter den fünf Wärmeröhren auf der Bühne.

Doch wenn der Platz zum Bersten gefüllt ist und sich im Grunde nichts mehr bewegt, muss es etwas Besonderes sein, was dort auf der Bühne passiert. Die Lokalmatadore Wulli und Sonja schaffen das in einer Regelmäßigkeit, die Kenner der beiden allerdings nicht überrascht.

Der Zuschauer merkt nichts

Zwei Stimmen, manchmal (viel zu selten) zwei Gitarren, zwei Herzen - aber alles im gleichen Rhythmus. Wulli Wullenschläger und Sonja Tonn präsentieren zwei Stunden lang Weihnachtslieder und Lieder, die einfach in die Weihnachtszeit gehören. Und das mit einer Leichtigkeit, die eine weihnachtliche Besinnlichkeit beschwingt macht, die aber einem staden Gedanken nicht widerspricht.

Gewürzt ist das Repertoire von Cosby bis Clapton mit der Spontanität der beiden Virtuosen. Und wenn es dann zu einer ungewollten Sondereinlage kommt, gewinnen die beiden auch außerhalb des Musikalischen die Herzen der Zuhörer. So zum Beispiel beim Riss einer Saite beim durchaus wenig gitarrenschonenden Musizieren Wullis auf seiner Klampfe. Da wird nicht lange pausiert, sondern Sonja Tonn zieht die Saite während des Clapton-Stückes auf, ohne dass Wulli die Gitarre zur Seite legt oder gar Ruhe gibt.

"Ausgerechnet die E-Saite, die muss dreimal gewickelt werden", schiebt Tonn noch hinterher, als ob es das Normalste auf der Welt sei, genau diesen Akt zu vollziehen. Den Szenenapplaus müssen sich die beiden dann aber teilen. Wulli, weil er für den Zuhörer nicht hörbar das Stück so weiter spielte, als ob alle sechs Saiten zur Verfügung stünden, und Sonja, die trotz der hektischen Zupf- und Schlagbewegungen die Saite aufgezogen bekommt. Kurzum: Wulli und Sonja sind hörens- und sehenswert.

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