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Zu dritt auf der harten Schulbank

Regina Stößel, Heinz Hofmann, Werner Kraus und Manfred Ott erinnern sich an ihre Schulzeit in Oberleinleiter, als noch alle Jahrgänge in einem Klassenraum unterrichtet wurden und der Holzofen so lange geschürt wurde, bis der Lehrer "hitzefrei" gab.
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Das Foto zeigt vorne in der Mitte Hildegard Lang, rechts am Rand Regina Stößel. Fotos: privat/Archiv
Das Foto zeigt vorne in der Mitte Hildegard Lang, rechts am Rand Regina Stößel. Fotos: privat/Archiv
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"Wir kennen uns schon immer. Vielleicht haben wir uns schon im Kinderwagen zugewunken", sagt Hildegard Lang und lacht. Sie, Regina Stößel, Heinz Hofmann, Werner Kraus und Manfred Ott sind Anfang sechzig und geboren in Oberleinleiter, einem Ortsteil von Heiligenstadt. Hier gingen sie auch zur Schule.
"Die fünf katholischen Kinder mussten allerdings nach Burggrub in die Schule", erzählt Manfred Ott und Hildegard Lang ergänzt, dass das bis zur dritten Klasse ging; jeden Tag, bei jedem Wetter, zu Fuß in die Schule: "Pfarrer Madlener hatte das so bestimmt. Aber ab der vierten Klasse waren wir wieder hier."
In der Schule ging es damals etwas anders zu als heutzutage. Die Kinder saßen in Dreierbänken. Dabei saßen die Schüler der ersten und zweiten Klasse zusammen, die von der dritten und vierten und die von der fünften bis zur achten. Religionsunterricht gab der örtliche Pfarrer, die Mädchen hatten das Fach "Handarbeiten", während die Jungs beim Holzmachen helfen mussten.
Hildegard Lang erinnert sich an die Handarbeitslehrerin, Fräulein Dippold. Wenn die Mädchen bei schönem Wetter keine Lust auf Unterricht hatten, schrieben sie an die Tafel: "Der Himmel ist blau, das Wetter ist schön. Fräulein Dippold, wir wollen spazieren gehen. Wir wollen lieber schwitzen als auf der harten Schulbank sitzen."
Regina Stößel nickt zustimmend und erzählt, dass die Jungs das Holz einmal nicht ordentlich gestapelt hatten, so dass es nachts umgefallen war und den Lehrer aus dem Schlaf gerissen hatte. Und Heinz Hofmann ergänzt: "Und manchmal haben wir den alten Ofen so arg eingeschürt, dass die Funken sprühten und es so heiß im Raum wurde, dass wir heim durften."
Werner Kraus erinnert sich, dass der Pfarrer wollte, dass die Kinder am Sonntag alle nach Heiligenstadt zur Kirche gingen. "Und am Montag wurden die Kinder befragt, die nicht in der Kirche waren", erzählt Heinz Hofmann. Sie mussten aufstehen und begründen, warum sie nicht den Gottesdienst besucht hatten. Vom einen war das Fahrrad platt gewesen, ein anderer hatte verschlafen. "Und einer hat mal erzählt, dass er seiner Mutter die Klößbröckerla hat machen müssen", erinnert sich Hildegard Lang und alle müssen lachen.


Erste Damen-Feuerwehrgruppe

Nach der Schule gründeten die Jungs eine Feuerwehrgruppe, die es auch heute noch gibt. "Alle neun Mann sind zusammengeblieben und hier in Oberleinleiter verheiratet", erzählt Heinz Hofmann, und dass die Frauen die erste Damen-Feuerwehrgruppe der Marktgemeinde Heiligenstadt gegründet haben. Es gab einen Waldbauernverein, der etwa 20 000 Bäume angepflanzt hat, denn früher lag beispielsweise der Kreuzstein komplett frei. 1983 wurde der Stammtisch "Oberladara" ins Leben gerufen, der unter anderem die mittlerweile zugewachsenen Felsen wieder freilegen musste.
Werner Kraus zeigt eine Kopie eines Dokuments aus 1791. Hier steht zu lesen: "Am 18. August 1791 entstand bei Lindach und Laiberös ein großer Wasserguß mit Kieseln und Regen, daß von Lindach 225 Stück Schafe von der Flut mit weggeführt worden." Die Flut ging weiter Richtung Heiligenstadt. Dabei wurde die Mühle in Oberleinleiter mitgerissen, und der Müller, seine Frau, die beiden Kinder und ein Nachbar kamen um.
An dieses Ereignis erinnern sich die Bürger immer noch mit dem "Hagelfeiertag" am Tag nach Himmelfahrt. Da gibt es einen Gottesdienst im Feuerwehrhaus. Oberleinleiter hat wohl keine Kirche, allerdings gab es früher zwei Gaststätten mit Brauerei. Eine gehörte der Familie Schoberth. Sie wurde nach dem Krieg geschlossen, da die drei Söhne gefallen waren.
"Unsere Gaststätte gibt es seit 1617, die Brauerei sei 1678", erzählt Manfred Ott. In alten Dokumenten wird Hans Igel als erster Wirt geführt. 1694 ist zu lesen: "Hans Igel, nuno Hans Hösch, zinst für seine erkaufte Schenkstadt und Zugehörung 21 Pfund an Geld, 9 Kees, 1 Schock Eier, 2 Herbsthühner." 1822 konnte Georg Ott das Anwesen "für 1600 Gulden und 11 Gulden Leikauf" erwerben.

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