LKR Coburg

"Zrrüü-zrrüü" wie im Süden

Der trocken-heiße Sommer 2018 machte es möglich: Jetzt zirpt das Weinhähnchen schon im Coburger Land. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) wüsste gern, wo es schon überall gehört wurde.
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Das Weinhähnchen kommt aus dem Süden und zirpt jetzt bei uns. Foto: Klaus Müller LBV
Das Weinhähnchen kommt aus dem Süden und zirpt jetzt bei uns. Foto: Klaus Müller LBV

"Was zirpt denn da?", fragte sich Gerhard Hübner, Zweiter Vorsitzender der LBV-Kreisgruppe Coburg, seit einigen Tagen bei den abendlichen Gassi-Gängen mit seinem Hund zwischen Oberlauter und Unterwohlsbach. Auf die Lösung brachte ihn kurz darauf Biologenkollege Jürgen Thein, als dieser den ersten Nachweis der Grillenart "Weinhähnchen" im Landkreis Haßberge vermeldete. Auch in Ahlstadt wurde das Weinhähnchen schon gehört.

Hähnchen zirpen weiter oben

Das typische "zrrüü-zrrüü" dieser Heuschreckenart ist sehr laut und bis 50 Meter weit hörbar. Das Weinhähnchen gehört zu der Gruppe der Blütengrillen, die sich - anstatt wie die heimischen Verwandten Feld- oder Waldgrille am Boden - vorwiegend in höheren Gefilden wie Stauden, Gebüschen oder auch in Efeu- und Weinranken an Hauswänden aufhalten.

Dieser typische Vertreter der mediterranen Tierwelt war in Deutschland bislang vorwiegend im wärmebegünstigten Rheintal mit den Mündungsbereichen der Nebenflüsse verbreitet.

Früher nur am Untermain

Vor 20 Jahren lag der bayerische Schwerpunkt am Untermain im Raum Aschaffenburg mit Ablegern bis Würzburg und Kitzingen. Seit dem Wärmejahr 2018 ging es weiter nach Osten voran. Dabei hat die Art das Saaletal im Landkreis Main-Spessart besiedelt und sogar die Rhön erreicht. Und heuer offenbar auch das Coburger Land.

Hitze bringt Neubürger

Ähnlich rasant breiteten sich in den vergangenen Jahren auch andere mobile Tierarten aus, wie die einst in Bayern ausgestorbene Schmetterlingsart Kurzschwänziger Bläuling, die inzwischen wieder flächendeckend verbreitet ist.

Auch die auffällig große Blaue Holzbiene, eine Allerweltsbienenart im Mittelmeerraum und ehemals Rarität in Mitteleuropa, hat sich mittlerweile bis Südschweden ausgebreitet und wird auch immer häufiger in unseren heimischen blütenreichen Hausgärten gesichtet. Dass die Neuzugänge möglich werden, hat gute Gründe: "Diese auffälligen Veränderungen in der Tierwelt sind untrügliche Zeichen, dass der Klimawandel voll im Gange ist", sagt Gerhard Hübner. "Begünstigt wird dadurch auch das Weinhähnchen, das hohe klimatische Ansprüche an sein Umfeld hat: Trocken und warm muss es sein, und das hatten wir in den vergangenen Jahren!"

Aufruf zum Lauschen

Die Höhere Naturschutzbehörde Oberfranken ist über den Neubürger im Coburger Land informiert und ist daran interessiert, die Besiedlung genauer zu dokumentieren. Deshalb ruft der LBV Coburg Naturinteressierte jetzt zum gezielten "Verhören" des Weinhähnchens auf, denn wie alle Grillen bekommt man es nur selten zu sehen. Am besten lauscht man in warmen Nächten ab Dämmerung nach den charakteristischen Rufen. Diese können vorab nachgehört werden unter www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/QIRILQC5CS7JC6AIMZ7JUCWAAZ7HQT6X. Meldungen aus dem Coburger Land und dem Stadtgebiet nimmt gerne Gerhard Hübner entgegen unter der Telefonnummer 09561/62159 (bitte auf den Anrufbeantworter sprechen) oder per E-Mail an gerhard.huebner@gmx.de. red

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