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Meeder

Ziel: Weltkulturerbe werden

In Augsburg ist das Friedensfest, das seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges gefeiert wird, immaterielles Weltkulturerbe. Henning Schuster überreichte Bayerns Heimatminister nun Meeders Bewerbung.
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Henning Schuster (rechts) überreicht Bayerns Minister Albert Füracker die Bewerbung um eine Aufnahme des Meederer Friedensfestes in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes. Foto: Rainer Lutz
Henning Schuster (rechts) überreicht Bayerns Minister Albert Füracker die Bewerbung um eine Aufnahme des Meederer Friedensfestes in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes. Foto: Rainer Lutz

Besucht ein Minister die Gemeinde Meeder, dann kommt er am Friedensmuseum nicht vorbei. So auch Bayerns Minister für Finanzen und Heimat, Albert Füracker, der am Donnerstag dort zu Gast war - und auch an Henning Schuster vom Vorstand des Vereins Friedensmuseum nicht vorbeikam. Der legte ihm einen besonderen Wunsch ans Herz: Meeders Friedensfest als immaterielles Weltkulturerbe zu empfehlen.

"Die Bewerbungsfrist ist für dieses Jahr vorbei, das weiß ich, aber ich möchte unsere Bewerbung für das kommende Jahr auf den Weg bringen, weil da das Friedensfest groß gefeiert wird", sagte Henning Schuster im Vorfeld des Besuchs. Groß wird das Fest nur alle zehn Jahre gefeiert. Aber gefeiert wird jedes Jahr - seit dem Dreißigjährigen Krieg. Genauer gesagt, seit dieser Krieg zu Ende ging. Denn das nahm 1650 Coburgs Herzog Friedrich Wilhelm II. zum Anlass, das Fest für alle Gemeinden seines Herzogtums anzuordnen. Wohlgemerkt für alle - bis heute durchgehalten hat nur Meeder.

Es gibt noch eine andere Kommune, die das Ende des Dreißigjährigen Krieges seither feiert: die Stadt Augsburg. Und: "Dort ist das Fest immaterielles Weltkulturerbe", weiß Henning Schuster. Er weiß aber auch: "Als kleine Gemeinde ist es schwer, sich da durchzusetzen." Da braucht es schon einen bedeutenden Fürsprecher. Den hofft Schuster in Albert Füracker gefunden zu haben, der erklärte: "Darüber entschiedet jeweils eine Gruppe, die alle eingehenden Anträge sehr genau anschaut." Er versicherte aber, das Anliegen aus dem Meederer Friedensmuseum dieser Gruppe ans Herz zu legen. Nicht umsonst hatten Kinder der Anna-B.-Eckstein-Grundschule den Minister vorher tief beeindruckt. Drei junge "Annas" führten ihn durch das Museum und ließen dabei das Leben und Wirken der Namensgeberin ihrer Schule für den Gast aufleben.

300 Millionen Unterschrifren

Unermüdlich hatte die Coburgerin weltweit für den Frieden gekämpft. "Sie hat ohne Internet zu ihrer Zeit fast 300 Millionen Unterschriften gegen den Ersten Weltkrieg gesammelt", erklärte Schulleiterin Eileen Fritsche dem Minister. Der zeigte sich beeindruckt - vor allem auch von den Kindern, die ihm das Leben der Friedenskämpferin bei ihrer Führung mit gut eingeübten Sätzen näherbrachten. Auch gegen den Zweiten Weltkrieg zog Anna B. Eckstein noch einmal zu Felde und kämpfte gegen das Regime der Nationalsozialisten. Verarmt starb sie später in ihrer Coburger Heimat.

Eindrucksvoll auch der Vortrag zweier "Caspar Wanks". Die Buben in Aufmachung wie zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges schilderten das Leben des Landsknechts aus dem Schwedenheer, der nach Kriegsende auf dem Heimweg aus dem Nürnberger Raum nicht in seine Heimatstadt Wittenberg zurückkehrte, sondern sich auf den Langen Bergen in eine Bauerstochter verliebte und blieb - als Urvater der Familie Wank, die bis heute in Meeder bekannt ist.

Albert Füracker hatte wohl nicht so viel erwartet von dem kleinen Friedensmuseum. Er war beeindruckt. Das lässt Henning Schuster und Elke Bräutigam vom Verein Friedensmuseum hoffen, dass sie nächstes Jahr, beim Festakt verkünden können: "Meeders Friedensfest ist auf dem Weg immaterielles Weltkulturerbe zu werden."