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Partnerstadt

Zeitzeugin: Eine Kindheit zwischen Jena und Krasnogorsk

Alle Besucher aus Höchstadt, die in die russische Partnerstadt Krasnogorsk reisen, besuchen auch das dortige "Museum der deutschen Antifaschisten" (Kriegsgefangenen). Heute ist es eine Filiale des Mos...
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Von links: Sibylle Menzel, Vorsitzende des Freundeskreises Höchstadt-Krasnogorsk, Referent Klaus Strienz und Zeitzeugin Kristina Goethel bei der Übergabe des Gastgeschenks (verschiedene Tees)  Foto: privat
Von links: Sibylle Menzel, Vorsitzende des Freundeskreises Höchstadt-Krasnogorsk, Referent Klaus Strienz und Zeitzeugin Kristina Goethel bei der Übergabe des Gastgeschenks (verschiedene Tees) Foto: privat

Alle Besucher aus Höchstadt, die in die russische Partnerstadt Krasnogorsk reisen, besuchen auch das dortige "Museum der deutschen Antifaschisten" (Kriegsgefangenen). Heute ist es eine Filiale des Moskauer "Museums des Sieges".

Unmittelbar gegenüber befinden sich die "Häuser der Deutschen". Mitglieder des Freundeskreises Höchstadt-Krasnogorsk hatten oft davon gehört, aber lange nichts Genaues erfahren können.

Klaus Strienz stieß vor zwei Jahren zufällig auf weitere Informationen, die er kürzlich im Jugendzentrum einem kleinen, aber sehr interessierten Publikum vorstellte. Nicht allein, denn aus Jena war Kristina Goethel angereist. Der Geschichtslehrer Hans Hagen nannte den etwa 90-minütigen Vortrag eine "Sternstunde des Zeitzeugentums".

Klaus Strienz lieferte die historischen Rahmendaten: Im Oktober 1946 waren viele Fachkräfte aus der raketentechnischen und optischen Industrie in der sowjetischen Zone zu nachtschlafender Zeit von russischen Soldaten geweckt worden. Die Zeiss-Spezialisten mussten, und ihre Familien konnten die "Einladung" zu einem mehrjährigen Aufenthalt in der Sowjetunion annehmen, wo sie als Reparationsleistung demontierte Fabrikanlagen aufbauen und in Betrieb nehmen sollten.

Die damals sechsjährige Kristina fuhr also mit Eltern und Geschwistern los - und sie konnten als begehrte Fachleute, überdurchschnittlich bezahlt, ein im Vergleich zu den Menschen in der Heimat und zu den sie umgebenden Russen ein gutes Leben führen. Es konnten sogar regelmäßig Lebensmittelpakete nach Jena geschickt werden. Die Kinder fühlten sich nicht eingeschränkt, lernten schnell die neue Sprache, spielten mit russischen Kindern und freuten sich über die vielen Feste, die zu allen Jahreszeiten von den Eltern organisiert wurden.

Viel Positives aus Russland

Lebhaft antwortete Kristina Goethel auf die zahlreichen Fragen der staunenden Zuhörer, die so viel Positives aus dem Nachkriegsrussland bisher nicht vernommen hatten. Sicherlich war für die Erwachsenen die Trennung von der Heimat schwerer, auch wird sie die nie genau beantwortete Frage bedrückt haben, wie lange sie bleiben müssten. Die meisten der mehrere Hundert Menschen umfassenden Gruppe kehrte 1952 oder 1953 zurück.

Dass nicht nur Kristina Goethel so gute Erinnerungen an die Zeit in Krasnogorsk hat, sondern praktisch alle damaligen Kinder und Jugendlichen der Zeiss-Ingenieure, wird in einer filmischen Zeitdokumentation deutlich, die in Jena im letzten Jahr von der Geschichtswerkstatt produziert wurde: "Fünf Jahre. Kinder von Zeiss-Spezialisten erzählen". Der Film ist auch im Internet auf Youtube zu sehen. red

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