Loffeld

Zeitreise zu Eierlikör, Miracoli und Dieter Thomas Heck

Wer an diesem Donnerstagabend im Brauereisaal der Staffelbergbräu seine Augen schloss, glaubte seinen Ohren nicht zu trauen: vernahm man doch die Stimmen von Hans Moser, von Gilbert Becaud und Didi Ha...
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Im schwarzen Glanzjacket serviert Michael A. Tomis Zuschauern Eierlikör im Schokowaffelbecher. Foto: Monika Schütz
Im schwarzen Glanzjacket serviert Michael A. Tomis Zuschauern Eierlikör im Schokowaffelbecher. Foto: Monika Schütz

Wer an diesem Donnerstagabend im Brauereisaal der Staffelbergbräu seine Augen schloss, glaubte seinen Ohren nicht zu trauen: vernahm man doch die Stimmen von Hans Moser, von Gilbert Becaud und Didi Hallervorden, von Inge Meysel und dem unvergessenen Heinz Erhard. Alles Garanten für einen gelungenen Fernsehabend mit der gesamten Familie.

Die gute alte Zeit. Und was hat sie nicht unser Leben beeinflusst. Michael A. Tomis, Stimmenimitator und Kabarettist, nahm sein Publikum mit zu einer Zeitreise in die 50er bis 80er Jahre. Lieder, Nachrichten, Straßenfeger und Werbung: Er erinnerte sich, dass er als Schüler manchmal mittags heimgerannt war, denn "es war Miracoli-Tag". Oma war glücklich mit Eierlikör im Schokowaffelbecher, Opas "Freunde" waren Asbach Uralt und Kümmerling. Und die Hausfrau von damals hatte  nur zwei Feinde: den Gefrierbrand und den Gilb.

Spätestens jetzt ertappte sich die Mehrzahl der Gäste grinsend beim zustimmenden Nicken: ja, das war so.

"Wer ist 40 plus?", fragte der Kabarettist. Es war der Großteil. Sehr klein die Gruppe der 30- bis 39-Jährigen und tatsächlich nur eine Person war unter 30: "Was zum Teufel machst du hier?", musste sich der Schüler in der ersten Reihe fragen lassen. Das Thema des zweistündigen Abends war schließlich "Wiedersehen macht Freude".

Als Benzin 54 Pfennige kostete

Guten Freunden gibt man ja bekanntlich  -  einen Eierlikör. In der Schokowaffel natürlich. Stilvoll im schwarzen Glanzjacket servierte Tomis das Kultgetränk.  Nicht wenige dieser kleinen Likörchen wanderten samt Becher in die Mägen der Zuschauer, die sichtlich riesengroßen Spaß hatten. 1966: ein Liter Benzin kostete 54 Pfennige. 1967: Willy Brandt gibt den Startschuss zum Farbfernsehen in Deutschland.

Doch Michael Tomis wäre nicht Michael Tomis, wenn er nicht noch sehr viel mehr im Programm hätte. Etwa ein heiteres Beruferaten, das sich zwar zuerst langweilig anhören wollte, aber durch den fiktiven Beruf des Publikumsgastes Lothar der Brüller schlechthin war. Das Rateteam, Jochen und Inge, zwei Freiwillige und Assistentin "Gab"", die eigentlich der Senior Hartmut war, wurden zuerst vor die Tür geschickt. Alle anderen - nur eben sie nicht - erfuhren nun, dass Lothar Erotikdarsteller ist. "Auf die Handbewegung verzichten wir heute", so Was-bin-ich?-Chef Tomis. Der Ratespaß begann. "Stehen Sie in der Öffentlichkeit?", lautete eine der Fragen. Also, gewissermaßen schon.

Michael A. Tomis schlüpfte in die Rolle des Inspektors bei Edgar Wallace, machte die Clementine von Ariel und überlegte den tieferen Sinn der Liedtexte der guten alten Zeit: "O Baby, Baby, balla balla" - oder etwa "Obladi, oblada". Okay, "Da, da, da" aus den 80ern war jetzt auch nicht so sinnhaftig, gab er zu.

Die Showmaster der guten alten Zeit - im Hintergrund liefen Big-Band-Musik und Bert Kämpfert - waren auch Meister der Überziehung, spielte er auf Kulenkampff an. Vollkommen folgerichtig wurden an diesem Donnerstag 2020 zur Eurovisionsmelodie auch die Zuschauer aus Österreich und der Schweiz begrüßt. Ein toller Trip in die Vergangenheit, der vom Publikum mit langem Beifall und immer wieder mit kräftigem Zwischenapplaus belohnt wurde. Krönender Abschluss: die etwas andere Hitparade von Dieter Thomas Heck. Gerne gewährte der Parodiekünstler noch die lautstark geforderte Zugabe. ds

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