Forchheim
forchheim.inFranken.de  Entsendungsfeier des ökumenischen Besuchsdienstes mit Übergabe der Zertifikate

Zeit schenken - Sinn spüren

Der Begriff "Entsenden" bedeutet, jemandem mit einem bestimmten Auftrag an einen Ort schicken. Beim Entsendungsgottesdienst in der Kapelle im Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz wurden nun acht Ehre...
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Bei der Entsendungsfeier (v.l.): Pastoralreferent Dietmar Denzler, Juliane Bär, Erika Schneider, Elisabeth Wölfel, Gertrud Herbst, Renate Herzog, Sandra Roth, Elvira Weber, Anita Klier und Pfarrer Ulrich Bahr Foto: Struve/Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz
Bei der Entsendungsfeier (v.l.): Pastoralreferent Dietmar Denzler, Juliane Bär, Erika Schneider, Elisabeth Wölfel, Gertrud Herbst, Renate Herzog, Sandra Roth, Elvira Weber, Anita Klier und Pfarrer Ulrich Bahr Foto: Struve/Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz

Der Begriff "Entsenden" bedeutet, jemandem mit einem bestimmten Auftrag an einen Ort schicken. Beim Entsendungsgottesdienst in der Kapelle im Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz wurden nun acht Ehrenamtliche gefeiert, die in das Krankenhaus entsandt werden, um den Patienten ein Gesprächspartner zu sein. Alle haben einen Kurs der katholischen und evangelischen Klinikseelsorge erfolgreich absolviert. Die Gesprächsangebote sind freiwillig, nicht religionsgebunden und unterliegen der Schweigepflicht.

In seiner Ansprache spannte Pastoralreferent Dietmar Denzler einen weiten Bogen: Im Markusevangelium, in dem von der Heilung eines Gelähmten erzählt wird, wird Jesus als Heiler, als Arzt der Seele und des Körpers, beschrieben. Der Mediziner Hippokrates von Kos stellte das ärztliche Handeln in den Mittelpunkt: Der Mensch ist ein Teil des wunderbaren Kosmos. Der persische Gelehrte Ibn Sina veröffentlichte den "Kanon der Medizin" und Hildegard von Bingen revolutionierte die Klostermedizin.

Denzler beschrieb die Fortschritte in der Medizin - vom Ospedale di Santa Maria della Scala, eines der ältesten europäischen Krankenhäuser in Siena, über die anatomischen Studien Leonardo da Vincis bis hin zu Antibiotika und Magnetresonanztomographien in der Neuzeit. Die Wechselwirkung von Seele und Körper und die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit seien seit der Antike Gegenstand von zahlreichen Abhandlungen. Während sich Mediziner mehr mit körperlichen Leiden beschäftigen, bleibe heute nur wenig Zeit für die Seelsorge, so der katholische Theologe. Er kritisiert die Diktatur der Ökonomie in der Medizin und hob den Stellenwert des Besuchsdienstes hervor, "damit die Menschen nicht allein gelassen sind mit ihren Fragen nach Krankheit und Tod."

Sven Oelkers, Geschäftsführer des Klinikums, beschrieb das Krankenhaus als einen besonderen Ort, an dem der Kranke zwar professionelle Hilfe auf hohem Niveau erhalte, das Persönliche aber oft außen vor bleibe. Darunter litten besonders jene Patienten, die nicht von Angehörigen und Freunden besucht werden. An die Ehrenamtlichen gewandt, sagte Oelkers: "Sie verringern diese Lücke. Der Besuchsdienst ist ein unverzichtbarer Teil des Klinikums."

Der evangelische Pfarrer Ulrich Bahr beschrieb schwierige und belastende Situationen für Kranke - aber auch für Angehörige und Pflegende. Die Motivation der Ehrenamtlichen des Besuchsdienstes könne ganz unterschiedlich sein. Neben einer spezifisch religiösen Grundhaltung im Sinne der Nachfolge Jesu stünden Mitgefühl, Dankbarkeit und die Hoffnung, eigene Erfahrungen im Umgang mit Krankheit und Leid weitergeben zu können. Der Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Jürgen Gschossmann, betonte, dass das Wichtigste, was man geben könne, die eigene Zeit als Ausdruck von Menschlichkeit sei.

Elvira Weber aus Effeltrich hat sich Zeit genommen: Seit rund elf Jahren ist sie im Besuchsdienst aktiv. Eine Freundin hatte sie damals auf dieses Ehrenamt aufmerksam gemacht. "Man nimmt auch ganz viel mit", sagte sie. In der Regel besuche sie ein Mal pro Woche die Patienten in der geriatrischen Rehabilitation für zwei, drei Stunden. Nur einmal habe sie ein Jahr ausgesetzt, weil ihre Schwiegereltern krank wurden und sie diese zu Hause gepflegt habe. "Das war zu viel!"

Landrat Hermann Ulm, Bürgermeister Franz Streit und zwei OB-Kandidaten, Annette Prechtel und Udo Schönfelder, gratulierten den Ehrenamtlichen. Die Gruppe "Joe Corino" (ital. für Kleiner Chor) der St.-Josef-Gemeinde aus Buckenhofen übernahm die musikalische Begleitung. Franka Struve

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