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Kulmbach
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Zeit ist das wichtigste Geschenk, das Hospizhelfer Sterbenden geben können

Model, Medienfrau, Moderatorin und Mutter: Manuela Thoma-Adofo ist all das und noch viel mehr. Als Autorin schrieb sie einige Thriller und Gruselromane, doch mit ihrem neuen Buch berührt sie die Mensc...
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"Diese Arbeit gibt mir so viel mehr als sie mir nimmt", sagt Manuela Thoma-Adofo. Foto: Uschi Prawitz
"Diese Arbeit gibt mir so viel mehr als sie mir nimmt", sagt Manuela Thoma-Adofo. Foto: Uschi Prawitz

Model, Medienfrau, Moderatorin und Mutter: Manuela Thoma-Adofo ist all das und noch viel mehr. Als Autorin schrieb sie einige Thriller und Gruselromane, doch mit ihrem neuen Buch berührt sie die Menschen auf eine ganz andere Weise. "Auf dem Weg, den niemand kennt" heißt der Titel, unter dem sie Geschichten und Erfahrungen aus über 20 Jahren ehrenamtlicher Hospizhelfertätigkeit einfühlsam, direkt und immer auch mit einem Augenzwinkern erzählt. Am Dienstagabend war sie auf Einladung von Silke Kress, der Initiatorin der Kulmbacher Brustkrebs-Selbsthilfegruppe, in der Buchhandlung Friedrich mit einer Lesung zu Gast und berührte ihr Publikum.

"Ich finde es großartig, dass so viele Sterbebegleiter heute hier anwesend sind", freute sich die Autorin. Kulmbach sei gesegnet, so viele Hospizhelfer zu haben. "Jeder Hospizhelfer verschenkt das Wichtigste an Sterbende - Zeit." Zeit, die Manuela Thoma-Adofo mit fremden Menschen verbringt, die sie in ihr Herz geschlossen hat. "Ich begann mit einem Vorlesedienst im Seniorenheim", erinnerte sie sich. Die Autorin kämpfte mit den Tränen, während sie in ihren Geschichten las. Sogar ihre eigene Schwiegermutter hat sie bis zum letzten Moment begleitet, über sie hat sie überhaupt erst ihren Mann kennengelernt. "Meine Patientin wollte uns verkuppeln und war erfolgreich."

Oft noch ein Tabu

Manuela Thoma-Adofo schafft einen humorvollen und hoffnungsvollen Blick auf ein ernstes Thema, das für viele ein Tabu ist. Dadurch verleiht sie den Protagonisten ihrer Geschichten einen würdigen Rahmen, setzt ihnen ein kleines Denkmal, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Die pragmatische und zugleich warmherzige Frau verliert aber auch sich selbst und die vielen anderen Hospizhelferinnen und -helfer nicht aus dem Auge. Unermüdlich setzt sie sich für die gute Sache ein, macht Werbung, erregt Aufmerksamkeit. "Viele Menschen gehen zwei Schritte zurück, wenn man sich als Hospizhelfer outet", erzählte sie, "als könne man sie mit den Tod anstecken." Sie sage dann immer: "An einer Leiche ist kein Tod dran, da ist nur Leben weg."

Markus Ipta, Hausarzt, Palliativmediziner und Vorsitzender des Kulmbacher Hospizvereins, zeigte sich sehr angetan von dem vorgestellten Buch. "Das wird bei uns Standardlektüre werden", versprach er und bestätigte, wie wichtig es sei, sich zurückzunehmen und Grenzen zu erkennen.

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