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Kronach

Zeichen gegen Schließung gesetzt

Der Kreistag hat eine Resolution gegen das Ende des Bahn-Touristik-Reisebüros in Kronach auf den Weg gebracht.
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Zum Jahresende wird das Bahn-Touristik-Reisebüro schließen. Das will der Kreistag so nicht hinnehmen. Foto: Archiv/Theresa Heim
Zum Jahresende wird das Bahn-Touristik-Reisebüro schließen. Das will der Kreistag so nicht hinnehmen. Foto: Archiv/Theresa Heim

Veronika Schadeck Einstimmig wurde am Montag in der Kreistagssitzung eine Resolution für den Erhalt des Bahn-Touristik-Reisebüros (BTR) in Kronach beschlossen. Die Resolution, so SPD-Fraktionssprecher Richard Rauh, ziele in die gleiche Richtung wie der SPD-Antrag vom 22. Oktober. Man müsse Flagge zeigen, auch wenn es oftmals heiße, eine Resolution bringe nichts. Die Bahn mache es sich mit der Schließung des Bahn-Touristik-Reisebüros zu einfach. "Wir sind nicht das Abstellgleis der Bahn und der Ballungsräume", so Rauh. Und: "Wir sind keine Menschen zweiter Klasse."

Wie bereits berichtet, will der private Betreiber des BTR im Kronacher Bahnhof zum Jahresende seinen Geschäftsbetrieb einstellen. Bei einem Gespräch Ende Oktober mit dem Regionalmanagement der Bahn begründete der Betreiber die Schließung damit, dass sich das Reisezentrum weitestgehend durch Provisionszahlungen finanziere. Die Einnahmen aber würden trotz Zuschusszahlung der Deutschen Bahn für einen Weiterbetrieb nicht ausreichen.

Aus den Unterlagen ist ersichtlich, dass seitens des Landratsamtes der Vorschlag unterbreitet wurde, das Reisebüro durch die geplante Ansiedlung der Mobilitätszentrale des Landkreises im Bahnhof finanziell zu stärken. Durch einen gemeinsamen Standort des Reisebüros und der Mobilitätszentrale könne eine höhere Kundenfrequenz erreicht werden, ist man überzeugt. Zudem ist dem Betreiber angeboten worden, dass sein Reisebüro im Rahmen des neuen Mobilitätskonzeptes Leistungen erbringen könnte, die vom Landkreis vergütet werden. Dieser Vorschlag wurde allerdings abgelehnt.

Gespräch im November

Bei einem weiteren Gespräch Mitte November hat ein Vertreter von DB Vertrieb erklärt, dass man seitens der DB die Kronacher Reiseagentur bereits ausgeschrieben habe - bisher allerdings erfolglos. Das größte Problem sei wohl, neben einem neuen Betreiber auch entsprechendes Personal zu finden. Sollten alle Versuche scheitern, wird vom DB Vertrieb ein Videoreisezentrum eingerichtet. Somit fällt auch die Option weg, Synergien aus einer Verknüpfung zwischen Bahn-Tourismus und Landkreis-Mobilitätszentrale zu nutzen. Deshalb regte auch der ÖPNV-Beirat einstimmig an, der Einrichtung eines Videoreisezentrums zu widersprechen. In der Resolution wird nun darauf hingewiesen, dass Kronach ein Intercity-Halt und ab 2023 ein Systemhalt ist. Zudem soll der Bahnhof ab 2021 barrierefrei ausgebaut werden. Ein Videoreisezentrum könne einen Verkauf am Fahrkartenschalter nicht ersetzen. Ein personalbedienter Fahrkartenverkauf in einem Reisezentrum trage dazu bei, den Bahnhof als attraktives Zentrum zu beleben.

5000 Einwohner verloren

Ein weiterer Tagesordnungspunkt war die Jahresrechnung 2018. Kreiskämmerer Günther Daum wies darauf hin, dass der Landkreis Kronach in den vergangenen zehn Jahren 5000 Einwohner verloren hat. Seinen Ausführungen nach wird der Landkreis Kronach aller Wahrscheinlichkeit nach im nächsten Jahr der kleinste unter den 71 bayerischen Landkreisen sein. Das bedeutet laut Daum weniger Wertschöpfung und weniger Beschäftigung. Der Finanzausgleich knüpfe an die Einwohner an. Die Grundlasten blieben allerdings, so Daum. Hinzu kommen Einrichtungen, wie beispielsweise die Berufsfachschule für Musik, das Kreiskulturreferat, das Wasserschloss oder auch die Kreisbibliothek etc, die andere Landkreise nicht hätten. Zusätzlich engagiere sich der Landkreis in vielen Bereichen mit einem überdurchschnittlichen Pro-Kopf-Aufwande. Als Beispiel nannte der Kämmerer die VHS, den Tourismus und in Teilbereichen das Regionalmanagement. Es sei relativ schwierig, wenn man mit einem kleinen Budget überdurchschnittliche Leistungen umsetzen wolle, so Daum. Die gesteckten Ziele könnten nur erreicht werden, wenn der Freistaat den Landkreis unterstütze, und durch ein überdurchschnittliches Engagement der Akteure. "Es gilt Augenmaß zu bewahren und den Bogen nicht zu überspannen." Daum ging des Weiteren auch auf den Kreisumlage-Hebesatz ein, der mit 41 Punkten zu den niedrigsten (Rang 8 von 71 Landkreisen) zählt.

900 000 Euro erhalten

"Wir können stolz sein, wir sollten uns nicht an einer Mannschaft messen, die im Abstiegskampf steht, sondern an einer, die ins internationale Geschäft kommen will", so Landrat Klaus Löffler (CSU). Er wies auf die vielen Projekte hin, die auf dem Weg gebracht worden sind und bei denen der Landkreis hohe Förderungen erhält. In diesem Zusammenhang nannte der Landrat unter anderem die Sanierung der Volkshochschule (über fünf Millionen Euro Förderung) und den Ausbau der KC 32 im Rodachtal (1,7 Millionen Euro Förderung). Beim Ausbau der KC 3 nach Gifting habe es gar eine Nachförderung in Höhe von 600 000 Euro gegeben. Der Landkreis habe Stabilisierungshilfen erhalten, er habe seine Hausaufgaben erledigt und im Gremium gut zusammen gearbeitet. Die Strukturen in der Verwaltung und die politische Arbeit wurden verändert und man habe Priorisierungen vorgenommen. All das habe dazu geführt, dass der Landkreis vom Freistaat 900 000 Euro Stabilisierungshilfen bekommen habe und Projekte mit 90 Prozent gefördert werden.

Schulden reduziert

Löffler erinnerte an die Jahresrechnung 2005. Damals lag der Schuldenstand des Landkreises bei 46 Millionen Euro, Ende 2019 werden es 7,9 Millionen Euro sein. Im Jahre 1996 bezahlte man 1,6 Millionen Euro an Zinsen, aktuell seien es 42 000 Euro. "Wir können nun in Maßnahmen investieren, die für die Region wichtig sind."

Einstimmig wurde die Erhöhung der Gebühren ab 1. Januar 2020 für Feldgeschworene befürwortet. Demnach wird der Stundensatz für den Feldgeschworenen von 10,50 auf 13 Euro und für Feldgeschworenenobmänner von 11 auf 14 Euro erhöht.

Unter Punkt "Sonstiges" bedankte sich Landrat Klaus Löffler bei den Kreisräten und seiner Verwaltung für das freundschaftliche Miteinander und das große Engagement. 2019 sei ein bewegtes Jahr gewesen, in dem versucht wurde, die Weichen für den Landkreis neu zu stellen.

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