Zapfendorf

Zapfendorf: 30 Gräber geschändet

Schon wieder mutwillige Sachbeschädigungen im Ort. Dieses Mal tobten Unbekannte auf dem Friedhof. Am Dienstagvormittag zerschlugen sie massenweise Engel und Grablichter. Die Menschen sind fassungslos und wütend zugleich.
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Anette schreiber Zapfendorf — Immer wieder gibt es Sachbeschädigungen auf Friedhöfen, bestätigt Anne Höfer, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberfranken in Bayreuth. Doch das, was da am Dienstagmorgen in Zapfendorf geschah, seien schon "sehr zahlreiche Fälle". Mindestens 30, bestätigt Bürgermeister Volker Dittrich (AfZ) dem Fränkischen Tag. Zunächst war er sogar von 100 ausgegangen, nach dem Bild der Verwüstung, das sich nach der Tat auf dem Gottesacker darbot. Ein Bürger hatte die Verwaltung in Kenntnis gesetzt. Die Polizei wurde umgehend involviert, war am Dienstag, Mittwoch und am gestrigen Donnerstag vor Ort, um Spuren zu sichern.

Donnerstagnachmittag sieht es auf den ersten Blick schon wieder einigermaßen normal aus. Bei genauerem Hinsehen fallen aber überall kleine Splitter und Scherben auf. "Die hatten es auf Engel und Grablichter abgesehen", steht für zwei ältere Damen fest, von denen zumindest eine in Sachen Aufräumarbeiten tätig ist. "Wie krieg' ich nur das Wachs wieder weg?", fragt sich Waltraud (70) deren Grableuchte kaputt geschlagen wurde. "Das sieht schlimm aus", kommentiert Inge (68) dies. Sie hat glücklicherweise keinen Schaden zu beklagen. "Wer macht so was", fragt sie eher rhetorisch.

Die gleiche Frage stellen sich Maria (79) und ihre Tochter Susanne. "Das ist doch furchtbar", empören sich die Beiden.

"Schlimmer geht nimmer", steht für den Bürgermeister fest. Fast ein Jahr lang und zuletzt an Silvester hatte eine Serie von Sachbeschädigungen - von abgesägten Bäumen, über Verunreinigungen mit Tierkot bis hin zu Bombenattrappen - den Ort in Atem gehalten. Bis zuletzt Teenager als Verantwortliche für einen Teil ermittelt worden waren. Sie leisten zwar gemeinnützige Arbeit; Schäden wurden beglichen, die Strafverhandlung steht noch aus. "Und jetzt das. Die Leute waren geschockt", sagt der Bürgermeister tonlos, mit unterdrückter Wut. "Da, bei den Urnengräbern haben sie angefangen und sind hier lang gezogen und dort abgebogen ...", fährt er mit der Hand die Spur der "Schneise der Verwüstung" nach. 15-Kilo-Figuren wurden von Sockeln geschlagen oder getreten. Ein barbarischer Akt. Die Verwaltung hat die Schäden aufgenommen, der Bauhof zwei Tage mit aufgeräumt. "Wir haben eigentlich Wichtigeres zu tun", so Dittrich. In der Sitzung am 6. Juni wird sich der Marktgemeinderat mit diesem Vandalismusfall befassen. "Wieder einmal", schüttelt Dittrich verständnislos den Kopf.

Seine Laterne sei weg, spricht Dieter Reinhold den Bürgermeister an. "Ja, die war total kaputt", berichtet dieser. Es können keine Kinder gewesen sein, mutmaßt Reinhold, "weil Schule war, sagen die Leute." Dittrich zuckt mit den Schultern.

Schule, Kindergarten, Spielplatz, Bücherei und Biergarten befinden sich in der Nähe des in der Schulstraße gelegenen Friedhofs.

Aus dem Fränkischen Tag hat Gertrud Hoffmann (67) von den jüngsten Ereignissen erfahren. "Das ist eine Schweinerei", kommentiert sie die Vorkommnisse. "Das werden Jugendliche sein, die zu viel Zeit haben", lautet ihre Theorie.

Zeugen gesucht

"Die Polizei ermittelt noch", lässt der Bürgermeister die Leute wissen. Und Anne Höfer unterstreicht dazu einmal mehr, wie wichtig in diesem Zusammenhang Zeugenhinweise sind. Wer also Dienstagmorgen rund um den Friedhof Verdächtiges wahrgenommen hat (Hinweise an Telefon 0951/9129-310), möge das bitte mitteilen. Dem Bürgermeister fällt ein Geländewagen auf, der schon länger hier parkt. "Überleben und Verrecken" lautet der Titel eines Buches, das auf dem Armaturenbrett liegt.

"Bis zum nächsten Mal in Zapfendorf, bei einem schöneren Anlass", verabschiedet Dittrich die Presse.

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