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Bamberg
Automobilindustrie

Zahlreiche Herausforderungen am Horizont

Die Automobilindustrie ist im Wandel. Wie geht es weiter mit den 25 000 Arbeitsplätzen in Bamberg und Umgebung in Zeiten von Industriewandel und Digitalisierung? Wie kann man die Belegschaften der Bet...
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Die Automobilindustrie ist im Wandel. Wie geht es weiter mit den 25 000 Arbeitsplätzen in Bamberg und Umgebung in Zeiten von Industriewandel und Digitalisierung? Wie kann man die Belegschaften der Betriebe dabei miteinbinden? Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen lud Oberbürgermeister Andreas Starke den SPD-Bundestagsabgeordneten Andreas Schwarz sowie den sozialdemokratischen Generalsekretär Lars Klingbeil zum Fachgespräch ins Gasthaus "Sternla".

Im Austausch mit Betriebsvertretungen und Gewerkschaftsfunktionären aus der Automobilbranche vor Ort kamen neben fränkischen Spezialitäten aus der Küche auch zahlreiche Themen auf den Tisch, wo der Schuh momentan drückt. "Die Betriebsräte sind gewillt, den Wandel zu gestalten, aber ohne Unterstützung aus Berlin und München wird es nicht möglich sein", beschreibt Andreas Schwarz die Situation.

Sein Parteifreund Andreas Starke sieht gute Chancen, Bamberg zur Modellregion für den Wandel der Automobilindustrie zu machen, "da wir die komplette Wertschöpfungskette hier abbilden". Gemeinsam wolle man mit Stadt und Firmen die Wasserstofftechnologie auf dem neuen Lagarde Campus Wirklichkeit werden lassen.

In den Belegschaften sieht die Lage nicht so rosig aus: "Wir verlieren jedes Jahr 250 Arbeitsplätze, weil Kollegen in Alter steilzeit gehen", erklärt Mario Gutmann die Lage bei Bosch. Diese Stellen würden nicht wiederbesetzt. Für den Betriebsratsvorsitzenden sei "das Sterben auf Raten" auf dem Arbeitsmarkt noch nicht spürbar, da es vor allem die Leiharbeiter betreffe.

Technologieoffenheit fehlt

Für viele sei eine Umschulung auf eine der vielen freien Stellen im Pflegebereich jedoch keine Option. Industriepolitisch hapert es aus Gutmanns Sicht an einer mangelhaften Technologieoffenheit: "Wir sind zu einseitig auf das Elektroauto mit Lithiumionenbatterie fokussiert." Stattdessen sollten aus seiner Sicht in Berlin die Weichen für die Wasserstofftechnologie und die Speicherung von Energie gestellt werden. "Die politische Aufgabe ist es, Infrastrukturen und auch die Qualifizierung der Arbeitnehmer zu unterstützen", beschreibt Gutmann seine Forderungen.

Für IG-Metall-Vertreter Matthias Gebhardt muss die Sozialverträglichkeit im Zentrum stehen: "Bei Industriezyklen von sieben Jahren können wir nicht bereits 2030 den Verbrenner komplett abschaffen." Umweltfreundliche Verbrennungsmotoren sollten erhalten bleiben. Seine Befürchtung: Kollegen könnten dann Rechtspopulisten auf den Leim gehen, wenn der Wandel nicht gelingt.

"Momentan werden Betriebe mit Tarifbindung gegen solche ohne Bindung ausgespielt", findet Brose-Belegschaftsvertreter Carsten Präger. Die staatliche Vergabepraxis sollte an Tarifbindung gekoppelt sein. "Wir hätten so viel Potenzial, aber viele Technologien hat die Politik gar nicht auf dem Schirm", meint Präger. So entstünden die neuen Arbeitsplätze vor allem in anderen Ländern.

Für den SPD-Generalsekretär ist die Frage noch nicht entschieden, wo die Automobiltechnik der Zukunft entsteht. "Im Unterschied zu anderen Ländern haben wir hier mehr Kreativität. Und auch das Bildungswesen sowie das Ausbildungssystem sind besser." Klingbeil will weiter dafür kämpfen, die Arbeitnehmer mit Qualifikationen fit für die Zukunft zu machen. Auch die finanzielle Unterstützung und Tarifbindung werde weiter auf der Agenda stehen.

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