Knetzgau

Zabelstein: der Berg der Türme

Wer den Aussichtsberg im Steigerwald besteigt, sieht seit Monaten vor lauter Bäumen die Landschaft kaum. Der Turm ist wegen Schäden gesperrt. Jetzt ist die Entscheidung für einen Neubau gefallen.
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Günter Flegel Mit der Frage kann man Besucher in die Irre führen und auch viele Einheimische auf dem falschen Fuß erwischen: Ist der Zabelstein der höchste Berg im Steigerwald? Nein, er ist es nicht. Er bringt es am höchsten Punkt nur auf 489 Meter über dem Meeresspiegel, gleich drei andere Berge sind höher: der Euerberg, der Hohe Landsberg und als allerhöchster der Scheinberg mit 498,5 Metern.

Was den Zabelstein im Gegensatz zum eher unscheinbaren Scheinberg auszeichnet, ist seine Lage: Mit dem Gipfel südlich von Wohnau (Gemeinde Knetzgau) bricht der bewaldete Höhenzug des Steigerwaldes, der das Maintal begleitet, markant ab. Das macht den Zabelstein unverwechselbar, während man andere Erhebungen wie die Knetzberge suchen muss.

Die Weinberge zu Füßen

Nähert man sich dem Zabelstein aus Süden, ist er ebenfalls unverkennbar, zudem scheint er aus den Weinbergen bei Falkenstein zu wachsen. Mit wenigen Worten: Wenn er auch nicht der höchste ist, der schönste ist er! Und auf den zweiten Blick überragt er die anderen Steigerwald-Berge eben doch. Denn auf dem Gipfel des Zabelsteins steht ein 18,8 Meter hoher Aussichtsturm. 489 + 18,8 = 507,2! Rechnet man den Fahnenmast oben auf dem Turm noch dazu, schaut der Zabelstein ganz von oben auf den Scheinberg herab.

Leider geht die Rechnung so nicht auf, denn, das wäre noch eine Fangfrage: Der Aussichtsturm steht nicht auf dem höchsten Punkt des Zabelstein-Plateaus, sondern im Bereich der mittelalterlichen Burganlage auf 475 Metern. So bringen es Berg und Turm am Ende doch nur auf 494 Meter, und der Scheinberg hat wieder die Nase vorn.

Bis man noch mal ganz genau hinschaut: Dann sieht man, ein ganzes Stück weg vom Aussichtsturm, die Stahlmasten, deren Ursprung noch auf die Zeit des Kalten Krieges zurück geht. Gut 30 Meter hoch ist die Sendeanlage, die Antennen verschiedener Betreiber beherbergt, und die steht tatsächlich auf dem höchsten Punkt des Berges, der so mit 519 Metern doch zum Dach des Steigerwalds wird.

Immer eine Reise wert

Der kleine Exkurs, den man noch um die nicht weniger spannende Geschichte der Burg auf dem Zabelstein erweitern könnte oder um die Geschichten, die der Zabelstein-Wirt Reinhold Albert (www.freyamzablstein.de) erzählen kann, zeigt: Der Zabelstein ist allemal eine Reise wert.

Und er wird (wieder) an Wert gewinnen. Denn der 1999 erbaute Aussichtsturm musste vor mehr als einem Jahr gesperrt werden. Der Zahn der Zeit und das Wetter hatten an der nach oben offenen Konstruktion aus Stahlträgern und Holz genagt.

Sanierung lohnt sich nicht

Die Schraubverbindungen zwischen Holz und Metall hatten durch Feuchtigkeit gelitten, ergab ein Gutachten, das die Landesgewerbeanstalt im Auftrag des Landratsamtes Schweinfurt erstellt hatte. Der Zabelstein gehört zum Gebiet des Landkreises Schweinfurt. Deshalb wurde die turnusmäßige Turmsperre zum Jahreswechsel 2017/18 auf unbestimmte Zeit verlängert.

Der Schweinfurter Landrat Florian Töpper (SPD) hatte schon damals versichert, dass der Landkreis alle Möglichkeiten prüfen wird, um den Aussichtspunkt baldmöglichst wieder für Besucher zu öffnen. Zunächst war zu klären, ob sich eine Sanierung lohnt. Die Entscheidung fiel für einen Neubau. Um nach dem Ob das Wie zu klären, hatte das Landratsamt einen Ideenwettbewerb gestartet und jetzt eine Entscheidung getroffen: Der neue Turm wird sich von dem alten kaum unterscheiden. Allerdings verzichtet man auf eine Hybrid-Konstruktion und baut den Turmkomplett aus Holz, und zwar haltbar, wie Frank Hart vom Hochbauamt des Landkreises sagt.

Drei Varianten

Man werde die Konstruktionsfehler vermeiden, die bei dem 200 000 Mark gebauten 1999er-Turm zu den Schäden geführt hatten, deren Behebung laut Töpper unwirtschaftlich wäre.

Den Kreisräten lagen drei Varianten vor, und sie entschieden sich für die kostengünstigste: 443 000 Euro wird der dann bereits vierte Zabelstein-Turm kosten, wobei als Bauherr nicht der Landkreis auftritt, sondern der Verein Naturpark Steigerwald - wegen der Zuschüsse. Wie hoch die sein werden, weiß man noch nicht, der Landkreis sichert aber zu, den nicht gedeckten Betrag zu übernehmen. Das Konzept für den Zabelstein soll in diesem Zusammenhang "ganzheitlich" neu durchdacht werden, sagt der Landrat.

Darf es ein bisschen mehr sein?

Apropos Höhe: Auch die steht noch nicht fest. Für die günstige Holz-Lösung gibt es eine zweite Variante, einen mit 21,6 Metern etwas höheren als den jetzigen Turm. Die drei Zusatz-Meter schrauben die Kosten allerdings auf 553 000 Euro hoch. Es wird wohl von der Höhe der Zuschüsse abhängen, wie hoch der Wanderer auf dem Zabelstein in Zukunft steigen darf.

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