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Kronach
Unser Thema der Woche // Bauen & Wohnen

Wohnausstattung im Wandel

Heinz Schmidt gehört zu den führenden Raumausstatterbetrieben in ganz Bayern. Der 74-Jährige verrät, wie sich die Branche in den letzten Jahren veränderte und welche Herausforderungen auf ihn zugekommen sind.
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Heinz Schmidt war der erste Raumausstatter-Meister in Bayern und blickt auf eine fast 50-jährige Firmengeschichte zurück.  Foto: Magdalena Kestel
Heinz Schmidt war der erste Raumausstatter-Meister in Bayern und blickt auf eine fast 50-jährige Firmengeschichte zurück. Foto: Magdalena Kestel

Auf drei Etagen erstrecken sich in der Johann-Knoch-Gasse in Kronach tausende von Mustern und Dekoartikeln. Parkett- und Holzböden, Teppichmuster, Sicht- und Sonnenschutzmodelle, Vorhangstangen, Gardinen von klassisch bis ausgefallen und einiges mehr. Dort ist Heinz Schmidt in seinem Element. Der Inhaber der Firma AWK in Kronach ist "Raumausstatter mit Leib und Leben". Er kann heute auf eine fast 50-jährige Firmengeschichte zurückblicken.

Schmidt war der erste Raumausstatter-Meister in ganz Bayern. Seine Ausbildung absolvierte er damals in Lichtenfels, Kulmbach und München. "In München bin ich erst richtig auf den Geschmack gekommen", verrät der heute 74-Jährige. "Das war eine ganz andere Welt." Nach der Ausbildung verschlug es ihn jedoch zurück in seine oberfränkische Heimat. Der Raumausstatter sah Potenzial in der Lucas-Cranach-Stadt und gründete 1973 die AWK.

"Der Erfolg hat mir Recht gegeben", sagt Schmidt heute. Vom Einmannbetrieb entwickelte sich sein Unternehmen zu einem der führenden Meisterbetriebe in ganz Bayern. Die Ausstattung von Gaststätten und Apotheken sieht er als ein Sprungbrett für seine Karriere. "Das konnten damals nicht viele."

Stetige Veränderung

Jede Branche unterliegt dem Wandel der Zeit. Vor allem im gestalterischen Handwerk jagt ein Trend den nächsten. Durch seine langjährige Erfahrung weiß Schmidt nur zu gut, wie sich Kundenwünsche und Anforderungen in den letzten Jahren entwickelten. Das Kaufverhalten habe sich verändert. "Die Leute entfernen sich von Billigmöbeln und entwickeln wieder mehr Qualitätsbewusstsein", erklärt der Unternehmer. "Sie sind bereit, wieder mehr Geld für schönes Wohnen auszugeben." Die Ansprüche an das Wohngefühl seien gewachsen.

Doch die Entwicklung geht noch weiter. Feng-Shui. Umweltbewusstes Wohnen. Schadstofffreie Materialien. Atmungsaktive Stoffe. Diese Schlagwörter bezeichnen im 21. Jahrhundert die Anforderungen an Mobiliar und Ausstattung. "Das waren früher Fremdwörter", erzählt Schmidt.

Heutzutage werde außerdem allgemein mehr auf Sicherheit geachtet. Schwer entflammbar nennt der Raumausstatter hier als Anspruch an Stoffe und Textilien. Im Zuge der Digitalisierung seien außerdem Wörter wie "bildschirmgerecht" aufgekommen. Diese Eigenschaft bezieht sich auf Sonnenschutz, der das Tageslicht so reduzieren soll, dass keine störenden Spiegelungen auf Bildschirmen entstehen.

Neue Herausforderungen

Durch den demografischen Wandel wächst die ältere Generation stetig. Aufgrund dessen sei auch altersgerechtes Wohnen ein wichtiges Thema. "Man muss sich Gedanken über die Sitzhöhe von Sofas machen", nennt der Raumausstatter als ein Beispiel.

Als größte Herausforderung sieht Schmidt jedoch die Entwicklung der Baumärkte, die mit einer riesigen Auswahl und günstigen Angeboten locken. "Die Leute kommen dann mit dem Preisgefühl vom Markt in den Fachhandel", erklärt er. Die Vorstellungen der Kunden sind dadurch oft weit entfernt von der Realität. Es bedeutet jedoch nicht, dass man eine Stange Geld verdienen muss, um die Dienste des Raumausstatters in Anspruch nehmen zu können. Der Unternehmer findet für jedes Budget eine passende Einrichtung. "Ich gehe auf jeden Kundenwunsch ganz speziell ein", betont Schmidt. Wichtig sei ein Zusammenspiel zwischen ihm und seinem Gegenüber. "Der Kunde soll kreativ mitwirken." Schmidt unterscheidet nicht zwischen gewöhnlichen und außergewöhnlichen Anliegen. "Jeder Kundenwunsch hat das Recht, ausgefallen zu sein", findet der Raumausstatter. Er selbst geht mit offenen Augen durch die Welt, immer auf der Suche nach neuen Inspirationen. Die holt er sich auch von Messen, Reisen und Fachzeitschriften.

Eine kürzliche Entwicklung freut Schmidt besonders. Anfang 2020 hat das Bundeskabinett für zwölf Handwerksberufe - darunter auch der Raumausstatter - wieder die Meisterpflicht eingeführt. Inhaber eines selbstständigen Handwerksbetriebes müssen künftig einen Meisterbrief oder eine vergleichbare Ausbildung vorweisen. "Das ist ein Garantieschein für den Kunden", betont Schmidt. Denn der Meisterbrief bescheinigt eine anspruchsvolle Ausbildung sowie fundiertes Fachwissen und sichert dadurch einen gewissen Qualitätsstandard.

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