Ebermannstadt

Wohin mit dem Klärschlamm?

Mitarbeiter des Institutes für Energietechnik aus Amberg unterstützen Kommunen bei der Neuausrichtung der Klärschlammentsorgung. Das Ausbringen auf landwirtschaftlichen Flächen soll bald der Vergangenheit angehören.
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Auf der Kläranlage Ebermannstadt informierten sich die Teilnehmer über die Verfahrensschritte.  Foto: Josef Hofbauer
Auf der Kläranlage Ebermannstadt informierten sich die Teilnehmer über die Verfahrensschritte. Foto: Josef Hofbauer
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JOsef Hofbauer Das Thema Klärschlammverwertung stand im Mittelpunkt des jüngsten Treffen der Mitglieder des Energie-Effizienz-Netzwerkes im Landkreis Forchheim. Nach einem Rundgang über die Kläranlage Ebermannstadt wurden im Sitzungssaal des Rathauses interkommunale Lösungen zur Klärschlammbehandlung thematisiert. Dabei unterstrich Professor Markus Brautsch: An einer thermischen Verwertung des Klärschlammes werde mittelfristig kein Weg vorbei führen. Dabei sei die Zusammenarbeit mehrerer Gemeinden ein wichtiger Baustein.

Eines der Hauptprobleme ist die Menge des anfallenden Klärschlammes. Hier habe Ebermannstadt mit seiner Kläranlage, in der täglich 3 500 Kubikmeter Abwasser ankommen, bereits vieles richtig gemacht und einen Faulturm gebaut. Hier wird der Faulschlamm einerseits eingedickt, so dass sich das Gesamtvolumen verringert. Das entstehende Faulgas wird als Energiequelle für ein Blockheizkraftwerk genutzt, das pro Jahr 260 000 Kilowattstunden Strom produziert. Damit kann der Energiebedarf der Kläranlage zu 85 Prozent gedeckt werden.

Bis vor anderthalb Jahren wurde der Schlamm aus dem Faulturm noch auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht. Nun wird er entwässert, so dass ein torfartiges Substrat mit einem Trockengehalt von 25 Prozent entsteht. Das heißt, der Wasseranteil des Schlammes wird um ein Viertel gesenkt.

Problematische Schmutzfracht

Das Problem: Die in dem Wasser gelösten Stoffe muss die Kläranlage umweltverträglich verarbeiten können. Und: Für die Eindickung werden Polymere verwendet, Mikroplastik, das die Umwelt belastet. Hinzu kommt: Ist die Schmutzfracht zu groß, kann das biologische Gleichgewicht kippen, die Anlage arbeitet nicht mehr ordnungsgemäß. Aus diesem Grund muss das Wasser, das bei der Komprimierung des Klärschlammes entsteht, zwischengespeichert und - wie etwa in Eggolsheim - fein dosiert der täglichen Schmutzwassermenge zugeführt werden.

Landwirtschaft keine Option

Übrig bleiben in Ebermannstadt rund 1000 Kubikmeter getrockneter Klärschlamm pro Jahr. Diese Größenordnung muss auch in den Kläranlagen Schwabachtal mit den Mitgliedsgemeinden Igensdorf, Eckental, Gräfenberg, Weißenohe und Neunkirchen am Brand, in Baiersdorf und in Eggolsheim entsorgt werden. In der Kläranlage Hausen fallen 700 Tonnen Klärschlamm mit einer Trockenmasse von 20 Prozent an. Solche Mengen seien in der Landwirtschaft gar nicht mehr unterzubringen, betonte Markus Brautsch, auch weil durch die neue Verordnung über die Verwertung von Klärschlamm, Klärschlammgemisch und Klärschlammkompost die gesetzlichen Rahmenbedingungen deutlich verschärft wurden.

Ziel des Freistaates Bayern sei eine Beendigung der landwirtschaftlichen, gärtnerischen und landschaftsbaulichen Verwertung des Klärschlammes. Bayernweit seien 2015 bereits 63,2 Prozent des anfallenden Klärschlammes thermisch behandelt, spricht verbrannt worden. Im Nachbarlandkreis Bamberg waren das nur 27 Prozent.

Der Rest ging, wie die breiartigen Überbleibsel aus der Kläranlage Mostviel in die Landwirtschaft. "Wir haben das Glück, dass die Abwässer der Gemeinden Obertrubach, Egloffstein und aus Ortsteilen von Gößweinstein und Pretzfeld nicht sonderlich chemisch belastet sind. Wir haben kein Krankenhaus, kein großes Seniorenheim und keine Industrie", betont Bürgermeister Stefan Förtsch. Deshalb hätten sich noch genügend Landwirte als Abnehmer für den Klärschlamm gefunden. Eine Dauerlösung werde das aber nicht sein. Auch deshalb, weil das Zeitfenster für die Ausbringung von Klärschlamm immer enger geworden sei.

Der Markt Gößweinstein hat dieses Problem "gelöst", indem die Kommune den kompletten Betrieb der Kläranlage Behringersmühle seit 15 Jahren dem Dienstleister "Südwasser" übertragen hat. Die 250 Tonnen getrockneter Klärschlamm würden in Kohlekraftwerken, Zementwerken und Müllverbrennungsanlagen entsorgt, bestätigt Martina Schlund-Wagner. Der Klärschlamm aus Hausen wird im Kohlekraftwerk Lippendorf (Sachsen) und im Zementwerk Karlstadt (Unterfranken) verbrannt, so Klärwärter Wolfgang Kraus .

Werte müssen stimmen

Baiersdorf setzt auf landbauliche Verwertung. Dies bedeutet, der getrocknete Klärschlamm wird nach Ostdeutschland gefahren und zur Rekultivierung im Braunkohle-Tagebau verwendet. Allerdings nur, wenn die Grenzwerte bei den Rückständen stimmen. Hier gibt es manchmal Probleme, denn der Cadmium-Wert liegt manchmal unter, manchmal über der Richtschwelle. Dann muss der Klärschlamm verbrannt werden.

Mit Phosphor Rückgewinnung

In Mono-Verbrennungsanlagen - eine Pilotanlage will Südwasser in Straubing errichten - sollen die Betreiber von Kläranlagen dazu verpflichtet werden, aus dem gelösten Phosphat den seltenen Rohstoff Phosphor zurückzugewinnen. Gleichzeitig diene dies dem Umweltschutz, unterstrich Brautsch.

Nicht gelöst ist damit das Problem der Arzneimittelrückstände im Wasser. Diese in Wasser aufgelösten Reste gelangten bislang bei einer landwirtschaftlichen Ausbringung in den Nahrungskreislauf.

"Aber ich will mit den Kartoffeln keine Antibabypille und keine Antibiotika zu mir nehmen", machte Bürgermeister Karl-Heinz Wagner aus Altendorf im Landkreis Bamberg deutlich. Für ihn - und die Kollegen - ein weiterer Grund, dass die Kommunen bei der Abwasserbehandlung künftig noch viel enger zusammenarbeiten müssen.

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