LKR Forchheim

Wohin mit dem Bauschutt?

Was darf auf die Deponie, was ist Sondermüll oder wandert in den Gelben Sack? Gar nicht so leicht, da den Überblick zu behalten.
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Eine junges Paar aus dem Landkreis ist ins Eigenheim gezogen. Nun gilt es, die liegengelassenen Bauabfälle zu entsorgen. Doch wohin mit dem ganzen Zeug? Das junge Paar nimmt die Abfallfibel in die Hand und versucht, die einzelnen Teile einzuordnen. Von Fermacell-Platten steht nichts in der Broschüre. Aber Gipskartonplatten finden sie - und weil Fermacell-Platten auch eine Art Gipskartonplatte ist und dementsprechend auf der Deponie in Gosberg abgegeben werden darf, packen sie ihren Kofferraum voll und fahren los.

Doch in Gosberg schüttelt man den Kopf: Solche Platten müssen einem privaten Entsorger mitgegeben werden - per Container. So bleibt dem Paar nichts anderes übrig, als die Platten wieder mit nach Hause zu nehmen. Schon der Erdaushub zu Baubeginn konnte nicht einfach weggefahren werden. Es stellt sich Bauherren also eine Reihe von Fragen, denen diese Zeitung mit Hilfe von Adrian Huter vom Landratsamt Forchheim, Daniel Strauß vom Abfallmanagement und einer Recycling-Firma aus Neunkirchen am Brand auf den Grund geht.

Was müssen Bauherren beachten, wenn sie sich den Traum vom Eigenheim erfüllen und wohin kommt der Aushub oder der ganze Bauschutt? Ist das alles Sondermüll?

Adrian Huter: Anfallender Erdaushub ist üblicherweise Abfall, auch wenn er mit Schadstoffen belastet ist. Abfälle werden entweder als gefährlich oder als ungefährlich eingestuft. Von Belastungen, die eine Einstufung als gefährlichen Abfall, umgangssprachlich auch Sondermüll genannt, zur Folge hätten, sind derartige Schadstoffgehalte aber in aller Regel weit entfernt. Hier gibt es Grenzwerte, nach denen der Bodenaushub in verschiedene Kategorien eingeordnet werden kann. Von der Einstufung in diese Kategorien, beispielsweise Z 0 ist vollständig unbelastet, hängt der weitere Entsorgungsweg ab.

Warum haben viele Bauherren Ärger mit der Entsorgung des Erdaushubs und meist viel höhere Kosten, als geplant?

Adrian Huter: Durch eine rechtzeitige Abklärung des Entsorgungsweges lassen sich Kosten und Ärger vermeiden. Wichtig ist, den Erdaushub nicht mit sonstigen Abfällen wie Bauschutt zu vermischen und so zu verunreinigen. Die Entsorgung von Erdaushub ist privatwirtschaftlich organisiert. Wenn beabsichtigt wird, den Erdaushub beispielsweise in einem Steinbruch oder für Baumaßnahmen einzusetzen, sollte sich der Bauherr beim jeweiligen Betrieb darüber informieren, was zu beachten ist. Oft wird von den Firmen eine Materialprobe zur Absicherung gefordert, unabhängig von unseren behördlichen Vorgaben. Ich als Bauherr würde mich im FAQ-Bereich auf der Website des Landesamt für Umweltschutz informieren.

Wohin mit dem anderen Bauschutt, zum Beispiel den Gipskartonplatten aus dem anfangs genannten Fall?

Daniel Strauß: Gipskartonplatten werden in Gosberg angenommen. Nicht angenommen werden dürfen zum Beispiel KMF-Mineralfaserplatten. Die müssen als gefährlich eingestufter Klasse-IV- Abfall unter Tage deponiert werden.

Welche Abfallklassen hat denn die Deponie in Gosberg und was darf dort abgegeben werden?

Daniel Strauß: Die Deponie umfasst die Klassen I und II. Somit dürfen auch nur Abfälle abgelagert werden, die dieser Kategorie entsprechen. Es handelt in beiden Fällen um nicht gefährliche Abfälle. Behandelter, verbrannter oder gerotteter Haus- und Gewerbemüll, Industrieabfälle sowie Einlagerungsstoffe ohne besonderen Überwachungsbedarf gehören dazu. Grundsätzlich werden somit in Gosberg Abfälle nach den gesetzlichen Vorschriften angenommen.

Wie sieht es nun mit dem allgemeinen Bauschutt aus?

Daniel Strauß: Reiner Bauschutt wie Mauerwerk oder Steine sind nicht zu deponieren, sondern der Wiederverwendung zuzuführen. Somit ist Bauschutt über private Bauschuttrecycler zu entsorgen.

Was ist mit dem Dämmmaterial?

Daniel Strauß: Dämmmaterial aus Styropor mit dem Flammschutzmittel HBCD kann wieder über Müllheizkraftwerke thermisch verwertet werden. Das Verbot von vor zwei Jahren greift nicht mehr. Für die Bürger gibt es somit keinen nennenswerten Unterschied zu vorher.

Wann darf Styropor in den gelben Sack?

Daniel Strauß: In den Gelben Sack dürfen nur Verpackungen und somit nur Styropor, welches als Verpackung eingesetzt war, beispielsweise Styropor-Formteile bei Elektrogeräte. Styropor aus anderen Herkunftsbereichen wie Dämmstyropor durfte noch nie in den Gelben Sack. Am einfachsten oder bequemsten ist es sicher, einen Bauschuttcontainer aufzustellen.

Kann in dem Container alles eingeworfen werden?

Lorenz Recycling GmbH: Nein. Auch hier muss sauber getrennt werden. Notfalls müssen zwei oder drei Container bestellt werden, um den üblichen Bauschutt von Dämmmaterial wie Fermacell-Platten zu trennen und alles der richtigen Deponie zuführen zu können. Wer sich umgehend informieren will, welche Stoffe wohin kommen, fährt mit einem Anruf vor der Entsorgung am besten, um Baureste nicht einmal rund um den Landkreis zu kutschieren.

Die Fragen stellte

Petra Malbrich

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