Kulmbach

Wohin mit all dem Plastikmüll?

Die Grünen informierten am Holzmarkt über die Belastungen durch Kunststoffe. Die Bürger waren erstaunt, als sie erfuhren, woher die größte Verschmutzung unserer Flüsse und Meere kommt.
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Christian Ohnemüller, Dagmar Keis-Lechner und Uwe Kekeritz (von links) informierten die Kulmbacher Bürger über die Problematik mit dem Plastikmüll. Foto: Uschi Prawitz
Christian Ohnemüller, Dagmar Keis-Lechner und Uwe Kekeritz (von links) informierten die Kulmbacher Bürger über die Problematik mit dem Plastikmüll. Foto: Uschi Prawitz
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Die Kulmbacher Grünen haben zum "Tag des Plastiks" am Samstag am Holzmarkt versucht, die Bürger über das Problem Plastikmüll aufzuklären, zum Beispiel in Form eines Quiz. "Etwa ein Prozent des Mülls in den Meeren hat sich in fünf großen Strudeln gesammelt. Wie groß ist der größte Strudel?" Über die Antwort waren sicher viele erstaunt, denn sie lautete korrekt: mehr als vier Mal so groß wie Deutschland. Die Kunststoffe, die mit einer Stärke von ein bis zwei Metern an der Oberfläche schwimmen, machen dabei aber nur ein Prozent des Gesamtaufkommens in den Weltmeeren aus.

Tropfen auf den heißen Stein

MdB Uwe Kekeritz, war nach Kulmbach angereist, um die Bezirkstagskandidatin der Grünen, Dagmar Keis-Lechner, zu unterstützen. Er kennt sich aus in der Materie. "Das Absaugen und Einsammeln ist wichtig, aber letztendlich ein Tropfen auf den heißen Stein." Ein Riesenproblem stelle nämlich das Mikroplastik dar, das sich in unseren Gewässern finde. Doch nicht etwa Shampoos oder sonstige Alltagsprodukte seien die größten Verseucher des Wassers, es seien die Autoreifen. "Beim Autofahren wird der Reifenabrieb über den Regen in die Flüsse und Meere gespült", erklärte Dagmar Keis-Lechner. Damit sei dies noch ein Grund mehr, die Reduzierung des Individualverkehrs in den Griff zu bekommen, den öffentlichen Nahverkehr weiter auszubauen und den Warentransport verstärkt auf die Schiene zu verlegen. "Es ist eine komplexe Verkehrswende notwendig, die man vernetzt sehen muss. Es macht keinen Sinn, weiter Millionen in Umgehungsstraßen zu stecken, da man dringend umdenken muss.

Ein anderes Problem stellt die Entsorgung des Plastikmülls dar. Dazu konnte Entwicklungshilfeexperte Uwe Kekeritz wichtige Informationen geben:"Bis 2017 haben wir 100 000 Tonnen Plastikmüll nach China exportiert, den wollen die Chinesen jetzt nicht mehr haben."

Auch Elektroschrott ist Problem

Ebenso problematisch sieht er den Export von Elektroschrott beispielsweise nach Ghana. "Der enthält auch Plastik. Die Menschen dort sind arm und verbrennen den Schrott einfach, um das Kupfer herauszuholen." Das bedeute, dass dort Kinder und Jugendliche, die barfuß oder mit Sandalen bekleidet über die Müllberge klettern, permanent einer Giftgaswolke ausgesetzt seien. "Es ist von uns eine unerträgliche Dreistigkeit, unseren Abfall unter dem Pseudonym des Recyclings dorthin zu verschiffen", ergänzte Dagmar Keis-Lechner. "Wir spielen hier in Deutschland die Saubermänner und exportieren unseren Müll elegant ins Ausland."

Eine Lösung sehen die Grünen in der Vermeidung von Plastikmüll, wo immer dies möglich ist. "Man darf Plastik nicht pauschal verteufeln", sagte die Bezirkstagskandidatin, es gebe sicher Bereiche, in denen Plastik eine gute Wahl und auch notwendig sei. Darüber hinaus sei beispielsweise PE-Kunststoff ein Abfallprodukt, das während der fraktionellen Destillation in der Ölraffinerie anfalle. Das Öl werde somit perfekt genutzt. "Aber unser Marktmechanismus ist auf stetigen Verbrauch ausgelegt, und wir müssen versuchen, unnötige, billige Plastikverpackungen zu vermeiden."

Kulmbecher als positives Beispiel

Bereits vor zehn Jahren habe man im Bundestag begonnen dafür zu kämpfen, dass es keine Einwegbecher mehr gibt - im nächsten Jahr soll es endlich so weit sein. "Mit Coffee-to-go identifizieren wir uns mit hippen, glücklichen Menschen aus dem Fernsehen. In Kulmbach haben wir mit der Einführung des ,Kulmbechers' aber schon gezeigt, dass es auch anders geht", sagte Keis-Lechner.

In Afrika sei man auch schon weiter, betonte Uwe Kekeritz. "Dort sind bereits in 15 Ländern Plastiktüten verboten. Insbesondere Ruanda und Senegal setzen diese Vorgaben zu hundert Prozent um." In Kenia habe dieses Verbot etwa dazu geführt, einen alten, heimischen Handwerkszweig wieder zu stärken, den Anbau und die Verarbeitung von Sisal zu Einkaufskörben.

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