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Baiersdorf

Wo Strohbären ihr Unwesen treiben

Am Faschingssonntag ziehen jedes Jahr seltsame Gestalten durch Baiersdorf. Die wilden Gesellen im Getreidekostüm bilden den Kontrast zu den stattlichen Fosaleggn in ihrer bunt geschmückten Tracht.
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Vor allem die weiblichen Zuschauer waren vor den Strohbären nicht sicher.
Vor allem die weiblichen Zuschauer waren vor den Strohbären nicht sicher.
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In den Straßen von Baiersdorf treiben alljährlich am Fastnachtssonntag die Strohbären aus Effeltrich, begleitet von den Fosaleggn, ihr Unwesen. Auch heuer war eine Effeltricher Abordnung nach Baiersdorf gekommen und formierte sich bei der Jahnhalle. Dazu gehörten die Strohbären mit ihren Treibern und die eigentlichen Fosaleggn, Burschen in weißer Kleidung mit bunten Rücken- und Schulterbändern, auf dem Kopf ein zylinderförmiger Hut, den ebenfalls bunte Bänder und grünender Buchs schmücken. Die Mädchen der Tanzpaare erschienen in Tracht, ebenso kleine Mädchen.

Schwerstarbeit für die Treiber

Auch in diesem Jahr führte ein Strickreiter den Zug an, allerdings hatte Martin Müller kein Pferd, auf dem er reiten konnte. Bei ihrem Weg durch die Stadt mussten die Treiber, wie Schäfer mit einem Fell bekleidet und einem Stab in den Händen, immer wieder versuchen, ihre Strohbären mehr oder weniger gut zu bändigen, die sich mit ihrem Ruf "Allamoschee" über am Straßenrand befindliche Mädchen und Frauen hermachen wollten. Viele blieben nach diesen stürmischen Annäherungsversuchen zerzaust und mit viel Stroh im Haar wieder am Straßenrand zurück. An der Spitze des Zuges marschierten die Mitglieder des Musikvereins Effeltrich, nach den Strohbären folgten die Fosaleggn mit Peitschengeknall.

Am Großparkplatz an der Linsengrabenstraße erläuterte Monika Hofmayer, die Vorsitzende des Heimatvereins Baiersdorf, die Herkunft und den speziellen Werdegang des Brauchtums um die Fosaleggn. Vermutlich entstand dieser ursprünglich aus dem Brauch des "Todaustragens" am Sonntag "Laetare" in der Fastenzeit. Mit dem Stroh wurde symbolisch der Tod verbrannt. Allerdings verwischte sich im Lauf der Zeit die ehemalige Bedeutung immer mehr.

Ein Winteraustreiben

Der Brauch ruhte für längere Zeit, bis erstmals wieder 1926 der Effeltricher Gastwirt Kotz für seine "Oberdörfer" Burschenschaft die Erlaubnis erwirkte, nach Baiersdorf ziehen zu dürfen, was allerdings in diesem Jahr kaum beachtet wurde. Eduard Rühl, der Vorsitzende des Heimatvereins Erlangen, interpretierte die Aktion als Winteraustreiben. 1931 wurde die Effeltricher Abordnung erstmals vor dem Rathaus in Baiersdorf offiziell begrüßt und mit einem Geldpräsent belohnt. 1939 brachten die Effeltricher ihre Musikkapelle und eine Trachtengruppe mit nach Baiersdorf. Dabei handelt es sich genau genommen um einen Heischebrauch, mit dem die Akteure in früheren Zeiten ihren Tribut einforderten - Geld, Essen oder alkoholische Getränke.

Strohbären werden "gehäutet"

Unterbrochen durch den Zweiten Weltkrieg konnten 1947 erste Bemühungen verzeichnet werden, den Brauch erneut zu beleben. 1952 fand die nun als Winteraustreiben apostrophierte Aktion wieder als offizielle Brauchtumsveranstaltung im erweiterten Rahmen statt und zieht seitdem jedes Jahr zahlreiche Zuschauer an. Dies ist besonders den Mitgliedern des 1950 gegründeten Heimatvereins Baiersdorf zu verdanken. "Wir wollen, dass dieses alte Brauchtum erhalten bleibt und uns die Effeltricher auch im nächsten Jahr besuchen", wünscht sich Monika Hofmayer. Sie zeichnete auch Stefanie Merkel für 15 Jahre Bauernmadla, Andreas Merkel für 15 Jahre Fosalegg und Johannes Biedermann für zehn Jahre Fosalegg mit einer Urkunde aus.

Währenddessen wurden die fünf Strohbären "gehäutet" und das Stroh auf einen Haufen geworfen. Bedingt durch das windige Wetter wurde das Stroh in diesem Jahr auf Anraten der Feuerwehr nicht angezündet. Dagegen wird das Gewand der Fosaleggn in den Familien zu Hause aufbewahrt. Begleitet von der Musikkapelle führten die Burschen mit ihren Trachtenmädchen Volkstänze um den Strohhaufen auf, auch wenn das Feuer fehlte.

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