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Coburg

Wo Sprache zum Spiel wird

Ein Kindergarten aus Containern? Wenn's nicht anders geht! Hat auch seine Vorteile. Die Wände sind magnetisch und mit den metallischen Bausteinen von "Mag Formers" wird so ein Gruppenraum zum 3D-Spiel...
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Ein Kindergarten aus Containern? Wenn's nicht anders geht! Hat auch seine Vorteile. Die Wände sind magnetisch und mit den metallischen Bausteinen von "Mag Formers" wird so ein Gruppenraum zum 3D-Spielzimmer. Yagiz, Mayar und Isla kreieren gerade eine Fantasiewand.

August puzzelt und sein Papa spielt mit. Der Dreijährige ist noch in der Eingewöhnungsphase. Nela sitzt am Tisch und malt ein Bild: "This is me" ist es überschrieben und zeigt ein kleines blondes Mädchen mit fünf Strichen an der Hand.

Sabine Groh, Leiterin des Ascolino-Kindergartens, freut sich über die Akzeptanz von Eltern und Kindern an dem neuen Konzept. Seit Anfang Januar besuchen 18 Kinder den erste bilinguale Kindergarten Oberfrankens in Coburg. Das Besondere daran sind natürlich nicht die magnetischen Wände, sondern die Besetzung des Personals: Drei Erzieher - Sabine Groh, Christian Wenzel und Larissa Fust - sowie die Amerikanerin Meghan Freme kümmern sich um die kleine internationale Gruppe aus Zwei- bis Sechsjährigen. Die Familien stammen aus der Türkei, aus Syrien, von den Philippinen, aus Amerika und aus Deutschland.

Meghan kommt aus den USA und hat einen Bachelor-Abschluss in Sozialwissenschaften mit den Schwerpunkten Psychologie und Soziologie. Sie hat unter anderem ein halbes Jahr in Indien gelebt und dort in einem bilingualen Kindergarten als Englischfachkraft gearbeitet. Sie lebt seit kurzem in Coburg und ist als muttersprachliche Ergänzungskraft eingesetzt. Da kommt die 27-Jährige auch schon mit dem großen Klappbuch "Animal Hospital" um die Ecke. Zusammen mit James, Ilsa und Mayar baut sie es auf und spielt Tierkrankenhaus.

Mit Händen und Füßen

Kein deutsches Wort kommt über ihre Lippen. Das Spielen klappt trotzdem. "Wir verstehen uns alle - und wenn es mit Händen und Füßen sein muss", betont Sabine Groh lachend. Die Gestik und Mimik sagen oft mehr als so manches Wort.Englisch-Unterricht haben die Ascolino-Kinder nicht. Das Konzept "One person, one Language" vermittelt den Kindern einen selbstverständlichen, spielerischen Umgang mit Sprache.

In den ersten Wochen hat sich einiges getan: Yagiz aus der Türkei, der kein Wort Deutsch spricht, hat vergangene Woche angefangen die Wochentage aufzuzählen. ",Heute ist Freitag' hat er plötzlich gesagt", erzählt die stolze Kindergartenleiterin. Und das Englische - ob im Bücherregal, bei den Spielen oder den Vokabeln an der Wand, wird als "normal" angesehen.

Zukunftspläne

Matthias Schmidt-Curio, Geschäftsführer der Asco-Sprachenschule, die die Trägerschaft für Ascolino übernommen hat, ist stolz auf sein neues Team. Für zwei Jahre hat er die Container in der Alexandrinenstraße angemietet. Bis dahin soll entschieden sein, ob die Befristung des Kindergartens auf fünf Jahre aufgehoben wird. Denn nur dann macht ein Neubau Sinn. Und den würde Schmidt-Curio gerne planen. Der Bedarf wäre da, ist er sich sicher.

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