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Coburg

Wo Hochschule auf die Praxis trifft

Im ehemaligen Schlachthof soll die "Creapolis" entstehen. Teil Eins, der "Maker-Space", erfreut sich bereits großer Beliebtheit. Ein Ziel ist es, Hochschule und Unternehmen zusammenzubringen für neue Forschungsprojekte. IHK-Präsident Herdan geht das alles noch nicht weit genug.
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"Politik ist das lange Bohren dicker Bretter mit Leidenschaft und Phantasie", sagte einst Max Weber. In diesem Fall fräst Staatssekretär Michael Meister eine Kante an einem Brotzeitbrettchen ab, beobachtet von Creapolis-Leiter Markus Neufeld und Hochschulpräsidentin Christiane Fritze. Foto: Simone Bastian
"Politik ist das lange Bohren dicker Bretter mit Leidenschaft und Phantasie", sagte einst Max Weber. In diesem Fall fräst Staatssekretär Michael Meister eine Kante an einem Brotzeitbrettchen ab, beobachtet von Creapolis-Leiter Markus Neufeld und Hochschulpräsidentin Christiane Fritze. Foto: Simone Bastian

Es soll schon was bei rumkommen, wenn der Bund Geld an die Hochschulen verteilt. Deshalb wird "Creapolis", das Schlachthof-Projekt der Coburger Hochschule, auch ständig überwacht. Maya Schulte ist dafür zuständig, sie arbeitet bei "Projektträger Jühlich", einem Unternehmen des gleichnamigen Forschungsinstituts.

Doch gelegentlich kommt auch jemand vom Bundesbildungsministerium selbst, in diesem Fall Staatssekretär Michael Meister (CDU). Vermittelt hat den Besuch der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach. Meister war vorher Finanzpolitiker, wie Michelbach.

Aber nun geht es um innovative Hochschulprojekte: Die Creapolis erhält fünf Jahre lang Mittel vom Bund; weitere fünf Jahre sind möglich, wenn sich das Projekt gut entwickelt. Meister fragt den Projektleiter Markus Neufeld nach den nachhaltigen Effekten. Schließlich sollen die Förderprogramme die Forschung und damit die Wirtschaft voranbringen.

Was die Nachhaltigkeit der Creapolis angeht, hat der Coburger IHK-Präsident Friedrich Herdan klare Vorstellungen: Es müsse mehr Unternehmensgründungen geben, fordert er, und da habe ja die Schlachthofvilla noch nicht viel vorzuweisen. In der Schlachthofvilla residieren die Creapolis mit ihrem "Maker-Space" (eine top ausgerüstete Werkstatt für alle) und obendrüber der Verein Zukunft.Coburg.Digital, der Voraussetzungen schaffen soll für eine digitale Gründerszene.

Gründungen sind aber nicht das erste Ziel der Creapolis: Menschen zusammenbringen, die Möglichkeit eröffnen, kreativ Neues zu schaffen, beschreibt Neufeld die Aufgabe des Maker-Space. Natürlich stehe die Creapolis auch den Unternehmen offen, die die Angebote durchaus auch nutzen. Und immer wieder erwachsen aus der Zusammenarbeit von Unternehmen und Hochschule neue Forschungsprojekte. Neufeld verweist auf die Zahl der Förderanträge. "Ich wünsche mir, dass die Offenheit der Deutschen Forschungsgesellschaft für Anträge aus Fachhochschulen steigt", kommentiert der Staatssekretär.

Was Existenzgründungen angeht, hat die Hochschule Coburg auch schon Anläufe unternommen. "Doch der Antrag wurde leider abgelehnt", sagt Hochschul-Vizepräsidentin Aileen Funke, in der Hochschulleitung zuständig für die Creapolis. Beim Nachfolge-Antrag für die Creapolis sei dieser Punkt möglicherweise dabei. "Wir wollen Zukunft.Coburg.Digital aber nicht das Wasser abgraben", betont Funke.

Schon 460 Nutzer

"Da können Sie gar nichts abgraben", grummelt Herdan. "Was nutzt es, wenn ein Bespaßungssystem herauskommt?" Das war auch auf den Maker-Space gemünzt, der gut angenommen werde, wie Markus Neufeld berichtet: Schon 460 Menschen haben die Einführungskurse durchlaufen, die Voraussetzung dafür sind, dass man die Schreinerwerkstatt, den Lasercutter oder den 3D-Drucker benutzen darf. Das sei eine sehr hohe Zahl, auch gemessen an ähnlichen Einrichtungen in Großstädten, sagt Aileen Funke. Neufeld ist jedenfalls zufrieden mit dem Zuspruch, den die Angebote in der Schlachthofvilla erfahren. Als dort ein Vortrag über Demenz angeboten wurde, habe man zahlreiche Zuhörer wegen Überfüllung abweisen müssen. "Wir sind zwar Hochschule, aber wir sehen nicht so aus." Hinsichtlich der Wahrnehmung in der Öffentlichkeit sei die Coburger Creapolis "weiter als viele andere", bestätigt Maya Schulte.

Dass der Schlachthof mittelfristig zum "Prinz Albert Campus" ausgebaut werden soll, ist im Rahmenplan für das gesamte Areal bis zum Güterbahnhof so festgeschrieben. Nächster Schritt ist die Ertüchtigung der ehemaligen Kühlhalle (am Itzufer gegenüber der Schlachthofvilla) zum erweiterten Maker-Space. Zukunft.Coburg.Digital will im gleichen Gebäude Start-ups unterbringen, die zum Teil jetzt schon in der Schlachthofvilla tätig sind. Stephan Horn von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, mit Christian Meyer von der Wohnbau zuständig für die Entwicklung des Gebiets, hat den Rahmenplan mitgebracht. "Man sieht, dass die verschiedenen Akteure zusammenwirken und nicht darauf warten, dass jemand von außen hilft", kommentiert der Staatssekretär später zufrieden.

Vorher muss er aber selbst im Maker-Space aktiv werden. Vier Seitenteile einer kleinen Holzschachtel sind schon ausgeschnitten, das fünfte darf der Minister beschriften und zuschneiden: "Ein schöner Tag in Coburg" tippt er am Bildschirm ein. Danach darf er mit einem Hammer die fünf Seiten zu einer Box zusammenfügen, in die später das zweite Geschenk kommt: Eine Miniatur der Prinz-Albert-Statue vom Marktplatz aus dem 3D-Drucker. "Den nehme ich mit nach Hause", versichert der Staatssekretär. Auch der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach erhält einen Mini-Albert, will ihn aber nicht behalten, wie er sagt. "Den schenke ich der Kanzlerin."

In der Holzwerkstatt des Maker-Space darf Meister unter der Anleitung von Werkstattleiter Bodo Neubert mit der Fräse die Kante eines Brotzeitbretts abschrägen. Er halte es für einen innovativen Ansatz, Forschung nah an die Unternehmen zu bringen und Raum für Kreativität zu schaffen, fasst Meister zusammen. Es sei zu wünschen, "dass andere Regionen auch so aktiv sind. Wir werden auf Dauer nicht von alten Sachen leben können."

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