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Wo Frauen diskutieren

Mit einem neuen Veranstaltungsformat konnte das Aktionsbündnis "Lichtenfelser Frauengruppen" einen großen Erfolg für sich verbuchen können. Zu den ersten Tischgesprächen im Stadtschloss kamen gleich 6...
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Mit einem neuen Veranstaltungsformat konnte das Aktionsbündnis "Lichtenfelser Frauengruppen" einen großen Erfolg für sich verbuchen können. Zu den ersten Tischgesprächen im Stadtschloss kamen gleich 65 Frauen. Initiatorin Maria Hollering-Hamers ging eingangs darauf ein, dass man sich mit dieser Veranstaltung die berühmten Tafelreden im Hause Martin Luthers zum Vorbild genommen habe. Unter dem Motto "Frauen.Zukunft.Frieden" beleuchteten dann vier Referentinnen das Thema aus persönlicher, sozialer, theologischer Sicht und aus der Bildungsperspektive.

Den Auftakt machte Cecily Benecke, die vor zwei Jahren nach Trieb gekommen ist. Aus einem Weindorf an der Nahe stammend, schilderte die 28-Jährige ihre ganz persönliche Sicht auf das Motto des Abends: "Frauen können alles werden". Dieser Satz ihres Vaters begleitete die Hausfrau und Mutter auf ihrem Lebensweg. Doch nach ihrer Erfahrung kritisieren sich Frauen viel zu oft gegenseitig und behindern sich so in ihrer Entwicklung. "Die Kunst, sich gegenseitig zu stärken, muss erst noch trainiert werden!"

Eine ganz andere Herangehensweise eröffnete Nicole Ehrsam, die für die IG Metall Betriebsräte, Jugendvertretungen und Gewerkschaftsmitglieder betreut. Sie beklagte, dass die Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen trotz gleicher Arbeit immer noch bestehe. Etwa 70 Prozent der Frauen arbeiteten in Teilzeit, während der Anteil der Männer nur 5,6 Prozent betrage. Doch der Teilzeitfalle zu entkommen, sei nicht leicht. Deshalb fordere ihre Gewerkschaft eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dass der Anteil der Frauen in Führungsetagen nur 7,5 Prozent betrage, liege unter anderen auch am geringeren Selbstbewusstsein der Frauen und an der Beobachtung, dass Frauen sich nicht selten selbst im Weg stünden. Ehrsam: "Frauen müssen sich Ziele setzen!"

Als Lehrerin an einer Grund- und Mittelschule lenkte Anja Buchdrucker den Blick auf einen typischen Frauenberuf. Die Pädagogin ist seit 22 Jahren tätig und leitet seit sieben Jahren eine Schule in Kulmbach. Der Weg in Führungspositionen werde Frauen nicht leicht gemacht, denn hinter jeden starken Frau stünden drei weiteren Frauen, die sie deshalb kritisieren. In den Blick nahm die Rektorin auch die unterschiedliche Bezahlung an verschiedenen Schularten. So verdienten Gymnasiallehrer bereits zu Beginn ihrer Berufslaufbahn mehr als die für Grund- und Mittelschulen zuständigen Schulräte.

Den Reigen der Referentinnen beschloss Pfarrerin Mirjam Elsel aus Bamberg. Die Koordinatorin der Flüchtlingsarbeit im evangelischen Dekanat Bamberg berichtete von der Sehnsucht vieler Menschen nach Frieden und ihren Bemühungen, hier Impulse zu setzen. In der Flüchtlingsarbeit begegneten ihr immer wieder erschütternde Schicksale, aber auch die Erfahrung, dass Frauen stark wie Männer sein können. Dies gebe ihr die Zuversicht, dass sie dazu beitragen könne, diese Welt ein Stück menschen- und frauenfreundlicher zu machen, berichtete Elsel. Joachim Wegner

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