Oeslau

Wo einst die Prinzen gartelten

Für einen Sommer lang blühen wieder Nelken, Nachtkerzen, Rosen und Männertreu in der Fläche hinterm Kavaliershaus von Schloss Rosenau: Hier befand sich vor knapp 200 Jahren der Garten der beiden Prinzen Ernst und Albert.
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Derzeit dominiert der Sonnenhut die Beete, Bienen freuen sich an den blauen Lobelien (Männertreu). Die Prinzen Ernst und Albert sind als Bild im Garten vertreten, rechts die Attrappe der Vogelvoliere, die sich hier einst befand. Foto: Simone Bastian
Derzeit dominiert der Sonnenhut die Beete, Bienen freuen sich an den blauen Lobelien (Männertreu). Die Prinzen Ernst und Albert sind als Bild im Garten vertreten, rechts die Attrappe der Vogelvoliere, die sich hier einst befand. Foto: Simone Bastian

Die Voliere ist nur eine Attrappe: "Die Beete verlangen nach einem Zentrum", sagt Designerin Bettina Zenk. Deshalb ließ sie den schlanken runden Vogelkäfig dazwischen aufstellen und mit Stoff bespannen. Dahinter lassen sich tatsächlich Vögel erahnen, wenn auch keine echten.

Doch die Voliere hat ein historisches Vorbild: "Man weiß, dass die Prinzen Ernst und Albert in ihrem Garten Finken hielten und von ihrem Taschengeld Vogelfutter kauften", erzählt Gabriele Ehberger, stellvertretende Leiterin der Gärtenabteilung der Bayerischen Schlösserverwaltung. Sie und ihr Kollege Kurt Grübl haben die Rekonstruktion des Prinzengärtchens am Originalplatz kuratiert.

Wo heute das sogenannte Kavaliershaus steht (am Weg zum Parkrestaurant), befand sich früher das Wohnhaus des Fasanenwärters. Es wurde 1865 abgebrochen und durch das Kavaliershaus ersetzt; Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha (Sohn von Albert und Queen Victoria) starb darin im Jahr 1899.

Als Vorlage für die neu angelegten Beete dienten alte Katasterkarten sowie ein Gemälde des Coburger Theatermalers Max Brückner. Das freilich zeigt nicht den Garten, in dem die beiden Prinzen sich als Kinder betätigten, sondern einen, den Queen Victoria 1863, zwei Jahre nach dem Tod ihres Gemahls Albert, anlegen ließ. Vandalen hatten den ursprünglichen Garten zerstört, der 1857 noch von Francis Bedford fotografiert worden war. Das Brückner-Bild, als Transparent an der Seite der Rasenfläche aufgespannt, zeigt eher rosafarbene Beete. Derzeit sind sie gelb - aber das werde sich wieder ändern, versichert Grübl: "In zwei Wochen sind die Nelken wieder da."

Der kleine Garten bleibt eine vorübergehende Sache. Auf Dauer wäre er zu pflegeintensiv, sagt Grübl. "Die Rasenstreifen müssen alle zwei Tage geschnitten werden." Die Bayerische Schlösserverwaltung will mit dieser Installation an den Geburtstag von Prinz Albert vor 200 Jahren erinnern: Am 26. August 1819 wurde er auf Schloss Rosenau geboren, das sein Vater, Herzog Ernst I., im mittelalterlichen Stil hatte herrichten lassen. Albert selbst bezeichnete die Rosenau als das "Paradies unserer Kindheit". Die Prinzen hatten dort nicht nur einen Garten, sondern auch ein kleines Fort. Zum Gartenbereich selbst gehörten ein Gartenhaus und Turngeräte.

Albert übernahm die Idee des Prinzengartens für seine eigenen Kinder. Auf Osborne-House (Isle of Wight) hatten sie ihren Gartenbereich und bauten dort auch Obst und Gemüse an, wie Gabriele Ehberger berichtet. Ob die beiden Coburger Prinzen sich auch mit Erdbeeren, Zwiebeln und Kartoffeln beschäftigten, ist nicht bekannt. Wohl aber weiß man, was im Park von Rosenau aufgepflanzt war, und daran orientierten sich Ehberger und Grübl bei der Auswahl der Pflanzen für die Prinzengarten-Beete.

Der Garten ist nicht das einzige, mit dem die Schlösserverwaltung an den berühmten Prinzen aus dem Schloss erinnert. Am Sonntag, 25. August, findet zu Ehren von Prinz Alberts Geburtstag ein "Festtag auf Schloss Rosenau" statt. Dann wird Gabriele Ehberger persönlich durchs Prinzengärtlein führen (11 und 14 Uhr). Wer außerhalb dieser Zeiten kommt (der Prinzengarten ist frei zugänglich), findet vielfältige Informationen auf den drei Tafeln, die Bettina Zenk gestaltet hat - bis hin zu der Liste, welche Stauden und Blumen in den Beeten aufgepflanzt worden sind, von Leberbalsam über Zinnie und Stockrose bis Königskerze.

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