Sailershausen

Wo die Hainbuche der Eiche dient

Eine Eichensaatfläche des Universitätsforstamtes Sailershausen entwickelt sich prächtig. Eine andere Pflanze hilft.
Artikel drucken Artikel einbetten
Männer zwischen Eichen: Hans Stark, der Leiter des Universitätsforstamtes Sailershauen (Vierter von links), mit den Teilnehmern, die die Eichensaat-Ausgleichsfläche bei Kreuzthal besichtigt haben. Die Aussaat hatte das Forstamt vorgenommen.  Foto: Wolfgang Jäger
Männer zwischen Eichen: Hans Stark, der Leiter des Universitätsforstamtes Sailershauen (Vierter von links), mit den Teilnehmern, die die Eichensaat-Ausgleichsfläche bei Kreuzthal besichtigt haben. Die Aussaat hatte das Forstamt vorgenommen. Foto: Wolfgang Jäger

Vor einigen Jahren hatte das Universitätsforstamt Sailershausen einen Eichenwald angelegt. Jetzt besuchten Interessierte mit dem Forstamtsleiter Hans Stark das Areal.

Durch den Bau eines Bürger-Windparks mit insgesamt zehn Windrädern im Wald bei Sailershausen wurden Waldflächen beansprucht und Zufahrtswege zu den Windrädern teilweise massiv ausgebaut. Für die dazu notwendige Abholzung von Waldfläche wurden 2015 in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Haßberge Ausgleichsflächen angelegt. Man einigte sich auf die Anlage von zwei Eichensaatflächen. Die Einsaat der Eicheln fand im Oktober 2015 statt. Einmal auf einer Ackerfläche der Gemarkung Kreuzthal mit rund 3,6 Hektar und zum anderen auf einer weiteren Teilfläche in der Gemarkung Untertheres mit etwa 2,3 Hektar. Die Ausgleichsflächen wurden eingezäunt. Im folgenden Herbst (Oktober 2016) wurde auf den gleichen Flächen ein Hainbuchennebenbestand, ebenfalls durch Saat, angelegt. Die Hainbuche soll als Nebenbestand die Eichenkultur schließen und in die Höhe drängen und dient zur Beschattung der Stämme im höheren Bestandsalter.

Warum wurde gerade eine Eicheleinsaat vorgenommen? Eichen gehören zu den trockenheitstoleranten Baumarten. Die Eiche gilt als der Gewinner beim Klimawandel. Im Vergleich zu allen anderen Baumarten kann sie sowohl mit der extremen Hitze als auch mit den geringeren Niederschlägen noch am besten umgehen. Wird das Augenmerk auf die richtige Standortwahl gelegt, kann mit der Eichensaat ein wertvoller Baustein für die Zukunft, auch im Hinblick auf die Risiken des Klimawandels, gelegt werden. Für eine Eichensaat mit eigenem Saatgut aus dem Wald des Universitätsforstamts Sailershausen anstelle einer Pflanzung hatte man sich entschieden, weil die Saat kostengünstiger ist und die Eichen besser ihre Wurzeln entwickeln.

Johannes Probst hat im Rahmen einer Projektarbeit an der Bayerischen Forstschule in Lohr neben der Astung von Elsbeeren auch die dreijährigen Eichensaatflächen ausgewertet. Er nahm die beiden Teilflächen durch ein Stichprobenraster auf und beurteilte die Pflanzendichte. Auf der Ausgleichsfläche bei Kreuzthal wurden zum Beispiel anhand von 42 repräsentativ ausgewählten Stichprobenflächen die Dichte, Höhe und Qualität der nunmehr dreijährigen Eichenpflanzen beurteilt. Im Mittel befinden sich auf der 3,6 Hektar großen Eichensaatfläche bei Kreuzthal etwa 10 500 Eichen pro Hektar. Damit ist eindrucksvoll belegt, dass die Eichen in einer ausreichenden Menge über der Fläche verteilt sind, um in Zukunft einen stabilen, klimatoleranten Eichenbestand zu bilden. Da eine große Anzahl an Pflanzen vorliegt, wird sich die Eichenkultur in absehbarer Zeit schließen und die Bäume sich gegenseitig in die Höhe drängen. An den Stämmen beginnt dann die natürliche Astreinigung und es können sich qualitativ hochwertige Individuen herauskristallisieren.

Viel weniger

Anders sieht es beim Nebenbestand Hainbuche aus. Hier stellt man fest, dass die Hainbuche mit gerade einmal 130 Pflanzen je Hektar nur sehr gering vorhanden ist.

Gerade bei der Hainbuche müssten eigentlich mehrere Individuen vorhanden sein. Um im weiteren Bestandsverlauf einen dienenden Nebenbestand ausbilden zu können, kann somit auf eine Nachbesserungsmaßnahme in Form einer Pflanzung nicht verzichtet werden. Die Hainbuche treibt den Entwicklungsprozess der Eichen zusätzlich voran. Sie ist dafür verantwortlich, dass die Eichen keine Wasserreißer ausbilden und zu einem stabilen, klimatoleranten Eichenbestand heranwachsen.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren