Hausen

Wo der Wahnsinn alltäglich ist

Mit dem Buch "Der Wahnsinn rechnet ab" beendet der Hausener Tobias Kühnlein seine Trilogie über den Verkaufsalltag im Einzelhandel - mit Charme und Humor.
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Tobias Kühnlein mit seinem neuen Buch  Foto: privat
Tobias Kühnlein mit seinem neuen Buch Foto: privat

"Der Wahnsinn rechnet ab" heißt der Titel von Teil 3 aus Tobias Kühnleins "Wahnsinns"- Trilogie. Wahnsinn, das ist der ganz normale Alltag eines Elektronikfachberaters und kann für den gewöhnlichen Verkaufstag aller Fachberater stehen. Wobei das mit dem gewöhnlichen Alltag so eine Sache ist. Ihn scheint es nicht zu geben, nur Tage, die noch eins draufsetzen.

Keinesfalls will Tobias Kühnlein mit den Büchern Humor auf anderer Kosten machen. Auch wenn die meisten Situationen so passiert sind, würden sie nicht unbedingt die Lachmuskeln strapazieren. Der Charme des Buches liegt eher an der trockenen ironischen Art, mit der Kühnlein die Situationskomik zu Papier bringt.

Diese entsteht nicht ausschließlich durch das Verkäufer-Kunden-Verhalten, sondern sind vielmehr seine Gedankengänge zu dem Verkaufsalltag, seine Kommentare, seine Ausdrucksweise, in die er seine Gefühle packt, garniert mit üppigen Portionen Fränkisch als Sahnehäubchen obendrauf.

Schöner, schwieriger Dialekt

"Der fränkische Dialekt ist schön, kann aber auch schwierig sein", sagt Kühnlein. Doch einfach so übersetzen, das geht nicht. "Fränkisch kann man nur als Fränkisch abdrucken", meint Kühnlein. Eine Kostprobe aus dem Buch klingt dann so: "Horch a mol! Des bleede Bulldog-Schbill do, des läffd fei ned auf dem neiia Grübbl-Combjuder, den wo I do vor zwaa Wochn kaafd hob."

So begann beispielsweise der berühmte Tag nach Weihnachten. Doch damit auch die anderen Menschen Deutschlands verstehen, was sich da eigentlich abspielt, übersetzt Kühnlein den Part überspitzt: "Lauschen Sie meinen Worten, Fachberater! Die aktuellste Auflage des Landwirtschaftssimulators scheint die technischen Möglichkeiten meines vor zwei Wochen hier neu erworbenen Niedrigpreis-PCs um eine Kleinigkeit zu übersteigen."

Tobias Kühnlein driftet dann gedanklich ab und flicht auf diese Art und Weise - witzig an typisch fränkischen Beispielen geschildert - eine ganze Palette an Themen in das Buch. Das kann der Unterschied zwischen Garantie und Gewährleistung, die Zuspitzung, wenn Fränkisch auf die jugendliche "I-bims-Sprache" trifft, oder emotionale und rationale Werbung sein. "Kaufen Sie Brot, Sie müssen etwas essen" - davon würde sich keiner angesprochen fühlen, erklärt Kühnlein und zeigt in dem Buch auf, dass es manchmal auch zu dem Wahnsinn im Berufsalltag kommt, weil der Mensch der "emotionalen Werbung" nur zu gerne auf den Leim geht.

Beratungsklau ein Thema

Auf humorige Art, die sich durch die gesamten 300 Seiten zieht und auch eine Sondereinlage mit der deutschen Grammatik auf Fränkisch bietet, zeigt der Hausener Tobias Kühnlein jedoch auch die Probleme des Einzelhandels auf. Vor allem der Beratungsklau ist hierbei das Stichwort. An typischen Äußerungen erkennt der Verkäufer, dass der Kunde nicht vorhat, das Gerät hier im Laden zu kaufen.

Beratung sei trotzdem wichtig, findet Kühnlein, der seinen Job immer sehr ernst genommen hat. In Kategorien einteilen kann man die Kunden nicht. Jeder ist individuell und das macht den Berufsalltag aus. Aber es spiegelt zum Teil auch den Typ Verkäufer wider, denn viele Kunden hätten eher eine negative Einstellung dem Verkäufer gegenüber, aufgrund schlechter Erfahrung. Die Absurdität einer Situation muss also nicht vom Kunden ausgehen.

2010 angefangen

Angefangen hat die "Wahnsinns"-Reihe 2010. Da begann Kühnlein, diese Erlebnisse aufzuschreiben. Zum einen, weil sich die Bekannten oft vor Lachen kugelten, wenn er seine kuriosen Erlebnisse in ebensolcher Weise schilderte, zum anderen auch als Erinnerungsstütze und um sich Freude und Frust von der Seele zu schreiben.

Inzwischen hat er auch eine Facebook-Seite über seine Bücher und Arbeit und war angenehm überrascht, dass er auch Fans in Berlin hat. Als Tobias Kühnlein in Berlin war, besuchte er diesen Verkäufer-Fan. "Es ist eines der schönsten Komplimente, wenn einer sagt, ich lese deine Bücher", sagt Kühnlein, der noch immer acht Stunden am Tag in die Arbeit geht, aber nicht mehr ausschließlich im Verkaufsraum.

Arbeit für einen Wrestler

Zudem arbeitet er bei dem Wrestler Alex Wright als Grafiker, kommentiert die monatlichen Shows und ist einmal im Monat auch in den Trailern für die Alex-Wright-Wrestling-Shows auf Rocket-Beans-TV zu hören. Auch das gehört im weitem Sinne zum Verkauf.

Ein weiteres Buch über den Verkaufsalltag wird es aber nicht mehr geben. "Ich sage aber nicht, dass es das letzte Buch war", sagt Kühnlein.

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