Zapfendorf

Wo der Apfel noch nach Apfel schmeckt

Streuobstwiesen stehen hoch im Kurs. In Lauf bei Zapfendorf feierte die Kreisfachberatung ihr 100-Jähriges.
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Bitte ankreuzen: Apfel-Geschmacksprobe auf der Streuobstwiese bei Lauf  Fotos: Johannes Michel
Bitte ankreuzen: Apfel-Geschmacksprobe auf der Streuobstwiese bei Lauf Fotos: Johannes Michel

Uwe Hoff legte den Gästen ein Blatt auf den Tisch. Fünf Apfelsorten durften dann verkostet werden - und die Aufgabe war, sie zuzuordnen. Nicht nach dem Namen, sondern nach Geschmack. Und es zeigte sich einmal mehr: Die Geschmäcker sind genauso verschieden, wie die Äpfel vielfältig sind. In Lauf bei Zapfendorf wurden aber nicht nur Äpfel getestet, sondern es wurde dort auch ein Jubiläum gefeiert. Und ein Baum gepflanzt.

Vor 100 Jahren, im Jahr 1919, schlossen sich die Bezirksgärtner in Ingolstadt zum "Verband bayerischer Bezirksgärtner" zusammen - die Geburtsstunde der heutigen Kreisfachberatung. Dieses Jubiläum wurde in diesem Jahr auch gefeiert, unter anderem dezentral in den Regionen. Für die Landkreise Bamberg, Lichtenfels, Coburg und Kronach fand die Feierstunde in Lauf bei Zapfendorf statt, an einem ganz besonderen Ort. Denn hier gedeihen hunderte Apfel- und Birnensorten auf den Streuobstwiesen der Obstsortenanlage.

Geschichte der "Baumwarte"

Auch wenn das Jahr 1919 den offiziellen Start markiert: Die Kreisfachberatung gibt es eigentlich schon länger. Denn bereits im 19. Jahrhundert existierten "Baumwarte", die bei Gemeinden, bei Schlössern und an Adelshöfen sowie bei den Bezirken tätig waren, den Bauern die richtigen Obstsorten empfahlen, das Baumschneiden zeigten oder Empfehlungen für die Vermarktung gaben, wie Friedhelm Haun, Sprecher der Kreisfachberater Oberfrankens, in einem Vortrag erläuterte. "In der Zeit des Ersten Weltkrieges wurde die Versorgungslage der Bevölkerung prekär. Mit dem Ziel des Selbstversorgungsanbaus kamen die Beratungen zum Gartenbau dazu, die Bezirksbaumwarte wurden zu Bezirksgärtnern." Und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sichtbar, dass in den Dörfern einiges vernachlässigt worden war. So wurde die Dorfverschönerung geschaffen, "die Gartenbauvereine entdeckten es als ihre Aufgabe und die nun Kreisfachberater für Gartenbau genannten Fachleute bei den Landkreisen unterstützten sie."

Im Jahr 1990 schließlich wurden Gartenkultur und Landespflege als verpflichtende Aufgaben in die Bayerische Landkreisordnung aufgenommen - ein Meilenstein. Wenige Jahre später wurde dann der Aufgabenrahmen der Kreisfachberater konkretisiert. Genannt werden die Beratung der Landkreisverwaltung und der Bevölkerung, die Mitwirkung bei Landschaftspflege und Naturschutz, die Förderung von Gartenkultur und Landespflege durch Wettbewerbe und die Zusammenarbeit mit den Obst- und Gartenbauvereinen, unter anderem zur Ausbildung von Garten- und Baumpflegern.

Vielfältige Aufgaben

Vielfältig sind somit die Aufgaben, die im Landkreis Bamberg die Kreisfachberater Uwe Hoff, Claudia Kühnel und Alexandra Klemisch wahrnehmen. Vor allem beim Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft. Unser Dorf soll schöner werden" tritt das Team in der breiten Öffentlichkeit auf, arbeitet aber auch ansonsten mit den Obst- und Gartenbauvereinen eng zusammen, das Trio betreibt nachhaltig Öffentlichkeitsarbeit und kümmert sich unter anderem auch um spezielle Einrichtungen wie das Obstparadies Bamberger Land in Lauf.

Landrat Johann Kalb (CSU) lobte dann auch das Engagement seines Teams: "Ich bin stolz auf unsere drei Fachberater." Wichtig war ihm, dass eine echte Beratung auch für Privatleute stattfinde, bei der es nicht um das zwanghafte Aufdrücken gehe. Die gute Zusammenarbeit mit den rund 80 Obst- und Gartenbauvereinen im Landkreis mit etwa 11 000 Mitgliedern beweise dies. Zapfendorfs Zweiter Bürgermeister Andreas Schonath ging auf die Geschichte der Streuobstwiese ein: 1988 wurde sie an den Landkreis verpachtet, 2017 schließlich an den Landkreis verkauft. "Das war wichtig zur Sicherung des Bestandes. Wenn private Streuobstwiesen an die nächste Generation übertragen werden, hat das bisher oft das Aus bedeutet."

Kreisfachberater Uwe Hoff hatte sich eine besondere Aktion ausgedacht und auf ein Blatt Papier fünf Beschreibungen gedruckt - nicht die Namen von Apfelsorten, sondern das Geschmackserlebnis. Fünf Apfelsorten gab es dann für die Gäste zu probieren, und sie sollten aufschreiben, von Nummer 1 bis Nummer 5, wer welchen Geschmack mitbringt. Einigen gelang das sehr gut - und Hoff zeigte sich bestätigt: Das vielfältige Geschmackserlebnis des Produkts Apfel lässt sich nur schwer mit den wenigen Sorten beschreiben, die es bei uns in den Supermärkten gibt.

Suche nach geeigneten Flächen

"Unser Ziel auf der Streuobstwiese ist es, die alten Sorten, die ansonsten in Vergessenheit geraten würden, zu erhalten. Sie können zudem nützlich sein, um sie bei auftretenden Krankheiten einzukreuzen", erklärte Hoff. Und er beschrieb, wie er vor rund 30 Jahren mit dem damaligen Bürgermeister Josef Martin durchs Gemeindegebiet streifte, auf der Suche nach geeigneten Flächen für die Obstsortenanlage des Landkreises. Eine Zahl hatte er auch noch dabei: Dieses Jahr konnten elf Tonnen Obst auf der Anlage geerntet werden. Zum Abschluss der Feier pflanzten Kreisverbandsvorsitzender Günther Denzler, Johann Kalb, Friedhelm Haun und Andreas Schonath einen neuen Baum auf die Wiese, einen "Braunen Matapfel". Er gehört zu den ältesten heute noch bekannten Sorten des Kulturapfels und war früher weit verbreitet, heute ist er nur noch selten anzutreffen.

Blühflächen-Experten

Und wie geht es mit der Kreisfachberatung in der Zukunft weiter? Auch auf diese Frage hatte Friedhelm Haun Antworten: Kreisfachberater kennen die Ansprüche von Bäumen und können so auch in Zeiten des Klimawandels trockenheits- oder hitzeresistente Bäume empfehlen, sie sind Experten in Sachen Biodiversität, wissen, wie Blühflächen angelegt werden. Und so werden sie auch weiterhin "zur Freude und zum Wohl von Bürger und Natur" arbeiten, so Haun.

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