E inmal in der Woche fahre ich zum Supermarkt. Dort schiebe ich den Einkaufswagen vor mir her, der sich von Abteilung zu Abteilung immer mehr füllt. Schließlich reihe ich mich ein in die Warteschlange an der Kasse. Die nette Verkäuferin wiegt das Obst und tippt mit flinken Fingern die Preise der übrigen Waren ein. "Macht 43 Euro 87", sagt sie.
"Immer diese krummen Beträge", denke ich mir und werde nervös. Die Scheine ziehe ich schnell aus der Brieftasche. Bis ich aber das Kleingeld passend herausgefischt habe, vergehen gefühlte Ewigkeiten.
Inzwischen hat das Fließband meinen gesamten Einkauf in die Auffangschale weitergeschoben und ich habe Mühe, alles ebenso flink wieder einzupacken, wie es abgerechnet wurde. Auf dem Weg zum Auto wird mir klar, dass ich viel mehr gekauft habe, als ich eigentlich brauche. Wieder einmal!
Aber so ist das im Supermarkt. Man sieht dies und jenes und schon liegt im Einkaufswagen, was besser im Regal geblieben wäre. Auf der anderen Seite sind wir auch Weltmeister im Entsorgen. Nahrungsmittel werden ohne Bedenken weggeworfen, nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum um ein paar Tage überschritten ist.
Geräte, von denen man sich heute leichten Herzens trennt, wurden früher noch mit viel Aufwand repariert - die Kaffeemaschine, das alte Radio oder der Haarföhn. Und ebenso ist es mit den Kleidungsstücken: Socken wurden gestopft, wenn sie Löcher hatten. Mäntel wurden aufgetragen, auch wenn sie längst nicht mehr dem Modetrend entsprachen. Und Schuhe mit löchrigen Sohlen wurden zum Schuster gebracht. Man war eben dankbar für das, was man hatte.
Wo bleibt heute die Wertschätzung? Wie selbstverständlich wir doch davon ausgehen, dass alles da ist, worauf wir gerade Lust haben, wonach uns der Sinn steht! Wo bleibt die Dankbarkeit - vor allem für die vielen Annehmlichkeiten, die uns das Leben im Alltag erleichtern? Ist es wirklich selbstverständlich, dass klares, sauberes und trinkbares Wasser aus dem Hahn fließt und dass wir einfach die Heizung aufdrehen können, wenn uns friert?
Diese Fragen begleiten mich hinein in den Sonntag. Da feiern wir das Erntedankfest. Die Altäre in unseren Kirchen sind festlich geschmückt. An diesem Tag riecht es in den Gotteshäusern herrlich nach Kartoffeln, Rüben, Äpfeln und Birnen, nach allem, was der Garten so hergibt.
Wie reich wir doch beschenkt sind, denke ich mir und stimme kräftig ein in das Lied: "Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn, er hat dir viel Gutes getan." Er ist der Geber aller Gaben. Was wir zum Leben haben, kommt aus seiner Hand. Er sorgt für uns. Wie gut wir es doch haben. Denken wir daran, wenn wir in einen Apfel beißen oder die Butter aufs frische Brot streichen?
(Stefan Köttig ist evangelischer Pfarrer in Maroldsweisach.)