Coburg

Wo Bauchgefühl und Bürokratie zusammenpassen

Die Sozialpädagogin Carolin Bauernfeind kümmert sich um Coburgs Mündel - von Amts wegen. Einmal im Monat hält sie persönlichen Kontakt. Einfach ist der Job nicht - persönliche Gefühle bleiben nicht aus.
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Foto: privat
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Die zehn- und 15-jährigen Kinder leben bei der Oma. Ihre drogenabhängige Mutter ist verstorben, der Vater nicht greifbar. Die Vormundschaft für die beiden hat Carolin Bauernfeind, Sozialpädagogin, 30 Jahre alt und in der Stadt für Amtsvormundschaften zuständig.

Zwei von elf Minderjährigen, für die die Stadt Coburg die volle Vormundschaft übernommen hat. Für weitere zehn Kinder hat das Jugendamt derzeit eine Teilsorge.

Nicht zwangsläufig lebt das Kind dann bei Pflegeeltern oder im Heim. So wohnt ein zwölfjähriger Junge noch bei seiner Mutter, obwohl die schon seit Jahren als psychisch krank und überfordert gilt. "Es kommt immer auf die enge Bindung zwischen Mutter und Kind an", erklärt Carolin Bauernfeind. Das Wohl des Kindes stehe an oberster Stelle. Für die Mutter gibt es Auflagen, und ein enges Helfernetzwerk unterstützt die Sozialpädagogin. Dazu gehören die Lehrer in der Schule, die Auffälligkeiten melden, oder auch der Kinderarzt, der sich bei gesundheitlichen Problemen bei Carolin Bauernfeind meldet oder Pflichtuntersuchungen anmahnt. Einmal im Monat schaut sich Carolin Bauernfeind ihr Mündel persönlich an, geht spazieren, Eis essen oder spielt mit ihm.

Das Risiko, eine falsche Entscheidung hinsichtlich des Aufenthaltsortes eines Kindes zu treffen, bestehe immer. Grundsätzlich geht die junge Frau jedoch gelassen an die Herausforderungen heran. "Ich habe schon ein großes Grundvertrauen in die Menschen. Ohne das geht es auch nicht", sagt sie. Ihre Erfahrung, ein gutes Bauchgefühl und das Helfernetzwerk bilden ein stabiles Konstrukt für das Gelingen ihrer Arbeit.

Hauptsache, dem Kind geht's gut

Beispiel: Hausbesuch. Selbst, wenn die Wohnung auf den ersten Blick verwahrlost aussieht, und Carolin Bauernfeind für ihr eigenes Kind einen anderen Hygienestandard ansetzen würde, liegt doch in erster Linie ihr Augenmerk auf dem Wohlbefinden des Mündels. Sie kann entscheiden, ob ein Kind aus der Familie genommen wird und in die Obhut einer Pflegefamilie oder Wohngruppe kommt.

Durch eine engmaschige Betreuung der Familie können Kinder aber meistens in ihren Familien bleiben. "Wenn das Kind gut entwickelt ist, lacht und engen Körperkontakt mit der Mutter hat, gibt es für mich keinen Grund, es aus dem gewohnten häuslichen Umfeld zu nehmen - bloß, weil die Decke auf der Couch mal gewaschen werden müsste."

Ein schönes Beispiel dafür, dass Kinder bei der Mutter gut aufgehoben sind, ist auch eine 16-jährige Coburgerin, die bereits zwei Kinder hat und mit den beiden bei ihrer Mutter lebt. "Den Kindern geht's gut." (Bauernfeind) Von Amts wegen ist es jedoch so, dass für alle Kinder von minderjährigen Müttern das Jugendamt die Vormundschaft übernimmt, bis die Mutter volljährig ist.

Carolin Bauernfeind ist schon seit sechs Jahren Vormund in der Stadt. Als sie mit 24 Jahren anfing, war gerade ihr Alter ein Pluspunkt. Reinhold Ehl, der Leiter des Amtes für Jugend und Familie: "Gerade wegen ihrer Jugend findet sie schnell Kontakt zu den minderjährigen Müttern und den Pflegekindern." Sie hat an der Hochschule Coburg Soziale Arbeit studiert und schon vor dem Studium Erfahrungen im pädagogischen Bereich gesammelt. Mittlerweile ist sie selbst eine junge Mutter und arbeitet zwölf Stunden in der Woche, in denen sie sich zusammen mit einer Kollegin um insgesamt 21 Kinder und Jugendliche kümmert.

Größeres Verständnis

Hat sich der Blick auf ihre Arbeit verändert, seit sie selbst ein Kind hat? "Auch, wenn ich bereits ohne eigene Kinder schon viel Empathie und Verständnis für die Familien hatte, hat sich doch etwas geändert", reflektiert Carolin Bauernfeind. Dazu gehöre vor allem ein noch größeres Verständnis dafür, dass die Gefühle von Eltern zu ihren Kindern unbeschreiblich stark sind. "Ich habe ein größeres Einfühlungsvermögen, wenn Eltern ihre Probleme schildern. Und mir ist klar geworden, dass so manche Pläne, die man selbst oder auch andere für ein Kind haben, manchmal einfach nicht funktionieren. Schließlich hat jedes Kind seinen eigenen, ganz individuellen Charakter."

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