Adelsdorf

Wo auch die Leberwurst lacht

Die Adelsdorfer Metzgerei Fleischmann bot den Rahmen für ein besonderes literarisches Vergnügen.
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Christian Schmidt (l.) und Jürgen Fleischmann nutzten die Wursttheke als Lesepult. Foto: Johanna Blum
Christian Schmidt (l.) und Jürgen Fleischmann nutzten die Wursttheke als Lesepult. Foto: Johanna Blum

Die Besucher, die sich vergangene Woche zu einer Lesung in der Adelsdorfer Metzgerei Fleischmann eingefunden hatten, hatten sich nicht etwa in der Straßenseite geirrt - direkt gegenüber liegt die Buchhandlung Bücher Schmidt -, sondern sie waren genau richtig. "Fleischi" Jürgen Fleischmann und Christian Schmidt von Bücher Schmidt hatten zum "Lessen" (Lesen und Essen) ein. Unter dem Titel "Die lustige Leberwurst" präsentierten sie "the witzigst of" fränkischer und außerfränkischer Literatur. Passend zum Ort des Geschehens gab es Leberwurstbrote, Tatarbrote und andere antivegetarische Häppchen.

"Nach der Mondlandung vor 50 Jahren ist dies das zweite epochale Ereignis in der Weltgeschichte", begrüßte Schmidt die Gäste in der Metzgerei. Eine Lesung von Jürgen von der Lippe hatte die beiden Geschäftsnachbarn zu diesem Abend inspiriert.

Im Dialog trugen Fleischmann, der hervorragend den fränkischen Part übernahm, und Schmidt Geschichten verschiedener meist fränkischer Autoren vor. Tommi Goerz zum Beispiel hat sich intensiv der Bierkellerkultur angenommen. Er beschreibt in einem etwas einseitigen Dialog auf einem Keller, wie zwischen zwei Menschen mit 20 Fragen alles geklärt ist. Hier kommen die Zuhörer voll auf ihre Kosten, wenn sie das Mienenspiel der beiden Vorleser beobachten, denen das Vortragen selbst viel Spaß macht. Auch dass Allah auf einem Keller am größten ist, hören sie, denn viele Männer sitzen gerne "allaa aufm Keller". Vom selben Autor lauschen die Gäste dem Gespräch der Verwandten am Grab einer Verstorbenen. "Beim Aldi an der Kasse is sie gstorben und hat net amal bezahlt!" Von nun an werde nur noch bei der Norma eingekauft.

Brot von gestern für morgen

Der Autor Helmut Vorndran durfte auch nicht fehlen. Von wunderbaren Gerstengetränken ist in der "Kamuelsfeder" zu lesen und davon, wie ein Sigi Dinkel einen experimentellen Granatsplitter-Muffin aus allen möglichen Essensresten einer Party, egal ob sie auf dem Boden lagen, egal ob Fleisch oder Kuchen, kreierte. Guten Appetit!

Horst Evers, ein Berliner Autor und Kabarettist, beschreibt in einer Kurzgeschichte, wie ein Bäckereikunde Brot von gestern für morgen vorbestellte. Auch aus seinen "Erlebnissen mit Franken" wurde eine Geschichte von der "Tschikoreesalami" zum Besten gegeben. Die Zuhörer konnten nicht genug bekommen und natürlich waren sogar zwei Zugaben fällig.

Von einem Besuch am Nürnberger Weihnachtsmarkt handelt die erste Zugabe, wieder von Horst Evers, und sie erzählt, wie eine Schar recht alter, sturzbetrunkener Herrn am Christkindlesmarkt schlüpfrige Weihnachtslieder singt und eine koreanische Gruppe dies begeistert mit dem Handy aufnimmt. In den Erinnerungen an diese Weltreise ist das neben denen an den Buckingham Palast, den Eiffelturm und mehr der Höhepunkt ihres Deutschlandbesuchs.

In Markus Raths Buch "Man tut, was man kann" geht es noch um Missverständnisse zwischen Mann und Frau. "An was denkst du?", fragt die Frau nach der gemeinsam verbrachten Nacht. Er, der darüber nachdenkt, wie er sich elegant vom Acker manchen kann, antwortet: "An dich." Nichts produziere mehr Lügen als diese Frage.

Irgendwann musste dann einfach Schluss sein. Gut gestärkt und bestens gelaunt machten sich die Zuhörer auf den Heimweg.

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