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Wertpapierforum

Wirtschaftsexperte Gürne sieht Europa im Bann von drei Krisen

Unter dem Titel "Zeitenwende - Europas Rolle in einer veränderten Welt" analysierte der Journalist und Fernsehmoderator Markus Gürne beim Wertpapierforum der VR-Bank Oberfranken Mitte exzellent und me...
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Der Journalist und Fernsehmoderator Markus Gürne war zu Gast beim Wertpapierforum der VR-Bank Oberfranken Mitte. Foto: Werner Reißaus
Der Journalist und Fernsehmoderator Markus Gürne war zu Gast beim Wertpapierforum der VR-Bank Oberfranken Mitte. Foto: Werner Reißaus

Unter dem Titel "Zeitenwende - Europas Rolle in einer veränderten Welt" analysierte der Journalist und Fernsehmoderator Markus Gürne beim Wertpapierforum der VR-Bank Oberfranken Mitte exzellent und messerscharf die Fragen, die sich aus einer immer unübersichtlicher werdenden Weltordnung ergeben.

Der Leiter der ARD-Börsenredaktion sowie Moderator der Sendung "Börse vor acht" und des Wirtschaftsmagazins "Plusminus" stellte zunächst sein Buch "Die Welt ist eine Börse" vor: "Ich habe tatsächlich zehn Jahre an dem Buch geschrieben, in dem es um die Zusammenhänge von Politik, Wirtschaft und Finanzen geht." In dem Buch versucht er zu zeigen, dass Krisen Systeme haben und dass Systeme auch Krisen brauchen.

Mit nur einem einzigen Bild, einer Weltkarte, präsentierte Gürne auf der Leinwand die Staaten, die Einfluss auf das "kleine Deutschland" und Europa haben: "Die Welt, wie sie sich hier darstellt, besteht aus vier bestimmenden Staaten: USA, Russland, China und Indien, das bald das bevölkerungsreichste Land der Erde sein wird, noch vor China." Im gleichen Atemzug erläuterte der Buchautor die drei Krisen, die für Europa aktuell bestimmend sind und noch lange bleiben werden.

Probleme mit Russland

Zum einen seien das die Krise in der Ukraine und die damit verbundenen Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Gürne: "Die Amerikaner haben kaum Wirtschaftsbeziehungen mit Russland, aber wir Europäer und besonders wir Deutschen schon."

Die Flüchtlingskrise nannte Gürne als zweiten Punkt: "Es kommen Menschen aus Staaten, die keine staatliche Struktur mehr haben und den Begriff Staat nicht mehr verdienen." Gürne sah es gerade für Europa als eine Herausforderung an, die deutschen Grundwerte Frieden, Freiheit und Sicherheit in diese Staaten zu bringen, weil es diese dort nicht mehr gibt.

Und die dritte Herausforderung für Europa ist nach Ansicht des Referenten die Euro- und Bankenkrise. Dafür sei Griechenland ein Synonym, und für die Griechen sei der Euro die falsche Währung. Ihre Schulden könnten die Griechen niemals zurückzahlen. Gürne: "Sie haben auch nicht die geringste Lust dazu, sie wollen es auch nicht."

Interessen besser vertreten

Ein weiteres Thema des Referenten war der Brexit der Briten, die für ihn noch immer in der Vergangenheit leben und vom Commenwealth träumen. Donald Trump bezeichnete er als "verhaltensauffällig", und dessen Administration sei zwar schlau, aber mit einem sehr schlichten Blick auf die Welt: "Stark - schwach, gut - böse".

Was Gürne kritisierte, das ist die Durchsetzung von Interessen: "Wir Europäer stehen nicht für unsere Interessen ein, wir müssen die Dinge besser kommunizieren. Europa ist mit Abstand die stärkste Wirtschaftsmacht auf diesem Planeten, aber wir machen nichts draus."

An der Autoindustrie machte der Journalist deutlich, welche Probleme die Politik und die Industrie derzeit miteinander haben und zeigte überhaupt kein Verständnis für die Vorgaben des Bundesverkehrsministeriums bei den Dieselfahrzeugen. Schließlich sprach Markus Gürne auch die fehlenden Rohstoffe in Deutschland an und kam zum Ergebnis: "Wer keine Rohstoffe hat, der braucht Bildung."

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