Herzogenaurach

Wirt zum Feierabend

Von 1946 bis 1975 gab es den "Walfisch" in der Hauptstraße. In dem Haus neben dem Vehnturm ist seit 1993 eine Buchhandlung.
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Bernhard Panzer Es gab eine Zeit, da befanden sich die Gastwirtschaften in der Hauptstraße von Herzogenaurach quasi Haus an Haus. Eine ganze Reihe von Lokalen war registriert, und eine der berühmteren Stätten war der "Walfisch" gleich neben dem Vehnturm. Heute ist dort, und das auch schon seit 25 Jahren, eine Buchhandlung.

"In den 50er Jahren gab es in Herzogenaurach zirka 30 Wirtshäuser." So beginnt Fritz Spieß eine Geschichte über den "Walfisch", die er in einem Buch "Geschichte und Geschichten aus Herzogenaurach" aufgeschrieben hat. Einen Großteil seiner mehr als 300 Seiten starken Veröffentlichung aus dem Jahr 2002 widmet der Autor der Innenstadt.

Der Leser erfährt über den "Walfisch", dass die Ursprünge des Hauses in das 15. Jahrhundert zurückgehen. Damals wurde eine Familie Sesselmann als Besitzer des Anwesens genannt. Um 1807 hinterlässt ein Bäckermeister Friedrich Kellermann das Haus seiner Witwe. Eine Susanna Kellermann heiratete später in die Familie Staudigl. Und so betritt der Gastwirtssohn Konrad Bitter die Bühne, der in die Familie heiratete und 1920 in das Haus geholt wurde.

Konrad Bitter, 1897 in Herzogenaurach geboren, war der "Walfisch"-Wirt schlechthin. Er führte das Lokal von 1946 bis 1975. Fritz Spieß hat weiter recherchiert: Zuvor, Anfang der 30er Jahre, fand der gelernte Zinngießer Arbeit bei der Wollwarenfabrik Wirth und Söhne. Das machte er bis zu seiner Rente, den "Walfisch" führte er nach Feierabend. Die Konzession für die Bierwirtschaft hatte er 1946 bekommen.

Am 11. Februar 1976 starb Konrad Bitter, fünf Tage nach seinem 79. Geburtstag. Mit seinem Tod ging auch eine Gaststättengeschichte der besonderen Art in Herzogenaurach zu Ende. Das Lokal schloss im Dezember 1975.

Im Juli 1993 erhielt das einstige Lokal seine heutige Nutzung: die Buchhandlung "Bücher, Medien und mehr" zog ein. Inhaberin war Barbara Jung-Reusch - eine Visionärin sowie mutige und unglaublich bemerkenswerte Frau. Sie hatte 1980 die Türen ihrer "Bücherstube" am Herzogenauracher Marktplatz eröffnet und zog 13 Jahre später in das Haus am Vehnturm um, wo mehr Platz zur Verfügung stand.

Im Frühsommer 2014 verstarb Barbara Jung-Reusch nach langer Krankheit. Sie hat aber viel von ihrer Energie und ihrem "Spirit" da gelassen, berichtet Stefanie Greber, die den Laden seither führt. Das Team ist damals vollständig geblieben. Zwei Jahre später wurde schräg gegenüber zusätzlich ein Buchcafé eröffnet.

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