Bamberg

"Wir wollen für alle das Gute"

Personalmangel war Auslöser für den Entwicklungsprozess "Erzbistum mitgestalten". Die künftigen Seelsorgebereiche sind nun territorial festgelegt. Eine "Mega-Herausforderung" auch für die Katholiken in Bamberg.
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Marion Krüger-Hundrup Ist es nun Zweckoptimismus oder einfach nur nüchterner Realitätssinn? "Das Reich Gottes wird nicht untergehen im Strukturprozess, das ist Mittel zum Zweck", sagt Pfarrer Matthias Bambynek trocken zu dem Vorgang, der die Katholiken im Erzbistum Bamberg seit geraumer Zeit beschäftigt. "Erzbistum mitgestalten" steht als bündige Überschrift über einem Procedere, das der zunehmenden Personalnot geschuldet ist: Der Fachkräftemangel hat die katholische Kirche erreicht. Zu wenig Priester, zu wenig Mitarbeiter für die Seelsorge und die vielfältigen kirchlichen Aufgaben insgesamt erfordern "ein Denken über den eigenen Kirchturm hinaus", zweifelt Pfarrer Bambynek nicht an der Notwendigkeit des Strukturprozesses - sofern jetzt "pastorale Ziele gesetzt werden, um von der Mangelverwaltung zur lebendigen Gemeinde zu kommen".

Große Herausforderung

Matthias Bambynek, Pfarrer der Oberen Pfarre (Unsere Liebe Frau) mit St. Urban und Bug sowie Pfarradministrator von St. Martin mit St. Josef im Hain und obendrein leitender Pfarrer der Seelsorgebereiche Dom/Obere Pfarre und St. Martin und St. Josef Gaustadt, spricht von einer "Mega-Herausforderung" für die Katholiken auch in der Stadt Bamberg. Für die Bischofsstadt sind nun zwei Seelsorgebereiche festgelegt und von der Ordinariatskonferenz bestätigt: "Bamberg-Stadt 1" umfasst die in diesem Absatz genannten Pfarreien mit zusammen rund 17 280 Katholiken. Zu "Bamberg-Stadt 2" gehören künftig St. Gangolf, Maria Hilf mit St. Wolfgang, St. Otto, St. Anna, St. Heinrich und St. Kunigund mit rund 21 050 katholischen Christen.

Seelsorgebereiche festlegen

Noch sind "Bamberg-Stadt 1 und 2" nur Arbeitstitel und mathematische Größen. Im Herbst 2019 sollen diese Seelsorgebereiche durch die Ausfertigung der entsprechenden Dekrete in Kraft gesetzt werden. Und zwar mit neuen Namen, jeweils einem leitenden Pfarrer und einem Verwaltungsleiter. Die Phase bis dahin sollen Koordinatoren organisieren und moderieren. Für "Bamberg-Stadt 1" ist Pfarrer Bambynek Koordinator, für "Bamberg-Stadt 2" Pfarrer Marcus Wolf aus dem bisherigen Seelsorgebereich St. Gangolf-St-Otto-Maria Hilf.

Beide Pfarrer stehen unter anderem vor der Aufgabe, pastorale Teams aus weiteren Priestern, aus Pastoralreferenten, Gemeindereferenten, Diakonen zusammenzuführen. "Wir würden auf hohem Niveau jammern, wenn wir uns im Vergleich zu anderen über die Personenzahl beklagen würden", erklärt Pfarrer Marcus Wolf zu den immerhin "sechs Leuten im Team für Bamberg-Stadt 2".

Mentalitäten beachten

Er spricht von "ähnlichen Mentalitäten in Bamberg-Ost", die die Seelsorge unter geänderten territorialen Bedingungen erleichtern könnten. Allerdings, so räumt der Pfarrer ein, "ist flächendeckende Seelsorge nicht möglich, im größeren Bereich schon gleich gar nicht". Marcus Wolf führt ein Beispiel an: Im Bereich "Bamberg-Stadt 2" gäbe es jährlich etwa 360 Beerdigungen. Täglich müsse also allein schon ein Trauergespräch mit Angehörigen geführt werden.

Pfarrer Bambynek ist mit seinem pastoralen Team (4,96 Stellen) schon entscheidende Schritte weiter als die Koordinatoren in den weiteren neuen 34 Seelsorgebereichen (statt bisher 95) im Erzbistum Bamberg: "Vieles ist aus pragmatischen Gründen bereits geregelt", verweist Bambynek auf die "spezielle Situation" in St. Martin und St. Josef Gaustadt.

Über Nacht Pfarrer verloren

Beide Gemeinden verloren im vergangenen Jahr sozusagen über Nacht ihre Pfarrer. Aus Notlösungen, aus viel Solidarität von innen und Unterstützung von außen erwuchs die Pflanze Hoffnung in den beiden Pfarreien. Und zwar ganz ohne "Gießkannenprinzip", wie Pfarrer Bambynek konstatiert: "Jede Pfarrei auch im neuen großen Seelsorgebereich soll ihre Charakteristika und eigene Entwicklungsgeschwindigkeit behalten." Zumal "wir für alle das Gute und miteinander in die Zukunft gehen wollen", so der Koordinator. Ob die Koordinatoren Bambynek und Wolf auch die künftigen Leiter der beiden Bamberger Seelsorgebereiche sind, ist noch vage. Fest steht jedoch, dass für "Bamberg-Stadt 1" die Obere Pfarre Verwaltungssitz werden soll und für "Bamberg-Stadt 2" St. Heinrich. Geplant ist auch, in der Innenstadtkirche St. Martin die Citypastoral zu etablieren oder die Seelsorge in den Altenheimen neu zu organisieren: "Ein riesiges Projekt", betont Bambynek. Ihm und auch Wolf ist es bei allen Maßnahmen wichtig, die ehrenamtlichen Gremien mitzunehmen, überhaupt die Ehrenamtlichen zu begleiten, die Kirchen als Orte des stillen Gebetes offen zu halten, Vertrauen aufzubauen. Die beiden noch jungen Priester wissen nur zu gut, dass der Strukturprozess "in schwieriger Großwetterlage für die Kirche läuft".

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